Proms last night : Viele Küsschen und ganz viel Musik

Ganz so ernst wie es gleich bei der Anfahrt schien, ist die Moorrege Proms Last Night dann glücklicherweise doch nicht geworden. Denn in der Kirchenstraße standen bei hereinbrechender Dunkelheit in der Höhe der Regionalschule Soldaten aus der Marseille-Kaserne mit versteinerten Mienen, brennende Fackeln in den Fäusten, und wiesen den über 800 Gästen den Weg in die festlich aufgebrezelte und mit Tantaus Rosen geschmückte Mehrzweckhalle An’n Himmelsbarg.

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23. September 2012, 20:19 Uhr

Und hier gab es nur fröhliche Gesichter, denn in Moorrege und den umliegenden Gemeinden lässt sich kaum einer aus den älteren Generationen das Kulturspektakel mit der Klassik Philharmonie Hamburg, dem altersweisen, aber immer noch vor Engagement funkelnden Dirigenten Robert Stehli und seinen jungen Solisten entgehen. Zwar driftet die Veranstaltung in Moorege keineswegs in die Nähe des Londoner Original „Last Night of the Proms“ ab, so viel haben die Marschbewohner dann auch nicht für Klamauk übrig, dafür umso mehr für eingängige, klassische Musik, bei der ruhig mal mitgesummt und mit den Fußspitzen gewippt werden darf.

Und da ließen die Veranstalter keinen Wunsch offen: Schon bei der Ouvertüre zu Wilhelm Tell tönte es bekannt. Die ansehnliche Südafrikanerin Jo-Nette Le Kay schmetterte die herzzerreißende Arie der Violetta „E strano – Sempre libera“ aus „La Traviata“ und die 17-jährige Violinistin Anite Stroh bezauberte mit enormer Ausstrahlung und perfektem Geigenspiel von Saint-Saens „Introduktion und Rondo Capriccioso“. Smetanas „Moldau“ und der Blumen-Walzer aus Tschaikowskys Nussknacker Suite war dann wieder allein dem Orchester überlassen.

Bis zur letzten Minute geheim gehalten wurde der Name des Überraschungs-Gastes: Tillmann Höfs, ganze 16 Jahre jung, „Jugend musiziert“–Gewinner, bewies sein großes Talent auf gleich zwei Instrumenten: der Trompete und dem Horn. „Trompeter können eigentlich nicht Horn spielen und Hornisten nicht Trompete“, verriet Robert Stehli. „Beide Instrumente haben ganz unterschiedliche Mundstücke.“

Einen so wunderschönen Blumenstrauß habe sie noch nie bekommen, freute sich Anite Stroh, als sie am Schluss wieder von der Bühne heruntergekommen war und Bürgermeister Karl Heinz Weinberg alle hübschen jungen Damen zum Dank „gebusselt“ und die Blumensträuße verteilt hatte.

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