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Uetersener Nachrichten

22. Oktober 2017 | 19:13 Uhr

Vertagung : Unwürdiges Taktieren

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Im Prozess um den Mord an der Elmshorner Rentnerin Minna R. hat das Gericht einen weiteren Verhandlungstag angesetzt.

shz.de von
erstellt am 22.Feb.2012 | 21:01 Uhr

Ursprünglich sollte das Urteil bereits in dieser Woche gesprochen werden, doch Richter Eberhard Hülsing setzte einen weiteren Verhandlungstag an, nachdem die Verteidiger des mutmaßlichen Täters Yasin T. neue Beweisanträge gestellt hatten. War es Mord oder Totschlag? Ging es dem Angeklagten wirklich darum, die Rentnerin zu töten, um Beute zu machen, oder hat er sie „aus Versehen“ getötet, weil er mit Minna R. in Streit geriet? Die Verteidiger von Yasin T. ziehen nun alle Register, um ihrem Mandanten eine langjährige Haftstrafe zu ersparen. Zum einen zweifeln sie an den Aussagen einer Elmshorner Hauptkommissarin, der Yasin T. den Mord in einer der ersten Vernehmungen gestanden haben soll. Zum anderen ziehen sie die Aussagen eines ehemaligen Freundes von Yasin T. in Zweifel. Diesem soll der Angeklagte am Tag nach der Tat diese gestanden haben.

Das Opfer soll noch gelebt haben, als Yasin T. die Wohnung von Minna R. verließ, das betonte der Angeklagte noch einmal in einer schriftlichen Aussage, die seine Verteidiger vor Gericht verlasen. Nachfragen ließen die Anwälte nicht zu. Zudem betonten sie, dass ihr Mandant, anders als es in einem vorherigen Gutachten gesagt wird, unter erheblichem Drogen- und Alkoholeinfluss gestanden habe. „Ich hatte ein berauschtes Gefühl wie noch nie“, sagt Yasin T. in der Einlassung. Die Verteidigung fordert ein weiteres Gutachten, dass die Schuldunfähigkeit von Yasin T. belegen soll.

In der Verhandlung selbst stellten die Anwälte Matthias Domsch und Dietmar Cyrus fünf Anträge: So solle ein psychologisches Gutachten des Hauptbelastungszeugen erstellt, ein Einzelverbindungsnachweis der Kriminalpolizei angefordert und mehrere ärztliche Gutachten in Auftrag gegeben werden, die bestätigen, dass der Angeklagte unter Depressionen leidet. Richter Eberhard Hülsing lehnte alle Anträge ab. Doch Domsch und Cyrus gaben nicht auf, legten weitere Anträge vor. Ebenso ein neues Gutachten, dass Yasin T. einen Promillegehalt von 2,3 zur Tatzeit bestätigt. In einem ersten Gutachten war bislang nur von einem Promillewert „knapp über zwei“ ausgegangen worden. Einer der Anträge setzte dem Verfahren jedoch die Krone auf. Die Verteidigung fordert ein neues DNA-Gutachten. Am Tatort seien weitere Spuren gefunden worden, die nicht von ihrem Mandanten stammen sollen. Es soll also einen weiteren Täter geben. 1100 Euro hatte Yasin T. nach einer Auseinandersetzung mit der Rentnerin Minna R. am Ostermontag erbeutet, nachdem er in die Wohnung eingedrungen war. Angeblich wollte der Angeklagte nur telefonieren, daraufhin sei er mit der Rentnerin in Streit geraten. Zwar habe er sie geohrfeigt, gestorben sei sie hierdurch aber nicht. Als Minna R. gefunden wurde, lag sie unter einem schweren Schrank, einem Stuhl und einem Berg Kleidern.

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