zur Navigation springen
Uetersener Nachrichten

13. Dezember 2017 | 10:57 Uhr

Verletzt die Stadt das Recht?

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Es ist fast zwei Jahre her, dass Schüler des Ludwig-Meyn-Gymnasiums auf eine zum Zeitpunkt des Projektes offensichtlich noch bestehende Ehrenbürgerschaft Adolf Hitlers in Uetersen aufmerksam wurden. Auf der Suche nach einem Thema für das Schülerfernsehen „Uetersen TV“ recherchierten die Pennäler ausgiebig, führten Interviews und kamen zu für sie erstaunlichen Ergebnissen. Diese veröffentlichten sie in einem Video auf „www.uetersentv.de“. Dieser Beitrag ist dort nach wie vor online. Die Jugendlichen fanden unter anderem heraus, dass die Stadt Uetersen über keinen Beleg bezüglich einer Aberkennung der Ehrenbürgerschaft verfügt und sich lediglich auf einen „Wikipedia“-Artikel bezieht. Dieser Artikel sei als Beweis keinesfalls tragbar, sagt der Film aus. Ebenso konnte der Autor des „Wikipedia“-Beitrags den Schülern keine Quelle nennen.

shz.de von
erstellt am 27.Jan.2016 | 21:25 Uhr

Auf Nachfrage beim wissenschaftlichen Dienst des Bundestages konnte auch dieser keine Belege vorlegen, die Schüler wurden an das Stadtarchiv Uetersens verwiesen, das jedoch nicht existiert (wir berichteten). „Damit verstößt die Stadt Uetersen gegen geltendes Recht“, so Lehrer Sönke Zankel. Darüber hinaus sagt der Pädagoge und Historiker: „Wenn einer Stadt die eigene Geschichte wichtig ist, dann hat sie ein Stadtarchiv.“ Trotz ihrer jahrelangen Bemühungen überrumpelte die mediale Resonanz die Schüler. Unter anderem berichtete auch die „Bild“ über das Engagement der Gymnasiasten. Die mediale Aufmerksamkeit blieb nicht folgenlos.

Am 15. Dezember beendete die Stadt Uetersen die Frage der möglicherweise nach wie vor existierenden Ehrenbürgerschaft mit einem einstimmigen Beschluss der Ratsversammlung: Adolf Hitler ist nun eindeutig kein Uetersener Ehrenbürger mehr. Für den 15-jährigen Florian, der am Projekt beteiligt war, ist es merkwürdig, dass „erst der Druck der öffentlichen Meinung eine derartige Reaktion hervorruft, wo doch die Ehrenbürgerfrage auch den Politikern der Rosenstadt seit Jahren bekannt ist“. Die Stadt, deren schnelle Reaktion Florians Meinung nach auf reiner Rufrettung und Scheinheiligkeit beruht habe, sei wohl der Annahme gewesen, „dass mit einer Aberkennung der Ehrenbürgerschaft Ruhe einkehre“, äußert Christopher Babecki (19). Dem ist allerdings nicht so, die im Video aufgeworfene Diskussion über das fehlende Stadtarchiv wird von der Arbeitsgemeinschaft medial fortgeführt.

Die Schüler mischten sich ein, während die Stadt trotz ihres Mottos „Bunt statt Braun“ von einer nationalsozialistischen Altlast offensichtlich lange nichts habe wissen wollen. „Dieses Projekt zeigt, dass man mit Engagement und Ehrgeiz auch als Schüler etwas auf politischer Ebene bewegen kann“, äußerte der sechzehnjährige Arvid.

< Das Engagement der Uetersener Gruppe wurde jetzt belohnt. Die sieben 15- bis 19-Jährigen sind gestern mit dem renommierten „Bertini-Preis für junge Menschen mit Zivilcourage“ geehrt worden. Ganz nach dem Motto des Preises, „Lasst euch nicht einschüchtern“, wagten die Schüler, selbst staatliche Instanzen in Frage zu stellen und die Augen vor unbequemen Themen nicht zu verschließen.

Der Hamburger Bertini-Preis wird jährlich an junge Menschen verliehen, die sich für ein solidarisches Zusammenleben engagieren. Er unterstützt Projekte, die gegen Ausgrenzung von Menschen eintreten und fördert Vorhaben, die Erinnerungsarbeit leisten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert