Treffen des Frauenkreises : Unterdrückte ins Gebet einschließen

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Mit drei Strophen des Liedes „Geh aus mein Herz und suche Freud“ eröffneten die Mitglieder des Frauenkreises der evangelischen Kirchengemeinde ihr jüngstes Treffen. „Paul Gerhardt hat dieses Lied im 30-jährigen Krieg geschrieben. Er hat in dieser Zeit viel Leid gesehen und erlebt. Trotzdem hat er so ein munteres Lied geschaffen. Ich denke, es passt zum Thema unseres Treffens“, so die Leiterin des Frauenkreises Dorothee Wiens.

shz.de von
21. Mai 2015, 18:50 Uhr

Sie begrüßte zu dem Treffen auch den Barmstedter Tierarzt Heinrich Vogt. Er hatte im Februar 2012 eine einwöchige private Reise durch Nordkorea unternommen und war von Dorothee Wiens eingeladen worden, von seinen Eindrücken zu erzählen und den auf seiner Reise gedrehten Film zu zeigen.

Die Aufnahmen, die nur in Absprache mit seinen beiden ständigen Begleitern von ausgewählten Gebäuden, Gedenkstätten oder Besuchen in Museen gemacht werden durften, zeichneten das Bild einer für demokratische westeuropäische Verhältnisse grotesken Welt. Außer zu seinen „Aufpassern“ und dem Kraftfahrer, die ihn zu den über das staatliche Reisebüro Nordkorea ausgewählten Besichtigungspunkten in Pjöngjang und anderen Orten des unter der Diktatur von Kim Jong-un stehenden Landes brachten, hatte Heinrich Vogt zu niemandem Kontakt. „Die Menschen schauen keinen Ausländer an. Und wo wir auch immer waren, ich wurde alleine durch Räume geführt oder wenn jemand da war, wirkte die Situation gestellt“, so Heinrich Vogt. Viele Fragen seien daher für ihn offen geblieben, denn er habe entweder von seinen Begleitern keine Antwort erhalten oder die Antworten hätten vorgegeben gewirkt. „Ich weiß also nicht, was die Menschen wirklich fühlen und denken in ihrem System.“ Die Aufnahmen von Straßen, auf denen kaum Menschen und Fahrzeuge unterwegs waren, von Monumenten mit Plastikblumen, offenbar gestellten Szenen in einem Kinderkrankenhaus und einem „Studienhaus des Volkes“ sowie von den Grenzanlagen zu Südkorea wirkten auf die Besucher der Frauenkreisveranstaltung bedrückend.

„Ich bin nett behandelt worden, aber so isoliert hätte ich mir die Reise trotz Vorbereitung auf das, was mich erwarten könnte, nicht vorgestellt“, sagte Heinrich Vogt. Da er im Februar im Land war und selbst im Hotel für ausländische Gäste Strom und Heizung oft abgeschaltet waren, konnte er erahnen, wie schwer der Alltag für die Bevölkerung sein muss.

„Ich hatte das Gefühl, eine erstarrte Gesellschaft zu sehen. Überall herrschte Beschallung mit Marschmusik und Propaganda“, dokumentierte Heinrich Vogt anhand seiner Filmaufnahmen. Die Schilderungen und die Aufnahmen wirkten bedrückend, warfen auch bei den Teilnehmern des Frauenkreistreffens viele Fragen auf und wirkten in Gesprächen lange nach. Beendet wurde das Treffen mit einem Gebet, in das auch die in Nordkorea verfolgten Christen eingeschlossen wurden.

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