Bauarbeiten : Unerschrockener Einsatz im Tävsmoor

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Sie kommen aus neun verschiedenen Nationen, sind jung, voller Energie und haben nichts gegen ein kleines Abenteuer! Und das finden sie ausgerechnet im wohl organisierten Deutschland, müssen dafür allerdings auch tief in die Botanik eindringen.

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23. Juli 2012, 20:46 Uhr

Seit gestern und vermutlich noch bis morgen bauen 15 junge Leute unter fachkundiger Anleitung im Naturschutzgebiet Tävsmoor Stauwände aus Fichtenholz und Erde in einem der beiden Entwässerungsgräben, die das Tävsmoor durchziehen. Sie sind damit Teil eines Internationalen Jugendworkcamps, wie sie jedes Jahr von den Internationalen Jugendgemeinschaftsdiensten (IJGD) e.V. an zahlreichen Orten in Deutschland organsiert werden. Möglich wurde das Camp durch die Bereitschaft der Naturschützer im Elbmarschenhaus, es auszurichten, und die finanzielle Unterstützung durch das Umweltministerium. Haseldorfs Kirchengemeinde sorgte für die Unterkunft: Die internationale Besuchergruppe kann im Kindergarten übernachten.

Für die Naturschützer sind die freiwilligen Helfer ein echtes Geschenk, denn der Job ist mühselig: Der Einsatz von schwerem Gerät muss unterbleiben, zu weich ist der morastige Boden in jenem Teil des Tävsmoores, der normalerweise nicht zugänglich ist. Aus gutem Grund, denn der Weg vom befestigten Wanderweg bis zum Graben ist nicht ungefährlich. Tiefe Morastlöcher, verborgen unter Gras und Moos, sind echte Hindernisse. Auch die Mitglieder des Teams um die beiden Haseldorfer Ranger Heiko Richter und Malte Göpel sackten gestern immer wieder ein.

Die Entwässerungsgräben wurden Ende des 19. Jahrhunderts angelegt und bildeten einst die Voraussetzung für den Torfabbau im Tävsmoor. Als das Gebiet 1995 unter Naturschutz gestellt wurde, hatten die Ökologen vor allem ein Ziel: Das fast komplett trockengelegte einstige Moor sollte renaturiert, also wieder vernässt werden. Sie bestückten damals die Gräben mit einfachen Hindernissen aus Brettern, um das Wasser zu stauen und so zu verhindern, dass es weiter in die Holmau fließen konnte. „Inzwischen sind diese Staue abgängig, und wir möchten sie durch Erdstaue ersetzen, weil wir möglichst nie wieder da ran möchten“, sagte Bernd-Ulrich Netz von der Integrierten Station Unterelbe (ISU) im Elbmarschenhaus.

Problem: Die Grabenzonen sind längst nicht mehr richtig begehbar, weil vernässt. Deshalb wurden im vergangenen Winter, als der Frost das Gebiet kurzzeitig zugänglich machte, an mehreren Stellen Pfähle aus Fichtenholz in den Boden geschlagen. Der Zwischenraum zwischen jeweils zwei dieser Stützwände muss nun mit Erdboden verfüllt werden. „Wir hoffen, dass diese Erdhügel im Laufe der Jahre durch Bewuchs und Verwurzelung fest werden und dauerhaft Bestand haben“, so Netz.

Das Verfüllen ist harte Arbeit, und das Team wird wohl länger brauchen als die ursprünglich veranschlagten zwei Tage. Der Bodenaushub, einem sandigen Gebiet im Norden des Tävsmoores entnommen, muss per „Eimerkette“ zum Graben gebracht werden, bestenfalls kann er noch mit einem schlittenartigen Gefährt über den nassen Boden gezogen werden. Nach fünf Stunden im Einsatz sah man gestern allen an, was sie getan hatten: Total verdreckt und etwas geschlaucht, aber vergnügt traf sich die Gruppe zum Foto, stand den wartenden Journalisten Rede und Antwort. Ein Abenteuer sei das Camp, sagte der 20 Jahre alte Artur aus Estland in fließendem Englisch, gleichsam stellvertretend für alle. Deutschland sei ideal, weil es ein gut organisiertes und sicheres Land sei. Seine Kollegen auf Zeit aus Spanien, der Türkei, Tschechien, Belgien, Frankreich, Serbien, Russland und Deutschland sehen es genau so.

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