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Pensionierung bei der Polizei : Verbiegen konnte Reino Timm keiner

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Kantig, aufrecht, geradlinig und loyal – damit umriss Torsten Schmidt, Erster Polizeihauptkommissar und Leiter des Reviers Wedel, das Wesen seines bisherigen Stellvertreters Reino Timm. Gestern überreichte er dem Uetersener die Versetzungsurkunde in den Ruhestand. Timm war 43 Jahre lang für die Bürger dieses Landes im Einsatz, knapp zwei Jahre länger als gefordert. Und das auf eigenen Wunsch.

Timm verabschiedete sich am Donnerstag von langjährigen Weggefährten, darunter auch Peter Bröker, früherer Leiter des Uetersener Bau- und Ordnungsamtes.

40 uniformierte und zivile Gäste kamen im Café Hof Mühlenwurth in Haseldorf zusammen, um dort ein „zünftiges“ Frühstück einzunehmen. Und Timm hatte dafür gesorgt, dass niemand hungrig nach Hause gehen musste. Gutes Essen hält Leib und Seele zusammen – dass dieser Merkvers durchaus vom zu pensionierenden Polizeihauptkommissar (PHK) stammen könnte, führte der Revierleiter zur Freude der Gäste ebenfalls sehr überzeugend aus.

Für ihn sei es ein besonderer und emotionaler Tag zugleich gewesen. Die Verabschiedung des langjährigen „Revierführungsbeamten“ falle ihm, Schmidt, schwer. Timm sei ein Unikum, konservativ und korrekt aber zugleich weltpolitisch aufgeschlossen und vorausdenkend. Der Revierleiter kennzeichnete in groben Zügen Timms Werdegang bei der Polizei Schleswig-Holstein: Mit 19 Jahren habe dieser seinen Dienst aufgenommen. Nach seiner Ausbildung bei der Bereitschaftspolizei in Eutin und seiner einjährigen Stehzeit bei der Einsatzhundertschaft Eutin sei Timm 1977 nach Uetersen gekommen, zunächst als Streifenbeamter. Bereits 1980 habe sich Timm an der Verwaltungshochschule in Altenholz für die Verwendung „gehobener Dienst“ ausbilden lassen und sei anschließend Leiter der Einsatzleitstelle Pinneberg geworden. Es folgte Timms längste Verwendung. 1984 wechselte er erneut nach Uetersen und wurde zunächst Stations-, kurzzeitig kommissarischer Revier- und schließlich, nach Zusammenlegung der Reviere Wedel und Uetersen, 1998 erneut Stationsleiter in der Rosenstadt. 25 Jahre lang führte PHK Timm die Rosenstädter Beamten, dann kletterte er abermals auf der Karriereleiter nach oben und bekleidete fortan den Posten des stellvertretenden Revierleiters in Wedel. Nicht nur optische Parallelen gebe es zu Otto von Bismarck, kehrte Schmidt zu den Eigenschaften Timms zurück. Auch dessen Tugenden habe sich der Offizier offensichtlich zu eigen gemacht. Schmidt: „Er strebte mehr danach zu befehlen als zu gehorchen.“ Bernd Hupasch, ehemaliger Uetersener Revierleiter, lobte Timms Entscheidungsfreude und dessen Tempo bei der Umsetzung. Wofür andere drei Monate bräuchten, benötige Timm nur wenige Stunden.

Timm sei es gewesen, griff Schmidt die Worte von Hupasch auf, der bereits 2008 die Pläne für die Zusammenlegung der Polizeistationen Tornesch und Uetersen erarbeitet hatte. Jetzt, acht Jahre später, werde dieser Schritt vollzogen.

Der so Angesprochene erinnerte kurz an einige Anekdoten. So an einen Vorfall 2006, der ihm den Titel „Messerbulle“ beschert habe. Kurzerhand hatte Timm während einer Nazi-Demo in Lübeck (der PHK war auch Führer der Einsatzhundertschaft bei der Polizeidirektion West) ein Lautsprecherkabel durchgeschnitten, weil die Verwendung des Lautsprechers gegen Auflagen verstoßen habe. Diese und andere Reaktionen von ihm hätten ihm eine Menge Anzeigen eingebracht aber auch Anerkennung.

Timm hat während seiner Zeit bei der Polizei mit Systemkritik nicht hinter dem Berg gehalten. Die überbordende Bürokratie, hinter der sich eigenverantwortliches Denken sehr gut verstecken könne, ist Timm noch heute zuwider.

Der eine geht, der andere kommt. Nachfolger Timms ist Frank Lassen, bis gestern Uetersens Polizeistationsleiter. Neuer Stationsleiter an der Marktstraße ist jetzt Polizeihauptkommissar Hans Otto Crantz, bislang Leiter der Tornescher Polizeistation.

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erstellt am 31.Mär.2016 | 18:23 Uhr

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