Windpark Uetersen : Verärgerung über Kreisentscheid

Rums! Das hat gesessen. Dass jetzt von Kreisseite Front gegen den Wunsch, den Uetersener Windpark zu erweitern, gemacht wird (siehe UeNa vom 11. Januar, Seite 1), hat die Politiker vor Ort nicht bloß überrascht, sondern auch entsetzt. Zum Teil ist man sogar verärgert.

shz.de von
11. Januar 2012, 20:46 Uhr

Kai Feuerschütz (CDU-Fraktionschef): „Wir hoffen, dass das Land genau abwägt, allerdings dabei auch den gesellschaftlichen Wunsch, die Energiewende herbeizuführen, vor Augen hat. Wir müssen uns nach dem Beschluss, aus der Atomkraft auszusteigen, alternativen Energien zuwenden. Und dann können wir nicht alles verhindern, auch wenn manches sich gegenseitig zu widersprechen scheint.“

Die CDU in Uetersen hat sich eindeutig für den Windpark ausgesprochen. Was aber ist mit den Christdemokraten im Kreis? Für Anna-Ilse Wehner (SPD-Kreistagsmitglied aus Uetersen) ist die Ablehnung des Kreises vor diesem Hintergrund nachvollziehbar: „Nachdem unser Antrag beziehungsweise unsere Anträge sowohl im Ausschuss für Wirtschaft, Regionalentwicklung und Verkehr als auch im Umweltausschuss des Kreises und im Kreistag mit den Stimmen von CDU und FDP abgelehnt worden sind, ist die Stellungnahme logisch“, erinnert die Abgeordnete an die Debatten, geführt im September des vergangenen Jahres. Der Antrag, der damals zurückgewiesen wurde, lautete: „Der Kreis Pinneberg koordiniert und unterstützt die Anträge der Kommunen des Kreises zum Anhörungs- und Beteiligungsverfahren der Teilfortschreibungen des Regionalplans für den Planungsraum I zur Ausweisung von Eignungsgebieten für die Windenergienutzung. Das gilt sowohl für die Erweiterung bereits bestehender Gebiete als auch für die Anmeldung neuer Flächen und selbstverständlich auch für das Repowering.“ Anna Ilse Wehner empfiehlt nun, dass die Stadt Uetersen ganz schnell in Kiel vorstellig wird. Dort müsste dann die neue Situation der Stadtwerke, die den Strom vor Ort vermarkten, dargestellt werden. „Der kurze Weg zum Verbraucher ist ein weiterer Trumpf“, der vorgebracht werden müsste. Die Bedenken der Denkmalschutzbehörde kann sie nicht teilen. „Darüber sollte im Kreis gesprochen werden.“

Ingo Struve, SPD-Fraktions- und Ortsvereinsvorsitzender, kann die Entscheidung des Kreises ebenfalls nicht fassen: „Es gibt dort bereits Hochspannungsleitungen und Windkraftanlagen. Ich finde das Ganze an den Haaren herbeigezogen. Wenn wir die Energiewende wollen, dann ist der Denkmalschutz, der mehrere Hundert Meter entfernt stattfindet, von untergeordneter Bedeutung. Ich bin vom Kreis Pinneberg enttäuscht. Wir haben hier nur die Uetersener und die Raa Besenbeker Flächen zur Windenergienutzung.“ FDP-Fraktionschef Rolf Maßow: „Ist denn schon wieder der 1. April? Wie schon in Langes Tannen bei der Neugestaltung des Zuganges für Gehbehinderte und bei der Einschätzung des Rathauses Elmshorn durch die Behörde zeigt auch hier wieder das Denkmalschutzamt des Kreises Pinneberg, wie weltfremd der Denkmalschutz hier gesehen wird. Es zeigt einmal mehr, wie wichtig die Neufassung des Denkmalschutzgesetzes ist. Auch in Sachen Umweltschutz müssen wir von der kleinräumigen Umweltschutzidee zur Frage kommen, wie republikweit der Umweltschutz zu sehen ist. Wenn wir auf der einen Seite Atomkraft abschalten wollen, müssen wir auf der anderen Seite neue Energiequellen erschließen. Und die sind immer auch mit Beeinträchtigung der Umwelt verbunden. Wir haben abzuwägen zwischen Gefährdung von KKW und Kohlekraftwerken und der Beeinträchtigung der Umwelt durch Windkraftanlagen. Und wie diese Entscheidung ausgehen müsste, leuchtet wohl jedem verständigen Menschen ein.“ BfB-Fraktionschef Hans-Dieter Witt sieht es anders: „Eigentlich finde ich das ja ganz gut, dass es an diesem Standort keine weitere Bebauung von Windrädern geben soll. Ich weiß, dass wir die Windkraft brauchen. Meine Auffassung ist aber, dass wir sie an diesem Standort nicht benötigen.“

Andrea Hansen: „Energie aus Windkraft ist die Zukunft im Norden - das Brokdorfer Atomkraftwerk vor unserer Haustür ist es nicht. Wer kurz vor dem Jahrestag des Atomunglücks von Fukushima hier vor Ort ausgerechnet Windräder blockiert, setzt das falsche Zeichen. Wir prüfen die rechtlichen Spielräume und die notwendigen Gegenmaßnahmen. Ich werde darüber mit dem Landrat und der Landesregierung reden und den Hauptausschuss um eine Befassung bitten. Wir brauchen den Windpark und neue Windräder. Es werden sich hoffentlich auch genügend Landtagsabgeordnete und –kandidaten finden, um den nötigen Druck in Kiel zu machen. Vom Kreis erwarten wir Unterstützung der Kommunen beim lokalen Atomausstieg.“

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