Umzug nach 38 Jahren

Mitarbeiterin Sabine Wahlen (links) und Büchereileiterin Marion Sörensen haben in diesen Tagen jede Menge zu tun, um den Umzug vorzubereiten.
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Mitarbeiterin Sabine Wahlen (links) und Büchereileiterin Marion Sörensen haben in diesen Tagen jede Menge zu tun, um den Umzug vorzubereiten.

Die Bücherei in Heidgraben hat ihre Heimat künftig im Schulungsraum der Feuerwehr / Vorher muss noch aussortiert werden

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03. März 2018, 16:05 Uhr

Das Aussortieren fällt Marion Sörensen sichtlich schwer. Immer wieder schnappt sie sich aus den zahlreichen Kisten ein Buch und schaut es wehmütig an. Doch es nützt nichts. Die Leiterin der Bücherei in Heidgraben muss ihren Bestand deutlich reduzieren. Denn im Schulungsraum der Feuerwehr ist nicht genug Platz für alle Medien, die Sörensen und ihre Kollegin Sabine Wahlen in den vergangenen Jahren angeschafft haben. In den kommenden Wochen soll der Umzug über die Bühne gehen, Hintergrund ist das neue Raumkonzept der Gemeinde.

Von derzeit 6000 auf künftig 4500 Medien müssen Sörensen und Wahlen das Angebot reduzieren. Erwischen wird es vor allem Kassetten, CDs und alte Zeitschriften. Aber auch jede Menge Bücher können die Reise in die neue Heimat der Bücherei nicht antreten. Insbesondere Bildbände haben die beiden Frauen aussortiert. „Das tut mir in der Seele weh“, sagt Sörensen. Und auch Literaturklassiker werden wohl dran glauben müssen. „Böll, Kästner, Lenz − die liest heute kein Mensch mehr.“ Doch auch Sachbücher stehen auf der roten Liste. Die Büchereileiterin hofft allerdings, die Werke zu den Themen Psychologie, Medizin, Pädagogik und Hauswirtschaft vor dem Müllcontainer bewahren zu können. Plan ist, sie während der Flohmärkte im Gemeindezentrum am 9. und 10. März als „Zu verschenken“ anzubieten.

In einem Bereich soll das Angebot hingegen keinesfalls reduziert werden: Bei den Kinder- und Bilderbüchern. „Ich denke, das ist unsere Zukunft“, sagt Sörensen. Denn täglich stöbern die Grundschüler in dem großen Angebot, sei es in den Pausen oder während der Zeiten des offenen Ganztags (OGT). Dafür sorgt auch die Lage der Bücherei in unmittelbarer Nachbarschaft zu der Bildungseinrichtung. Mit dem Umzug in den derzeitigen Feuerwehrschulungsraum wächst die Entfernung. „Ich bedauere sehr, dass die unmittelbare Nähe zur Schule nicht mehr da ist“, sagt Sörensen. Doch sie und Wahlen hoffen, dass die Schüler auch nach dem Umzug zahlreich vorbeischauen. „Wir werden die Schule vermissen und die Schule uns“, betont die Büchereileiterin.


Startschuss erfolgt im Jahr 1980

Dass Sörensen der Auszug aus den bislang genutzten Räumen wehmütig macht, kommt nicht von ungefähr. Schließlich hat die 69-Jährige die Bücherei aufgebaut. 1980 war das. Damals gab es das sogenannte Pinneberger Modell, 13 kleine Büchereien rund um die Kreisstadt waren darin organisiert. Das Modell ist zwar aus finanziellen Grünen nicht weitergeführt worden, berichtet Sörensen, doch für Heidgraben markierte es den Startschuss für ein eigenes Ausleih-Angebot.

38 Jahre später steht nun der Umzug an − dem Sörensen auch Positives abgewinnen kann. Vielleicht erhalte die Bücherei durch den neuen Standort neben dem Gemeindezentrum mehr Aufmerksamkeit, auch von Erwachsenen, spekuliert sie. Und auch die Kita-Kinder haben es künftig deutlich näher zur Bücherei.

Seit Montag ist die Bücherei an der Uetersener Straße offiziell geschlossen. Viele Regale sind schon leer, doch zahlreiche Kisten müssen noch gepackt werden. Für die Organisation des Umzugs ist das Amt Marsch und Geest Südholstein verantwortlich. Am Dienstag hat es einen ersten Vor-Ort-Termin gegeben. Mit dabei war ein Spediteur. Einen detaillierten Zeitplan für den Umzug gibt es laut Sörensen noch nicht. Sie geht davon, dass der Transport in der ersten Märzhälfte vonstatten geht. Die 69-Jährige hofft, die Bücherei nicht länger als vier Wochen schließen zu müssen.

Das würde mit Sicherheit auch die Schüler freuen. Während des Gesprächs mit Marion Sörensen und Sabine Wahlen stürmen rund ein Dutzend Kinder in die Bücherei. Ob „Zacharias Zuckerbein“ oder „Bei den Wikingern“, die Kleinen wissen sofort, wo ihre Lieblingsbücher liegen. Bevor die heiße Phase des Umzugs beginnt, dürfen sie ein letztes Mal schmökern. „Können wir auch etwas ausleihen?“, fragt schließlich ein Junge. Eine Bitte, die Sörensen in diesen Tagen ablehnen muss.

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