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Training : Uetersener übt Rettung in 39 Metern Höhe

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Ein Balanceakt: Aus einer Höhe von 39 Metern über dem Erdboden hat der Uetersener Feuerwehrmann Sven Duus am Dienstag in Tornesch einen Kameraden abgeseilt. Die Höhenrettungsgruppe des Technischen Hilfswerks (THW) Pinneberg übte an einem Strommast an der Ortsgrenze in der Nähe der A23 den Ernstfall.

shz.de von
erstellt am 23.Mai.2014 | 21:24 Uhr

Von diesem Szenario sollten die Einsatzkräfte ausgehen: Ein junger Mann ist aus purem Übermut auf einen Strommast geklettert. Dabei hat er sich den Fuß umgeknickt, sodass er nicht wieder absteigen kann. Nun sitzt er auf dem ersten Querausleger des Mastes in 39 Metern Höhe fest – neben einer 380 Kilovolt-Leitung.

„Im Ernstfall würden wir als erstes den Strom abschalten“, sagte Markus Lieberknecht, Pressesprecher des Netzbetreibers TenneT. Denn nähert sich ein Mensch einer 380-Kilovolt-Leitung, besteht ab einer Distanz von vier Metern die Gefahr, dass der Strom in einem Lichtbogen auf ihn überspringt – was niemand überlebt.

Vor diesem Problem stand die Höhenrettungsgruppe aber nicht. TenneT ließ die rund 50 Meter hohe Stahlkonstruktion erst Anfang des Jahres errichten. Noch hängen keine Leitungen daran.

Ein Anwärter der Höhenretter übernahm die Rolle des „Übermütigen“. Löschmeister Jan Lescow von der Freiwilligen Feuerwehr Borstel-Hohenraden ließ sich beim Aufstieg durch ein Seil sichern. Als er auf der unteren Traverse nach außen gegangen war und dort Platz genommen hatte, folgte Duus ihm. Der Höhenrettungsausbilder aus Uetersen hängte seinen Kameraden an zwei Punkten in sein Geschirr ein. Durch eine sogenannte passive Rettung ließen sich beide abseilen. Duus hatte dadurch die Hände frei, während seine Kollegen am Boden das Seil führten.

„An solch einem Mast zu üben, ist für uns selten möglich“, sagte Torben Wohlers, Oberlöschmeister der Freiwilligen Feuerwehr Borstel-Hohenraden. Er hatte die Idee zu der Aktion und sprach TenneT an. Die Höhenretter trainierten bereits am Maxiposter an der A23 bei Tornesch und am Betonwerk Lebbin in Pinneberg.

Mit dem Szenario nahmen sie einen Trend aus Russland auf, das sogenannte Roofing. Menschen klettern dabei illegal auf hohe Gebäude, um sich selbst vor dem Abgrund zu fotografieren und die Bilder ins Internet zu stellen.

Ursprünglich sollten die Einsatzkräfte per Alarm zu der Übung gerufen werden, damit sie ihn für einen Ernstfall halten. Doch dann sickerten Gerüchte durch. Einsatzleiter Markus Knobelsdorf gab daher die Devise aus, ähnlich wie bei einem selbstmordgefährdeten Menschen ohne Sirene anzurücken.

Die Höhenretter

Die einzige Höhenrettungsgruppe im Kreis Pinneberg ist beim Ortsverband Pinneberg des Technischen Hilfswerks (THW) angesiedelt. Sie besteht je zur Hälfte aus Einsatzkräften verschiedener Ortsfeuerwehren und des THW Pinneberg. Die 15 aktiven Mitglieder haben 120 Stunden Grundausbildung absolviert. Zurzeit bereiten sich zehn Anwärter auf den Dienst vor. Sie lernen das Auf- und Absteigen im Seil, die Sicherung in der Höhe, den Umgang mit Flaschenzügen und Winden. Die Spezialkräfte werden nicht nur zu Einsätzen an hohen Gebäuden gerufen, sondern auch, wenn Sanitäter übergewichtige Patienten nicht durch das Treppenhaus tragen können. (jhf)

Die neue Stromleitung

Der Strommast ist Teil einer neuen 380-Kilovoltleitung, die von dem Umspannwerk Hamburg-Nord in Henstedt-Ulzburg über Quickborn, Kummerfeld, Tornesch, Moorrege bis nach Altenfeldsdeich in Haseldorf führt. Dort werden die neuen Kabel auf die Masten einer bestehenden Trasse von Wilster (Kreis Steinburg) nach Dollern (Niedersachsen) gehängt, die bei Hetlingen die Elbe quert. Der Netzbetreiber TenneT will das etwa 30 Kilometer lange Projekt mit ingesamt 28 neuen Masten im ersten Quartal 2015 an das Netz anschließen. Es soll den Strom der On-Shore-Windräder in Schleswig-Holstein nach Süden leiten. „Wenn die Leitung in Betrieb ist, müssen weniger Windräder heruntergeregelt werden“, sagte TenneT-Sprecher John Karl Herrmann. Zurzeit werden die Windkraftanlagen teilweise abgeschaltet, weil die Elektrizität nicht transportiert werden kann. TenneT betreibt ein rund 107000 Kilometer langes Stromnetz von Schleswig-Holstein über Niedersachsen und Hessen bis nach Bayern. In Deutschland gibt es vier Netzbetreiber. „Wir haben die Herkulesaufgabe für den Nord-Süd-Transport“, so TenneT-Sprecher Markus Lieberknecht. Das niederländische Unternehmen mit 1300 Mitarbeitern in Deutschland plane die Hauptlast der Energiewende. Pro Kilometer Leitung investiert es rund 1,4 Millionen Euro.

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