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Kaninchenzucht : Vereinsauflösung nach 109 Jahren

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Der nächste Traditionsverein ist Geschichte. Nach der Uetersener Liedertafel von 1840, die sich zum 1. April dieses Jahres aufgelöst hat, ist es jetzt der Vorstand des Kaninchenzuchtverein „U75“ Uetersen und Umgebung gewesen, der einen entsprechenden Mitgliederbeschluss beim Amtsgericht eingereicht hat. Dem Verein sind die Züchter weggelaufen, beziehungsweise die Todesfälle konnten nicht aufgefangen werden. Jugendliche interessierten sich nicht mehr für den sehr anspruchsvollen Umgang mit Zuchttieren. Die Arbeit bindet, ja sie fesselt ans Haus. Die moderne Gesellschaft „tickt“ anders. Für so viel Aufwand fehlen Lust und Zeit. Oder schlicht: die Notwendigkeit.

shz.de von
erstellt am 19.Apr.2015 | 19:20 Uhr

Früher war Tierzucht nicht selten mit der Existenzfrage verbunden. Immerhin stand so der Braten regelmäßig auf dem Tisch. Kaninchen wurden auf Schönheit gezüchtet, wichen sie zu sehr vom Standard ab, wurden sie zum Lebensmittel. Das war der normale Umgang mit der Kreatur, die es früher auch gut hatte. Noch heute erinnert man sich bei den drei im Verein verbliebenen Züchtern an die großen Grundstücke in Uetersen und Umgebung. Kaum Nachbarschaft, die sich an den freilaufenden Tieren ärgerte. Aufgrund der städtebaulichen Veränderungen würden die Grundstücke heute immer kleiner. Eine artgerechte Tierhaltung sei daher oft gar nicht mehr möglich.

Es sei die Vielzahl der Faktoren, die die Entscheidung für die Auflösung des Vereins herbeigeführt habe.

109 Jahre alt wurde der Verein, insbesondere die Pfingstschauen, 96 an der Zahl, waren es, über die Jahr für Jahr viele Menschen auf die Kaninchenzucht aufmerksam geworden sind. Zuletzt fand diese Ausstellung immer in der Bootshalle am Hafen statt.

Doch ohne Züchter, ohne „frisches Blut“, ohne junge Mitglieder könne auch eine solche Schau nicht mehr bewältigt werden. Die „Macher“ im Verein werden demnächst 80 Jahre alt. Und die meisten (39!) sind passive Mitglieder, züchten selbst also nicht. Das, sagt Peter Markmann, Mitglied aus Haseldorf, habe auch verhindert, dass man sich als Gesamtheit einem anderen Verein habe anschließen können. Passive Mitglieder wolle man dort nicht.

Lediglich die drei Züchter, Lothar Flemming sowie Karl-Heinz und Karin Hörburger, haben sich umorientiert. Sie gehören nun Kaninchenzuchtvereinen mit Sitz in Barmstedt und Holm an. Man habe, sagt Markmann, rechtzeitig handeln wollen, Eine solche Auflösung mache keinen Spaß, sie sei aber unumgänglich geworden.

„...und Pfingsten zur Kaninchenschau!“ – dieser Slogan ist jetzt Geschichte. Die stets geschätzte Öffentlichkeit muss die kommenden Festtage ohne dieses Pfingstvergnügen verbringen, die Vereinsmitglieder hingegen wollen sich nicht aus den Augen verlieren. Gemeinsam geht es noch einmal auf Sommerreise. Auch das Grünkohlessen soll Tradition bleiben.

Schließlich hat sich die Frauengruppe des KZV in einen Handarbeitsclub verwandelt. Die Damen treffen sich regelmäßig in Moorrege.

Und der gute Kontakt zum Kleintierzuchtverein Zypria aus Wittstock/Dosse, Uetersens Partnerstadt, soll ebenfalls gepflegt werden. Die Wittstocker Züchter waren regelmäßig zu Gast beim Uetersener Pfingsttreffen.

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