Schleswig-Holstein-Musik-Festival : Verliebt in das Orchester

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In klassischer Musik schwelgen konnten Besucher am Wochenende bei einem Konzert des Schleswig-Holstein-Musik-Festivals (SHMF) in der Alten Reithalle neben den Stallungen des Holsteiner-Verbandes. Wo normalerweise die edlen Warmblüter ihre Runden drehen und Traversalen und Piaffen einstudieren, gab dieses Mal Dirigent und Pianist Christian Zacharias den Takt an und das gleich für das 125 junge und hochtalentierte Musikerinnen und Musiker aus aller Welt, die zusammen mit ihm als Schleswig-Holstein-Festival-Orchester innerhalb von drei bis vier Tagen das Programm erarbeiten, das über Sergei Prokofieffs „Symphonie classique“, Wolfgang Amadeus Mozarts Konzert für Klavier und Orchester in A-Dur bis zu Peter Tschaikowskys Suite Nr. 4, der „Mozartiana“ und Rossinis Ouvertüre zur Oper „Semiramide“ reichte.

shz.de von
26. Juli 2015, 18:39 Uhr

Nun gehört es fast schon zum guten Ton, sich in die jungen Musiker zu verlieben, die natürlich nicht alle auf einmal auf die eigentlich recht opulent ausgelegte Bühne in Elmshorn passen. Doch selbst wer mehr auf die ganzen großen Stars setzt, die er sonst beim SHMF zu Gehör und zu Gesicht bekommt, kann einfach nicht darüber hinweg sehen und hören: Hier spielen junge Menschen aus aller Welt zusammen, voller Leidenschaft, Begeisterung und sichtbarer Freude. Hier sind Freundschaften und Respekt voreinander entstanden und genau das ist es, was auf das Publikum überspringt. Dazu großartige Musik von ganz großen Komponisten, der unübertroffene Mozart, Tschaikowsys Laudatio an Mozart, der einzige, an dem er nichts auszusetzen hatte, Prokofieff, der mit allen Instrumenten wunderbar erzählen kann und auch das Fagott, die Klarinette und die Querflöte ganz deutlich zu Wort kommen lässt.

Dirigent Christian Zacharias setzte sich erst bei Mozart an den Flügel und zeigte, wo seine Wurzeln sind, in den rasend schnellen Läufen, die er so meisterlich beherrscht, aber auch Mozarts zärtliches Liebesgeflüster.

Insgesamt ein großartiges Konzert, das vor allen Dingen seinen Charme aus der unprofessionellen Begeisterung entwickelte, die Musiker und Publikum gleichermaßen berauschte. Die Elmshorner Organisatoren hatten sich auf Regen eingerichtet. Wer rechtzeitig kam und noch einen kleinen Imbiss zu sich nehmen wollte oder in der Pause flanieren ging, fand gastlich unter das überstehende Dach gerückte Imbissstände, Bänke und Tische vor und daraufhin rundum zufriedene Gesichter.

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