Insolvenz der Feldmuehle : Uetersens Bürgermeisterin: „Das muss noch nicht das Ende der Papierfabrik bedeuten“

Die Feldmuehle Uetersen ist seit 2015 wieder selbstständig. Unter anderem zu schaffen machten dem Unternehmen zuletzt die steigenden Zellstoffpreise, Rohstoff für die Papierherstellung.
Die Feldmuehle Uetersen ist seit 2015 wieder selbstständig. Unter anderem zu schaffen machten dem Unternehmen zuletzt die steigenden Zellstoffpreise, Rohstoff für die Papierherstellung.

Bürgermeisterin Andrea Hansen will das Gespräch mit dem Wirtschaftsminister suchen. Der Wirtschaftsverband Kopie und Medientechnik ist zuversichtlich.

shz.de von
26. Januar 2018, 13:00 Uhr

Uetersen | Nach Bekanntwerden des Insolvenzantrags der Feldmuehle Uetersen findet am Freitag eine Betriebsversammlung für die 420 Mitarbeiter statt. 

Der Geschäftsführer des Papier- und Verpackungsherstellers, Johann Heinrich Kayser, hat beim Amtsgericht Pinneberg am Mittwochvormittag Antrag auf Eröffnung der Insolvenz über das Vermögen der Feldmuehle Uetersen GmbH gestellt (71 IN 17/18). Zum vorläufigen Insolvenzverwalter ist Rechtsanwalt Tjark Thies aus Hamburg bestellt worden. Grund für die Insolvenz sei das nicht rechtzeitige Zustandekommen einer Finanzierung, sagte Andreas Jung, Sprecher des Insolvenzverwalters. Es hakte also in zumindest einem Fall bei der Geldbeschaffung.

Was produziert das Unternehmen eigentlich?

Die Bandbreite der von der Feldmuehle gefertigten Produkte ist vielfältig: So werden in Uetersen unter anderem Joghurtbecher und Schokoladenverpackungen, Bildbände und Flaschenetiketten, Kartonverpackungen, Parfümschachteln und Spielkarten gedruckt.

Besonders innovativ ist das Unternehmen im Bereich der Lebensmittelverpackungen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung bewertet zum Beispiel Mineralölrückstände in Lebensmitteln als „grundsätzlich unerwünscht“. Doch bei bunten Verpackungen ist das oft ein Nebeneffekt. Die Techniker der Feldmuehle Uetersen haben sich intensiv mit der Frage befasst, wie Lebensmittel vor der Verunreinigung mit Mineralölen geschützt werden können. Vergangenes Jahr hat man die Lösung dafür gefunden und eine Verpackung mit einer so genannten Mineralölbarriere (MOB) hergestellt und bereits vertrieben.

 

„Das muss nicht das Ende bedeuten“

Zwischenzeitlich hat sich Uetersens Bürgermeisterin Andrea Hansen (SPD) zu der Insolvenz geäußert: „Erst einmal besorgt diese Nachricht die Beschäftigten, ihre Familien und unsere Region. Wir erinnern uns an die Hängepartie von 2014, zu der auch das Bundeskartellamt vor der letzten Eigentumsübertragung beigetragen hatte. Das muss aber nicht das Ende für die Feldmuehle bedeuten. Denn es gibt auch die Chance, dass ein Investor gefunden wird. Dafür gibt es viele Beispiele.“ Jetzt seien die Kapitaleigner, Geschäftspartner und der vorläufige Insolvenzverwalter gefragt, sie trügen eine große Verantwortung. „Ich werde aber auch den Kontakt zum Betriebsrat, zur Agentur für Arbeit und zum Wirtschaftsminister des Landes suchen“, so die Uetersener Verwaltungsleiterin.

Feldmühle: Ein Unternehmen mit Tradition seit 1904
  • Seit 1904 wird in Uetersen Papier gemacht.
  • 1990 übernahm der schwedische Papierkonzern Stora die insgesamt sieben deutschen Feldmuehle-Fabriken.
  • Als Stora 1998 mit der finnischen Enso-Gruppe fusionierte, gehörte das Werk in Uetersen zur Stora Enso Fine Paper Division.
  • 2015 hat die Stora den finnisch-schwedischen Konzern an den Europäischen Private Equity-Fonds Perusa aus München verkauft. Die Ära der neuen Selbstständigkeit begann. Viel Zuversicht schwang damals mit, die Verlustzone schon bald verlassen zu können − auch als die Perusa sich von dem Uetersener Betrieb getrennt hatte und zwei Manager das Heft des Handelns übernahmen.
 

Viele Wechsel in der Geschäftsführung

Seit 2015 gab es mehrere Wechsel in der Geschäftsführung. Geschäftsführer seit Mai 2017 ist Johann Heinrich Kayser. Ziel ist es nach Angaben des Unternehmens weiterhin, dem Markt neue und hochwertige Produktlösungen anzubieten. Zuletzt hatte man den Markt mit innovativen Papieren mit Mineralölbarriere überrascht. Eine weitere Uetersener Innovation der jüngsten Vergangenheit betrifft verschiedene heißsiegelfähige Papiere. Inwieweit der eingeschlagene Weg weiter fortgeführt werden kann, ist jetzt erst einmal gemeinsame Sache des Insolvenzverwalters und der beteiligten Experten nebst Management der Feldmuehle Uetersen.

Lob für Kayser

Der Wirtschaftsverband Kopie & Medientechnik äußert sich derweil zuversichtlich im Fall des Insvolvenzsantrags. Geschäftsführer Kayser habe nach nur wenigen Monaten mit Unterstützung externer Restrukturierungsberater ein Rettungskonzept erarbeitet. „Erste Erfolge zeigen sich bereits, denn ab dem vierten Quartal 2017 befindet sich Feldmuehle wieder im Aufwärtstrend. Kayser genießt unter der Belegschaft großen Zuspruch für seine Unternehmenspolitik.“ Auch würden demnächst neue Produkte vorgestellt, mit denen die Papierfabrik am Markt wieder Tritt fassen wird. Nach Angaben von Heiner Kayser unterstützen auch die wesentlichen Lieferanten das neue Konzept. Kayser rechne demnach damit, dass in den nächsten zwei Monaten neue Gesellschafter gewonnen werden.

Rechtsanwalt Achim Carius, Geschäftsführer des Wirtschaftsverbandes, vertraue auf Kaysers Strategie: „Dieser Manager hat bereits als Sihl-Geschäftsführer in Düren gezeigt, dass er das Zeug hat, ein Unternehmen der Papierindustrie aus schwierigen Lagen heraus zu führen. Kayser hatte Sihl zu einem vorbildlich profitablen Papierveredler gemacht. In unserer Branche genießt er eine hohe Reputation. Die Feldmuehlen-Rettung wird ihm gelingen.“

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