Liebesdrama : Verurteilt und doch auf freiem Fuß

Er hatte seiner Ex-Freundin am Telefon mit dem Tode gedroht und war gewaltsam in ihre Wohnung eingedrungen. Dort hatte er mit einer illegal erworbenen Pistole um sich geschossen, dabei aber glücklicherweise niemanden verletzt.

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12. Oktober 2011, 21:05 Uhr

Das Landgericht Itzehoe verurteilte den 31-jährigen staa-tenlose Haydar Y. gestern zu einer Gesamtstrafe von neun Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Der Angeklagte kann zudem die psychiatrische Klinik, in der er sich seit dem Prozessauftakt vor sieben Monaten begeben musste, wieder verlassen.

Allerdings wurde ihm zur Auflage gemacht, sich in ambulante therapeutische Behandlung zu begeben. Auch jeder weitere Kontakt mit seiner Ex-Freundin, der Zeugin Hülya K. wurde ihm verboten.

Am gestrigen zweiten Prozesstag vernahm das Gericht weitere Zeugen, unter anderem die Institutsleiterin der Psychiatrie in Neustadt, in der sich der Angeklagte befand. Sie sagt aus, dass von Haydar Y. keine weitere Fremdgefährdung ausgehen würde. In einem vier Stunden dauernden Gespräch während der vergangenen Woche habe sie sich persönlich davon überzeugt, dass der Angeklagte seine Tat bereue. Gleichzeitig habe er sich von der Zeugin Hülya K. distanziert, in dem er eingestanden habe, dass es die Beziehung gar nicht wert gewesen sei, was er nun durchlitten habe. Sie führte aus, dass der Angeklagte in seinen Handlungen stets auf etwas Vorhergegangenes reagiert habe, dabei sei er aber immer sehr kontrolliert vorgegangen, weswegen man davon ausgehen könne, dass er nach einer Verhaltenstherapie keine Gefahr mehr für andere darstelle. Der Angeklagte nahm das Urteil erleichtert auf. Er war in der vergangenen Woche das erste Mal seit Monaten wieder außerhalb der Klinik, wo er zumeist auf einem Bett fixiert wurde. Das Stehen und Gehen fiel ihm auch heute noch zusehends schwer. Seine Anwältin, Arzu Erdogan aus Hamburg, sieht auf ihren Mandanten noch viel Arbeit zukommen, denn auch sein Aufenthaltstitel in Deutschland ist bislang noch ungeklärt. Doch auch sie geht davon aus, dass ihr Mandant nicht erneut aggressiv wird: „Unser Rechtssystem spricht jedem Menschen eine zweite Chance zu und ich hoffe, dass mein Mandant diese auch zu nutzen weiß.“

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