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Uetersener Nachrichten

18. Oktober 2017 | 02:35 Uhr

Uetersen früher : Von klugen kleinen Leut’

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Die alten Uetersener waren nicht dumm. Dienstmädchen und Handwerker im 18. Jahrhundert konnten lesen und schreiben. „Ganz selten ist es der Fall, dass einer mal nur Kreuze machte“, sagte gestern die Uetersener Historikerin Elsa Plath.

shz.de von
erstellt am 30.Jul.2013 | 21:25 Uhr

Sie will Beweise dafür liefern, gesichert durch jahrzehntelange Arbeit im Klosterarchiv. Am Sonntag, 11. August, wird Elsa Plath in der Priörinnenscheune Einblicke in das Leben von Uetersenern im 17. und 18. Jahrhundert geben. Sie wird historische Schriftstücke aus dem Alltag der kleinen und großen Leute präsentieren und die Geschichten dahinter erzählen. Die Sopranistin Veronika Haker wird Lieder aus der Zeit anstimmen. Im Namen der Arbeitsgemeinschaft Klostertage Uetersen des Vereins Ueterst End lädt Elsa Plath zum zweiten Mal zu einem Archivtag ein.

„Es sind spannende Geschichten“, sagte die 81-Jährige. Sie will zum Beispiel Quittungen von Bäckern aus dem Jahr 1710 über die Lieferung von Weißbroten an das Kloster zeigen. Die Laibe waren für die Schnitter der kirchlichen Wiesen bestimmt. „Das ist erstaunlich. Weißbrot gibt ja keine Kraft, aber Schwarzbrot hatten sie alle zu Hause. Im Kloster sollten sie etwas Besonderes bekommen“, sagte Plath. Nicht minder interessant ist, dass das Kloster damals nur drei Uetersener Bäckern die Erlaubnis zum Backen von Kuchen und Weißbrot erteilt hatte.

Ihre Lese- und Schreibfähigkeiten verdankten die Handwerker der Schulpflicht, die schon damals galt. „Sie mussten unter Androhung von Strafe in die Lateinschule gehen“, sagte Plath.

Und schon damals gab es in Uetersen geteilte Meinungen über die Lehrgebäude. So wird Plath den Entwurf des damals renomierten Architekten Christian Hansen für eine Elementarschule zeigen. „Es ist eine wunderschöne Zeichnung“, sagte Plath. Den Zuschlag erhielt Hansen jedoch nicht.

Auch der Streit über die zumutbare Länge des Schulwegs ist keine Erfindung des 21. Jahrhundert. Die Lateinschule lag an der Kirchenstraße. Nicht wenigen Uetersenern war der Weg dahin zu weit. Kurzerhand eröffneten Handwerker daher sogenannte Winkelschulen. Die waren aber verboten.

Die Bildung zahlte sich aus. So beschwerte sich ein Dienstmädchen beim dänischen König, dass ihre Herrin, eine Klosterdame, den Lohn nicht ausbezahlt habe. Auch wenn die Magd die Klage nicht selbst aufgesetzt haben mag, unterschrieb sie das Dokument doch eigenhändig – und hatte Erfolg.

Von 1990 bis 2012 hatten Plath und ihre Helfer das Klosterarchiv im Keller von Hubertus Graf von Luckner geordnet. Aus dieser Arbeit schöpfen sie nun. Plath wird die Historie nicht nur erzählen, sondern auch zum Klingen bringen. Sie spielt Klavier, wenn Haker zum Beispiel das „Lied vom Schulmeister“, ein Wiegenlied aus dem 30-jährigen Krieg und Spottgesänge auf die Handwerker anstimmt.

Der Archivtag in der Scheune hinter dem Restaurant St. Esprit beginnt um 17 Uhr. Der Eintritt beträgt acht Euro.

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