zur Navigation springen

Jugendversammlung ohne Jugend : Verliert, wer auf die Jugend setzt?

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Stell’ Dir vor, es ist Jugendversammlung und keiner geht hin..! Das ist jüngst in Uetersen passiert. Bürgervorsteher Adolf Bergmann und die Stadtjugendpflege, also der direkte Draht zum Nachwuchs, hatten gemeinsam in das Stadtwerke-haus eingeladen – null Reaktion. Nicht ein einziger fand den Weg an die Parkstraße 1. Die Jugend demonstrierte völliges Desinteresse am Geschehen. Und dabei ging es um die Zukunft genau dieses Segments innerhalb der Gesellschaft. Immer wieder wird geschrieben, was schon seit langem bekannt ist: Beim Nachwuchs besteht ein großes Informationsdefizit zum Thema Mitbestimmung und Beteiligung.

shz.de von
erstellt am 05.Okt.2015 | 21:15 Uhr

Mindestens die Hälfte der Heranwachsenden dürften die Frage, ob sie auf örtliche Entscheidungen Einfluss nehmen oder sich politisch engagieren könnten mit einem Achselzucken beantworten. Bekannt ist auch und daher nicht verwunderlich, dass junge Leute zunehmend nicht mehr bereit sind, sich mit ein und derselben Sache mehrmals auseinanderzusetzen, wo doch die Antwort (scheinbar) so einfach, die Lösung also „easy“ ist.

An den „dicken Brettern“, die die Politiker immer wieder bohren müssen, scheitern zuweilen übrigens auch erfolgreiche Unternehmer. Der Sprung in den politischen Machtbezirk mit seinen zäh wirkenden Entscheidungsfindungsprozessen endet für diese Klientel nicht selten in einem Desaster. Manager finden sich schlicht nicht zurecht in der Politik.

Die Jugend ist stark im Projekt. Diese Weisheit ist auch nicht neu. Wenn man sich nur trifft und theoretisch alles durchkaut, dann wird ihnen schnell langweilig. . . Die Worte der Jugend werden wohl gehört. Doch in der parlamentarischen Demokratie geht’s nun einmal genau darum.

Und auch der Nachwuchs muss sich, wohl oder übel, genau dort einbringen. Sonst ändert sich nichts. Sonst bleibt alles beim Alten – beschlossen von der immer älter werdenden Generation. Bürgervorsteher Adolf Bergmann bemüht sich schon seit vielen Jahren, und auch Heike Baumann hat das während ihrer Amtszeit gemacht, die Jugend für parlamentarische Prozesse zu begeistern.

Alleine, es fehlt bislang am nachhaltigen Erfolg. Und ganz offensichtlich auch am Partner Schule. Dort wird der Fächerkanon brav gelehrt. Aber das Pflänzchen „Beteiligungsmöglichkeiten vor Ort“ ist nach wie vor nicht Bestandteil des Unterrichts. Höchstens wird das Kraut in homöopathischen Dosen serviert. Zu wenig für die Überwindung der phlegmatischen Haltung des Nachwuchses politischen Prozessen gegenüber.

„Facebook“ ist Fun und nicht mehr. „Youtube“ unterhält den Nachwuchs zunehmend, die Wissensvermittlung erfolgt oft stereotyp. Tief eingetaucht wird von den „Weisen des Netzes“ dabei nicht in die Materie. Die Suche nach einer Lösung für das komplexe Problem ist nicht Sache der PC-Plattform. Somit steht das „www“ dem Bedarf der Wissens-Gesellschaft oft nutzlos zur Seite.

Immer öfter macht sich auch in der Ratsversammlung die Ratlosigkeit breit, wenn es darum geht, geeignete Beteiligungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche zu finden. Der Ruf wird lauter und geht in Richtung der Schule. Politik muss in den Schulfächern näher gebracht werden, so lautet diesbezüglich die zentrale Forderung.

Erst dann könne das Fundament, auf dem auch die Politik verwurzelt ist, wachsen. Wie gesagt: Obwohl viele Jungen und Mädchen in der Politik und bei sozialen Fragen mitwirken möchten, fehlt ihnen meist die Information zum „Wie“. Ob es nun Desinteresse ist oder mangelndes Wissen, Schule, Familie und Nachbarschaft sollten dem entgegenwirken und deutlich machen: Politik ist etwas, was alle angeht und betrifft, und, wie auch immer, für jeden zugänglich werden muss.

Die Pleite bei der Jugendversammlung ist hoffentlich nicht der Anfang des Übels. Am 26. November findet nämlich der nächste Versuch statt, einen Kinder- und Jugendbeiratswahl zu wählen. Es werden noch Kandidaten gesucht. Bislang hat sich im Rathaus (bei Hanna Wegner) noch niemand gemeldet. Fünf Kandidaten müssen es laut Satzung, beschlossen von der Lokalpolitik, sein.

Es wäre gut, wenn es jetzt klappen würde. Denn manche Dinge können ohne eine geeignete Beteiligung des Nachwuchses laut Gemeindeordnung (Verfassung für die Kommunen) nicht entschieden werden.

Eine Information zum Thema Jugendbeiratswahl in Uetersen gibt es im Netz unter www.uetersen.de/jugendbeiratswahl-2015.html

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert