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Sommerinterview : Unkompliziert, weil man sich kennt

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Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

In unregelmäßiger Folge stellen die Bürgermeister der Umgebung im Rahmen eines Sommerinterviews ihre Ziele und Wünsche für die Zukunft ihrer Gemeinden vor. Walter Rißler gestaltet seit fast 30 Jahren als Bürgermeister die Geschicke der 3200 Einwohner zählenden Gemeinde Holm mit. „Bei uns laufen die kleinen Dinge unkompliziert, weil man sich kennt“, sagt der 72 Jahre alte gebürtige Holmer, zweifache Vater und ehemalige Landwirt zufrieden. Wenn bei der Umgestaltung des Edeka-Parkplatzes Erde anfällt und beim Zuschütten des Dorfteiches Erde benötigt wird, weiß er, was zu tun ist.

UeNa: Welche Themen liegen aktuell in Holm an?

Walter Rißler: Wir sind stolz, dass wir eine Grundversorgung im Ort haben und tun alles dafür diese zu erhalten. Um zukunftsfähig zu sein, soll der familiengeführte Edeka-Markt von 800 auf 1200 Quadratmeter erweitert werden. Unternehmer Paulsen will Weihnachten im neuen Laden sein. Wir haben dafür eine Ausnahmegenehmigung erwirkt, den B-Plan geändert und mit den Nachbarkommunen gesprochen. Jetzt wird der Parkplatz geändert und die Fläche um 150 Quadratmeter für Nebenräume wie Post und Bäcker erweitert.

Um ältere Bürger im Dorf zu halten, hat die Gemeinde zehn seniorengerechte Wohnungen und eine Doppelarztpraxis gebaut. Am 1. Februar konnte die Praxis bezogen werden. Wir haben kein Altenheim, aber einen sehr guten ambulanten Pflegedienst. Insgesamt besitzt die Gemeinde 18 Mietwohnungen und hat hier ein Vorschlagsrecht.

Wir wollen eine Freizeitanlage für Jugendliche bauen. Geplant sind unter anderem ein ligatauglicher Platz, ein Baseballfeld, eine Skaterbahn und eine Sitzecke zum Chillen. Die Gemeindevertretung hat in der Sitzung am 2. Juli zugestimmt und erstes Geld bereitgestellt. 150000 Euro wird das Projekt insgesamt kosten.

Die Telekom baut unser Ortsnetz aus. Wir brauchen es nicht zu bezahlen und wir können es nicht verhindern. Zu 90 Prozent liegt Glasfaser in den Häusern. Die Bürger haben die Wahl, ob sie ihre Breitband-Internet-Versorgung vom Abwasserzweckverband Südholstein oder von der Telekom beziehen.

Wir haben eine kleine Arbeitsgruppe gebildet, die Pläne entwickelt, wie das 30 Jahre alte Dörpshus, insbesondere der große Saal durch Beleuchtung und Farben freundlicher gestaltet werden kann. Nach 30 Jahren war die Folie von unserem Dorfteich undicht. Eine Erneuerung wäre teuer geworden. Die Sicherung war auch immer ein Problem. Jetzt wurde er zugeschüttet. Für eine Entscheidung zum Nachtbus, den sich die Jugendlichen wünschen, fehlen uns noch Zahlen.

UeNa: Die neue Förderperiode der AktivRegion Pinneberger March & Geest ist angelaufen. Plant Holm einen Antrag zu stellen?

Rißler: Der Antrag, auf dem Grundstück von Ladiges Gasthof ein Gästehaus mit Bed & Breakfast-Angebot zu bauen, liegt der AktivRegion vor und soll auf der nächsten Vorstandssitzung am 28. August besprochen werden. Die Baugenehmigung liegt vor, die Gemeinde hat dem Vorhaben schon vor einem Jahr zugestimmt. Das wird dann zügig losgehen.

Einen Antrag auf Förderung des Freizeitgeländes werden wir für 2016 nachschieben. In der letzten Förderperiode der AktivRegion wurden das Hofcafé „Café & Bleibe“ und der Wegebau der Gemeinde bezuschusst. Wir haben für 750000 Euro ausgebaut und Zuschüsse in Höhe von 200000 Euro erhalten.

UeNa: Wie ist die derzeitige Situation von Flüchtlingen in der Gemeinde?

Rißler: Das Amt Moorrege hat uns aktuell 14 Flüchtlinge zugewiesen. Sie leben in den Schlichtwohnungen am Lehmweg, sonst in Privathäusern. Kirche, Holmer Bürger und ein pensioniertes Lehrerehepaar engagieren sich in der Betreuung. Sie laden an jedem zweiten Donnerstag im Monat ins „Haus der Gemeinde“ im kirchlichen Gemeindezentrum Steinberge in ein Flüchtlingscafé ein. „Die kleinen Dinge laufen bei uns unkompliziert, weil man sich kennt“, sagte Rißler. So hat die Gemeinde die Kosten für Bücher übernommen, die sich die Helfer für den Sprachunterricht wünschten, den sie ehrenamtlich anbieten. Aktuell wird der Renovierungsbedarf an der Unterkunft am Lehmweg ermittelt. Es geht um die Frage: Abriss oder Neubau. Wenn die Kosten vorliegen, wird der Bauausschuss im September darüber entscheiden.

UeNa: Wo soll die Gemeinde Holm in fünf bis zehn Jahren stehen?

Rißler: Wir wollen weiter behutsam wachsen, sonst überaltern wir. Wir wollen ein weiteres kleines Mischgebiet erschließen, um kleinen Betrieben Erweiterungsmöglichkeiten zu geben und den Wohnwert zu erhalten. Wir gehen vor wie in der Vergangenheit – wir erwerben, erschließen und vergeben die Bauplätze an Holmer.

UeNa: Wo ist Ihr persönlicher Lieblingsplatz in Holm?

Rißler: Mein Lieblingsplatz ist die Bank in der Kehre an der Eschtwiete mit Blick in die Marsch – zwischen 22 Uhr und 22.30 Uhr zusammen mit meiner Frau Frauke und unserer Katze Emma.

UeNa: Was macht den Charme, die Besonderheit von Holm aus?

Rißler: Die Vielfalt der Naherholung – die Holmer Sandberge, die Elbnähe und wie das Dorf gewachsen ist. Bausünden halten sich in Grenzen. Der Erhalt alter Bausubstanz liegt uns am Herzen.

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erstellt am 05.Aug.2015 | 18:09 Uhr

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