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Ernsthaft von Zerstörung bedroht : Uetersener Kastanienallee ist als Ensemble ein Naturdenkmal

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Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Die Uetersener Kastanienallee ist als Ensemble ein Naturdenkmal, doch die Bäume sind von Pilzen und Parasiten befallen.

shz.de von
erstellt am 20.Okt.2017 | 16:10 Uhr

Uetersen | Der fünfte Teil unserer Serie „Naturdenkmäler in Uetersen“ dreht sich um ein Naturdenkmal, das es in naher Zukunft schon nicht mehr geben könnte. Denn die Bäume in der Uetersener Kastanienallee sind stark erkrankt. Motten und Pilze rücken den Bäumen auf die Pelle. Heute stehen hier 33 Kastanien, noch vor einem Jahr waren es zehn Bäume mehr.

Die Kastanienallee verbindet die Innen- mit der Altstadt. Zum Naturdenkmal wurde die Baumreihe aus zwei Gründen erklärt: Zum einen aufgrund ihrer Seltenheit. Denn eine vollständige Kastanienallee sieht man nicht oft, in der Regel werden Linden als Allee gepflanzt. Zum anderen ist die Kastanienallee aufgrund ihrer landeskundlichen Bedeutung einzigartig. Denn sie erfüllte als historischer Damm einst eine wichtige Funktion: Sie schützte Uetersen vor den Fluten der ehemals eingedeichten Pinnau.

Zu einer Besonderheit macht die Uetersener Kastanienallee die Dicke der Baumstämme. Auch die Größe der Bäume kann sich sehen lassen: Der höchste Baum ist 28 Meter hoch. „Für eine Kastanie ist das recht ansehnlich“, meint Natur-Experte Hans-Albrecht Hewicker. Doch wie lange die Kastanienallee den Uetersenern noch erhalten bleibt, ist nicht sicher. Viele der Bäume sind sehr stark von der Miniermotte befallen, deren Larven das Blattwerk zerfressen. Dabei spielt das Alter der Bäume für die Miniermotte keine Rolle, auch der natürliche Nachwuchs in der Kastanienallee ist bereits befallen. Die Motte ist aber nicht schuld an der Zerstörung der Bäume. Sie trägt nur dazu bei, indem sie die Kastanien schwächt. Die eigentliche Ursache ist der aggressive Pilz Pseudomonas, der zum Absterben der Bäume führt. Deshalb wurden seit 2014 bereits etliche Kastanien gefällt. Auch ein Baum, der als Naturdenkmal geschützt ist, kann beseitigt werden, wenn er eine Gefahr für die Öffentlichkeit wird. „Das ist zwar sehr schade, aber Sicherheit geht immer vor“, erläutert Hans-Jürgen Raddatz, Sachbearbeiter für Naturdenkmäler im Kreis Pinneberg.

Mehrere Bäume wurden nachgepflanzt

Mehrere Bäume wurden an der Kastanienallee bereits nachgepflanzt. Um die Krankheit zu bekämpfen, hat die Stadt zunächst damit begonnen, amerikanische Kastanienbäume zu pflanzen. Zunächst ging man davon aus, dass diese rotblühende Art immun gegen den Pilzbefall ist. Das stellte sich jedoch als Irrtum heraus. Deshalb ist man mittlerweile dazu übergegangen, verträglichere Flatterulmen einzusetzen, um die Allee als solche zu erhalten. Da die Neupflanzungen nicht ins Naturdenkmal miteinbezogen werden, könnte es bereits 2022 vollständig verschwunden sein.

Aufhalten lässt sich die Zerstörung der Kastanienallee nicht, aber aufschieben. Die Stadt und ihre Bürger könnten gemeinsam viel dafür tun, das Denkmal zu pflegen. „Die wirkungsvollste Methode, die Miniermotte zu bekämpfen, ist, das gesamte Laub vollständig zusammenzukehren und zu verbrennen“, so Hewicker. Auf diese Weise könnte auch die Ausbreitung des Parasiten eingeschränkt werden. Denn Uetersen ist eine kastanienreiche Stadt, früher oder später werden alle Kastanienbäume von der Miniermotte zerfressen sein.

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