Unterstützung für Patienten

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Der Arzt macht einen Fehler und der Behandelte leidet darunter, möglicherweise sein Leben lang. Dieser Albtraum wird für einige Patienten wahr, denn Irren ist menschlich. „Ein tatsächlicher Behandlungsfehler kommt aber selten vor, die medizinische Versorgung in Deutschland ist sehr gut“, beruhigt Alf Jark, Regionaldirektor der AOK NordWest. Um Versicherten, die trotzdem Opfer geworden sind, zu helfen, betreibt die AOK das Kompetenzcenter Medizin in Kiel. Ein Team aus Medizinern und Juristen hilft hier Patienten, die den Verdacht haben, falsch behandelt worden zu sein.

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09. Juli 2015, 21:46 Uhr

Zunächst wird hier geprüft, ob wirklich ein Behandlungsfehler vorliegt. 18 Prozent der AOK-Versicherten glauben, dass sie selbst oder jemand aus ihrem näherem Umfeld schon einmal betroffen waren. „Oft lässt sich der Verdacht ausräumen, wenn das Kompetenzteam den Menschen erklärt, woran sie leiden, wie sie behandelt wurden und warum“, erklärt Jark. Fehler wegen Übermüdung oder Unaufmerksamkeit aber dürfen nicht passieren, genau so wenig darf der Arzt behandeln, wenn er dafür nicht qualifiziert ist. Behandlungsfehler liegen ebenfalls vor, wenn mangelhafte Medizintechnik verwendet wurde.

Seit Gründung des Kompetenzcenters 2001 sind bis Ende 2014 insgesamt 3782 Behandlungsfehler in Schleswig-Holstein bei AOK-Versicherten anerkannt worden. „Hinter dieser Zahl stecken Menschen mit teils dramatischen Schicksalen, die zusätzlich zu den gesundheitlichen Schwierigkeiten nicht noch finanzielle Nachteile erdulden müssen“, erläutert der Regionaldirektor. Wenn die Mediziner der AOK sich sicher sind, dass ein Behandlungsfehler vorliegt, kümmern sich die Juristen um das weitere Vorgehen. Zwei Drittel aller Fälle werden gewonnen – angesichts der üblichen 50 Prozent eine gute Quote. Der Patient kann dann mit einer Privatklage nachziehen, die nach gerichtlicher Anerkennung ein Selbstgänger sei. Für ihre erfolgreiche Arbeit hat die AOK NordWest im Oktober 2014 vom Öko-Test-Magazin den ersten Rang bei der Unterstützung von Behandlungsfehlern erhalten.

Das AOK-Kompetenzcenter wird durch gezieltes Qualitätsmanagement auch vorbeugend tätig „Fehler wie die berühmte vergessene Schere in der Operationswunde dürfen heute nicht mehr passieren“, sagt Jark. Damit die Versicherten die Hilfe des Kompetenzcenters gar nicht erst in Anspruch nehmen müssen, empfiehlt Michael Ramm, AOK-Niederlassungsleiter in Pinneberg, bei planbaren großen Eingriffen auf jeden Fall eine Zweitmeinung einzuholen. Hierfür könne ein weiterer Arzt selbst ausgewählt oder der Fall der AOK übergeben werden, die ihn dann von eigenen Gutachtern beurteilen lässt.

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