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Erlebnis-Abend : Von Rüben-Malheur, einem verdreiten Köter und toten Gänsen

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

„Wullst du nen richti vergnögten Obend hemm und döchti watt twischen de Tähn, dann geit datt ins Haselauer Landhaus“. Dieser Schnack hatte sich herumgesprochen: Drei Tage lang ein ausverkauftes Haus, ein Original Rüben-Malheur mit superzartem Räucherfleisch, Kochwürsten und Speck-Birnenkuchen wie Opa und Oma das schon anno dunnemals gefuttert haben und von Koch Jan Lienau oberlecker zubereitet, eine temperamentvoll vorgetragene Geschichte - ganz klor ok op Platt - von der zauberhaften Merle Mohr, nach der kein Mensch je wieder Gänsebraten isst und die Elmshorner Speeldeel, bei der in Haselau natürlich Gerd Richert und sein Dream-Team nicht weit ist.

shz.de von
erstellt am 11.Mär.2012 | 21:31 Uhr

Ganz zum Schluss gab's dann noch ein bisschen Klamauk, der auf Neudeutsch dann Comedy heißt und von Jens Wagner ebenfalls auf Platt erdacht und recht platt vorgetragen wurde.

„So'n Hund as mien Hannibal“ heißt die niegelnagelneue Bühnenproduktion, mit der die Speeldeel jetzt auf Tour geht und sie ist mal wieder vollgestopft mit Originalen, Glanzlichtern und Schnacks, die Menschen ut de Masch und ut de Geest so lieben. Da ist zuerst einmal der Bauer Jochen Holtfreter (Gerd Richert) mit den braunkarierten Pantüffeln und der mehrfach geflickten ollen Manchesterhose, gnatzig wie eine olle Kopfweide und wenn keiner zuhört, mit seiner auch nicht gerade auf den Mund gefallenen Frau Ella (Margret Federling) immer auf Krawall gebürstet. Gerd Richert und Margret Federling greifen alle beide ganz tief in die schauspielerische Trickkiste und holen ein ganz aus dem Leben gegriffenes Doppel heraus, das das gesamte Publikum sich vor Lachen biegen lässt. Und meist geht es bei der deftigen Kabbelei um den Hund Hannibal, der durchs Dorf stromert, Nachbars Kartoffelacker umpflügt, klaut wie ein Rabe und überall mächtigen Blödsinn anstellt. Schließlich beschwert sich auch Nachbar Ludwig Maiboom, pensionierter Bahnbeamter und immer noch in Rock und Mütz' der alten Reichsbahn - geradezu göttlich dargestellt von Udo Pump - über den umtriebigen Köter und plötzlich schwebt das vormals keifende Ehepaar in trauter Zweisamkeit. Der wutentbrannte Bahnbeamte brennt dem verflixten Hund tüchtig eine über und nun erscheinen in der guten Stube vom Bauern Holtfreter nicht nur der Hunde-Attentäter, sondern auch noch Nachbar-Bauer Emil Eggers und Frau Claudine - Bodo Koopmann und Maren Lötje verkörpern die beiden köstlich aufgemacht und in bester Spiellaune - und der Dorfpolizist, überzeugend streng und förmlich von Reinhard Glanz gespielt. Kurz und gut: Ein turbulentes Stück ohne eine Minute Langeweile, eine tüchtige Hauerei ist auch dabei.

Die Darsteller der knorrigen Typen sind ohne Fehl und Tadel und geben ihrem Publikum den Spaß an der plattdeutschen Sprache so überzeugend mit auf den Weg, dass das Grienen auf allen Gesichtern sicher noch eine ganze Weile anhält.

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