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Uetersener Nachrichten

20. August 2017 | 21:26 Uhr

Ausgetauscht : Viel zu gefährlich

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Die Angst ging um in der Stadt an der Krückau, seit sich die Immobilieneigentümer der Königstraße im Rahmen der bereits im Frühjahr bekanntgemachten „PACT“-Aktion (Partnerschaften zur Attraktivierung von City-, Dienstleistungs- und Tourismusbereichen) dafür entschieden hatten, als Begrünungspflanze den portugiesischen Kirschlorbeer einzusetzen.

In regelmäßigen Abständen wäre dieser dann in schmucken Blumentöpfen in der Fußgängerzone anzutreffen gewesen. Daraus wird aber nun nichts mehr. Denn vor allem die panische Berichterstattung einiger lokaler Medien, die sich mit der Giftigkeit des Kirschlorbeers befasste, führte dazu, dass die Imageeinbußen der immergrünen Pflanze zuletzt vor allem bei der Bevölkerung hoch ausfielen. Und weil eine Fußgängerzone, die von ängstlichen Müttern und anderen, den Kirschlorbeer unruhig beäugenden Menschen, gemieden wird, vor allem für die Anrainer-Geschäfte eine unschöne Sache ist, entschied man sich dann gegen den portugiesischen Kirschlorbeer. Obwohl das mit der Giftigkeit von Anfang an übertrieben war. Denn während das Fruchtfleisch im Grunde giftfrei ist, enthalten nur die Blätter und die in den Kernen enthaltenen Samen die giftigen blausäurehaltigen Glycoside. Und auch die können nur für Kinder gefährlich werden, wenn diese die Samen lange zerkauen. Dafür müsste aber zunächst der harte Kern zerbissen werden. Ein Verschlucken des unversehrten Kerns hingegen hat keine Vergiftung zur Folge. Die Möglichkeit einer Vergiftung ist daher höchst theoretischer Natur und in der Praxis nicht zu erwarten. Und abgesehen davon besteht jede zweite Grundstückshecke aus Kirschlorbeer. Beim Stadtmarketing ging man nun der grundlos aufgebauschten Sache dennoch aus dem Weg und strich den Kirschlorbeer von der Liste. Ersatz ist bereits gefunden; das Surrogat des in Ungnade gefallenen Lorbeers heißt „Pinus mugo Columnaris“ und ist eine Bergkiefer. Seine Eigenschaften: stadtklimaverträglich, frosthart, trockenheitstolerant und wenig anfällig gegenüber Krankheiten. Und der Wuchs: kompakt und „pyramidal“. Und auch wenn es in Zukunft gesundheitlich unbedenklich wäre: Das Verspeisen der Einkaufsstraßenbegrünung sollte unterbleiben. Aber wer isst schon gerne Nadeln.

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von
erstellt am 19.Aug.2014 | 22:17 Uhr

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