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Uetersener Nachrichten

19. September 2017 | 22:47 Uhr

Christian von Boetticher : Vom Sieg der Vernunft

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Erstmals hat Christian von Boetticher im Fernsehen über seine Affäre mit einer 16-Jährigen und seinen Rückzug aus der Politik gesprochen. Am späten Donnerstagabend stellte sich der CDU-Politiker aus Appen den Fragen von ZDF-Talkmaster Markus Lanz. „Die Menschen haben durch ein gedrucktes Wort ein bestimmtes Bild. Ich habe das Gefühl, dass der eine oder andere einfach auch erleben sollte, wie der Mensch so ist“, begründete von Boetticher den Schritt vor die Kameras.

shz.de von
erstellt am 02.Dez.2011 | 22:00 Uhr

Wie berichtet, hatte der CDU-Politiker im August im Fernsehen unter Tränen eine Beziehung zu einer damals 16-Jährigen gestanden. Gleichzeitig trat er von seinen Ämtern als Landesvorsitzender der CDU und Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2012 zurück. Die Hintergründe seines Rücktritts behielt von Boetticher während der Sendung für sich. Seine Gefühle benannte er dagegen deutlich. Der emotionale Auftritt vor den Kameras sei authentisch gewesen: „Da war nichts irgendwie gespielt“, betonte der Politiker. Auch der Satz „Es war schlichtweg Liebe“ stammte von ihm selbst. Er habe damit Gerüchte aus dem Weg räumen wollen. „Da waren doch ganz gewaltige Unterstellungen im Raum, was das Alter der jungen Dame anging. Es liefen auch andere Geschichten noch“, deutete er wage an.

In die Tränen hätte sich vieles hineingemischt. „Ich kannte viele in dem Raum, von denen ich weiß, die hätten gewünscht, dass ich als Spitzenkandidat nach vorne gehe“, berichtete von Boetticher. Die Enttäuschung dieser Menschen stand ihm vor Augen.

Dem Ende der Beziehung sei ein hartes Ringen vorausgegangen. „Die Frage war: Gibt es eine Möglichkeit, einem anstehenden Mediendruck auszuweichen, der verhindert, dass meine damalige Freundin ganz brutal in die Öffentlichkeit gezogen wird?“, berichtete von Boetticher. Ihm sei klar geworden, dass bald „eine Medienberichterstattung einsetzt, die der Partner überhaupt nicht einschätzen kann und die ihn auch kaputt machen wird.“ Und er rechnete nicht damit, den Mediendruck bis nach der Wahl hinauszögern zu können. Auf die Frage, ob also die Vernunft über das Herz gesiegt habe, sagte von Boetticher leise: „So ist es.“ Für völlig übertrieben hielt er es dagegen, dass der Elmshorner CDU-Politiker Christian Saborowski die Umstände des Rücktritts auf „Mafia-Methoden“ zurückgeführt habe.

Von Boetticher schilderte, dass ihm das Alter des Mädchens zunächst gar nicht aufgefallen sei. Sie habe den Kontakt zu ihm im Internet auf der Plattform Facebook gesucht. Vier Monate lang hätten sie sich nur schriftlich ausgetauscht. Aufgrund ihrer Äußerungen habe er sie für wesentlich älter gehalten. Es sei nicht so gewesen, dass die Jugend der Frau ihn in seiner Eitelkeit gekitzelt habe, wie Lanz wissen wollte. „Das war ja eine rein inhaltliche Debatte. Ich habe mit ihr kommuniziert, nicht weil sie 15 war, sondern obwohl sie 15 war.“ Immer wieder habe er sich gefragt, ob dieser Kontakt in Ordnung sei. Für die ebenfalls als Talkgast geladene Kabarettistin Margie Kinsky war klar: „Ich bin Mutter, ich würde sagen: Das geht ja gar nicht.“

Von Boetticher ist froh, diese Zeit überstanden zu haben. Er habe unter die Ereignisse einen Strich gezogen. Die Politik hatte Spaß gemacht, war aber auch anstrengend. „Jetzt kommt eine neue Zeit für mich“, sagte der 40-Jährige. Bis zur Wahl arbeitet er im Parlament mit, aber: „Ab Mai nächstens Jahres bin ich dann raus und freu mich drauf.“

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