Augusta Louise zu Stolberg-Stolberg : Von Goethes Briefen an eine Uetersenerin

Der Leiter des Boysens-Buchverlags, Bernd Rachuth, und die Autorin Elsa Plath-Langheinrich freuen sich über das gelungene Buch.
Der Leiter des Boysens-Buchverlags, Bernd Rachuth, und die Autorin Elsa Plath-Langheinrich freuen sich über das gelungene Buch.

Die Uetersenerin Elsa Plath-Langheinrich las aus ihrem neuen Buch „Goethes Flirt mit Schleswig-Holstein“.

shz.de von
12. Juni 2018, 14:00 Uhr

Uetersen | Bereits als junge Frau war die Autorin Elsa Plath-Langheinrich fasziniert von Augusta Louise zu Stolberg-Stolberg. Als sie im Jahr 1956 in die Rosenstadt kam, ging sie davon aus, dass die ehemalige Konventualin dort hoch verehrt werde. Tatsächlich aber war den Wenigsten ihr Name ein Begriff. Die intensive, bis heute anhaltende Beschäftigung mit der Konventualin führte erstmals 1989 zur Herausgabe ihrer Stolberg-Biographie „Als Goethe nach Uetersen schrieb“. Später veröffentlichte sie die Briefe. Nun hat der in Heide ansässige Boyens-Verlag die Briefe noch einmal in Buchform herausgebracht. Die Herausgeberin Elsa Plath-Langheinrich, mit viel Detailwissen ausgestattet, stellt sie in den familien- und biographiegeschichtlichen Rahmen, Frank Trende, der die Einleitung schrieb, in die Goethe-Zeit. Diese war für Schleswig-Holstein das „Goldene Zeitalter“ im dänischen Gesamtstaat.

Wichtiger Kulturschatz

Einen ersten Eindruck von dem Werk konnten sich die interessierten Zuhörer in der Scheune im Klosterbezirk verschaffen, wo Plath-Langheinrich Auszüge daraus las und auch musikalische Akzente setzte. Launig gab sich Hubertus Graf von Luckner, der den Anwesenden „Appetit“ auf die Veranstaltung machte. Der Leiter des Buchverlags, Bernd Rachuth, schilderte in seiner Begrüßung das Bemühen des Verlags, die großen Themen, die Schleswig-Holstein zu bieten hat, so aufzubereiten, dass sie als regionale Themen wahrgenommen würden. Die Briefe bezeichnete er als „wichtigen Kulturschatz“.

Johann Wolfgang von Goethe ist 25 Jahre alt und hat mit seinem Briefroman „Die Leiden des jungen Werther“ gerade einen glänzenden literarischen Erfolg erzielt, der die junge Generation aufrüttelt, als der Briefwechsel mit der vier Jahre jüngeren Gräfin beginnt. Sie ist die Schwester seiner Freunde Christian und Friedrich Leopold zu Stolberg. „Durch ihre anrührende Herzlichkeit und unbedingte Offenheit muss das briefeschreibende Klosterfräulein sofort das Vertrauen des jungen Mannes gewonnen haben“, heißt es in Plaths Buch. Dieser, gerade im Begriff, von Frankfurt am Main an den Fürstenhof in Weimar zu wechseln, schreibt der ihm Unbekannten betörende Briefe. „Meine Teure, ich will Ihnen keinen Namen geben, denn was sind die Namen Freundin, Schwester, Geliebte, Braut, Gattin…“ Später nennt er sie bei ihrem Kosenamen Gustchen.

Goethe schildert in seinen Briefen nach Uetersen unter anderem auch frei sein Verhältnis zu der 17-jährigen Lili Schönemann, das ihn in tiefe Konflikte stürzt. „Seine Welt und die Lilis sind himmelweit voneinander geschieden“, lautet der Absatz in Plaths Werk. „Er wird, Augusta, um ihre Zuneigung werbend und die seine beteuernd, seine persönlichsten Gefühle offenlegen.“

Nach dem 18. Brief bricht der Kontakt ab

Nach dem 18. Brief Goethes 1782 bricht der Kontakt für 40 Jahre ab. Gustchen heiratet und wird eine Gräfin von Bernstorff. 1822 schreibt sie als ältere Dame noch einmal dem alten Goethe nach Weimar. Dieser schickt ihr 1823 einen langen Brief zurück, der mit den Worten endet: „Gedenken Sie mein in beruhigter Treue.“ Goethes Flirt mit Gustchen hat sich zu einer schönen Jugenderinnerung gerundet. Begegnet sind sich die Beiden nie.

Die Veranstaltung hat den Besuchern großes Vergnügen bereitet. Die Arbeitsgruppe Klostertage hat übrigens dem Kloster zwei Bilder geschenkt, die auf der Veranstaltung präsentiert wurden. Sie zeigen die Konventualin und die Augusta-Luise-Rose. Finanziell unterstützt wurde die Aktion von der Haspa, Rosen-Tantau und dem Presse-Café.

Das Buch „Goethes Flirt mit Schleswig-Holstein“ enthält 112 Seiten und hat zehn Abbildungen. Es ist für den Preis von 14,95 Euro beim Boyens-Verlag und darüber hinaus im gesamten deutschen Buchhandel erhältlich.
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