Erfolgreiche Premiere : Uetersener Hagebuttenbühne führt „Blutsbrüder“ auf

Edward (links) und Mickey schließen Blutsbrüderschaft. Doch ihre Freundschaft endet tragisch.
Edward (links) und Mickey schließen Blutsbrüderschaft. Doch ihre Freundschaft endet tragisch.

Vorstellungen am 27. und 28 April sowie am 4. und 5. Mai.

shz.de von
25. April 2018, 12:00 Uhr

Uetersen | Premiere gut, alles gut: Das gilt auch für die Aufführung des Musicals „Blutsbrüder“ aus der Feder von Willy Russel durch das Ensemble der Uetersener Hagebuttenbühne. Die knapp 100 Zuschauer, die sich in der Aula des Ludwig-Meyn-Gymnasiums eingefunden hatten, zeigten sich angetan von dem Stück, das stark geprägt wurde von Marnie Rühmkorf, der die Regie und musikalische Leitung oblag und zudem als Mrs. Johnstone (Mutter der Zwillinge) die Hauptrolle spielte. Wer es noch nicht gesehen hat, kann dies am 27. oder 28. April beziehungsweise 4. oder 5. Mai nachholen.

Gleich der Auftakt des „Besten Musicals 1983“ ist dramatisch: Die beiden Zwillinge Mickey (Nick Rieprich) und Edward (Hendrik Bohn) stehen sich mit Pistolen bewaffnet gegenüber und bedrohen einander. Dazwischen die verzweifelte Mutter, die ihr großes Geheimnis preisgibt und hilflos zusehen muss, wie die Auseinandersetzung eskaliert.

Betont wird dies durch die dramatische musikalische Begleitung. „Hat man Ihnen je von den Johnstones erzählt? Am selben Tag kamen beide zur Welt. Aus einem Leib, mit gleichem Blut. Nur einer der Mutter in den Armen ruht. Der andre kam fort, am selben Tag – so erfüllte sich ein böser Vertrag“, lauten die sybillinischen Worte der Erzählerin (Susanne Reichel), die in das dramatische Geschehen einführt.

Nachbarskinder, die einander nicht kennen

Im Folgenden wird dann die Lebensgeschichte der beiden Zwillingsbrüder erzählt, deren Mutter Eddie unmittelbar nach der Geburt an die wohlhabende Mrs. Lyons weggibt, bei der sie als Hausmädchen arbeitet. Beide Jungen wachsen als Nachbarskinder auf, werden Freunde und schließen sogar einen Pakt, besiegelt mit Blut.

Obwohl beiden der Umgang miteinander verboten wird, fühlen sie sich zueinander hingezogen, ohne jedoch von ihrem geheimen Schicksal zu wissen. Einige Jahre ziehen ins Land, bis sie sich als erwachsene Männer wieder begegnen. Zufälligerweise verlieben sie sich in dasselbe Mädchen: Linda.

Die soziale und emotionale Kluft zwischen beiden aber wird immer größer. So hat sich auf der einen Seite Edward als angesehener Rechtsanwalt etabliert, während Mickey arbeitslos wird und wegen eines Raubüberfalls ins Gefängnis muss. Als sie sich letztendlich gegenüber stehen, verrät ihnen die Mutter, dass sie Zwillingsbrüder sind.

Die Geschichte einer Freundschaft

Das Musical erzählt die Geschichte einer Freundschaft, die an Klassengrenzen scheitert. Ausgerechnet Zwillingsbrüder entwickeln sich in entgegengesetzte Richtungen, weil der eine im Arbeiterviertel und der andere im Haus eines Industriellen aufwächst. Spannung verleiht der Geschichte, dass die Beiden nichts von ihrer Blutsverwandtschaft wissen, tragische Ironie, dass sie als Kinder Blutsbrüderschaft schließen und einander die ewige Treue schwören. Als die Freundschaft schließlich zerbricht, bleibt die bittere Erkenntnis, dass diese Bruderschaft nicht sein kann, weil sie nicht sein darf.

Mit der Aufführung des Musicals ist der Hagebuttenbühne ein großer Wurf gelungen. Sie verschaffte den Zuschauern ein besonderes, sicherlich noch lange nachwirkendes Theatererlebnis, das bei allem Vergnügen auch Nachdenklichkeit und Betroffenheit auslöst. Das auf der Bühne agierende Ensemble überzeugte durch Souveränität und Spielfreude. Außer Rühmkorf mag noch Jessica Stautz hervorgehoben werden, die Mrs. Lyons verkörperte.

Das Bühnenbild (Tine Rinke) war so gewählt, dass der Kern der Geschichte schnörkellos vor dem Zuschauer lag. Laut Oliver Rühmkorf hat das Ensemble das Stück etwa neun Monate geprobt, wobei die Planungen bis 2016 zurückreichen. „Der Reiz des Stückes liegt in der Mischung aus Theater, Musik und Choreographie“, so Rühmkorf. „Es transportiert viele Gefühle.“

Weitere Aufführungen sind jeweils am Freitag und Samstag, 27. und 28. April, sowie am 4. und 5. Mai. Beginn ist um 19.30 Uhr in der Aula des Ludwig-Meyn-Gymnasiums. Tickets gibt es in der Theaterkasse Moorrege und an der Abendkasse.

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