Schulpolitik : Uetersener Gymnasium auf dem Weg zurück zu G9

Alexej Stroh, Schulleiter des Ludwig-Meyn-Gymnasiums, am Schreibtisch seines Dienstzimmers. Von dort aus wird er auch den Beschluss der Schulkonferenz umsetzen, zu G9 zurückzukehren.
Alexej Stroh, Schulleiter des Ludwig-Meyn-Gymnasiums, am Schreibtisch seines Dienstzimmers. Von dort aus wird er auch den Beschluss der Schulkonferenz umsetzen, zu G9 zurückzukehren.

Neue Konzepte sollen her, damit das LMG trotzdem eine Ganztagsbetreuung der Schüler gewährleisten kann.

shz.de von
18. Januar 2018, 12:30 Uhr

Uetersen | Am Ludwig-Meyn-Gymnasium soll Bewährtes eine Renaissance erfahren. G9 kehrt zurück − vom kommenden Schuljahr an. Der Entscheidung der Schulkonferenz am Dienstagabend war ein langer, demokratischer Prozess vorausgegangen. Sogar eine von Schülerseite initiierte Podiumsdiskussion hat es gegeben. Man habe, sagt Schulleiter Alexej Stroh, es sich nicht leicht gemacht. „Letztendlich hat die Frage, ob wir uns einen Gefallen tun, wenn wir eine Inselstellung einnehmen, zur Rückkehr zu G9 geführt“, so Stroh. Denn Uetersen wäre vermutlich das einzige Gymnasium im Kreis gewesen, dass am Status G8 festgehalten hätte. Und kreisweit isoliert sein, wollte man in Uetersen nicht.

Es habe, sagt Stroh, starke Argumente für G8 und starke Argumente für G9 gegeben. Über die gründliche und ernsthafte Diskussion in dieser Frage ist der Rektor stolz. Und auch auf das hohe Niveau während des gesamten Entscheidungsprozesses. „Es ist eine Strukturveränderung, die nicht viel an der inhaltlichen Ausrichtung ändert. Sie bindet aber unglaublich viel Energie, weil neue Konzepte her müssen“, sagt der Schulleiter. Die Eltern seien es gewohnt, dass die Schule über verschiedene Angebote die Ganztagsbetreuung ihrer Kinder übernommen habe. An der Ausrichtung als offene Ganztagsschule werde daher wohl nicht gerüttelt werden. Zudem könnten die Pflichtfächer in der Oberstufe auch bei G9 nicht alle in den Vormittagsbereich integriert werden. Zudem sei die Kapazität der Sporthalle ausgeschöpft, sodass Sport auch nachmittags angeboten werden müsse. „Wenn wir etwas aus G8 gelernt haben, dann, dass wir die Tage strukturieren. Es wird keine langen Tage ohne Pause geben“, so Stroh. Das alles seien auch Argumente für den Beibehalt der Mensa an der Bleekerstraße. Sie werde, schätzt Stroh, weiterhin notwendig sein.

Der Schulleiter glaubt nicht, dass es gelingen werde, die Schüler kostenneutral ein Jahr länger zur Schule gehen zu lassen. Vieles werde dabei auf den Schulträger zukommen. Stroh rechnet mit steigenden Anmeldezahlen. Viele Eltern dürften sich jetzt wieder für das Gymnasium entscheiden. Der Raumbedarf werde aber alleine schon deshalb wachsen, weil es in der Oberstufe Kurse mit mehr Schülern gebe, insbesondere würden daher größere Klassenräume benötigt. G9 werde daran nichts ändern. Und auch die Inklusion erfordere mehr Raumbedarf.

Derzeit nutzt das Ludwig-Meyn-Gymnasium sechs Räume in der benachbarten Rosenstadtschule, ob bei wachsendem Bedarf weitere Räume abseits der eigenen Schule genutzt werden können, hängt auch von den Anmeldezahlen an Uetersens Gemeinschaftsschule für das kommende Schuljahr ab. Wenn es soweit sei, sagt Rosenstadt-Schulleiterin Gisela Leffers, werde man mit dem Gymnasium gemeinsam nach Lösungen suchen.

Auch Abseits von der Wiedereinführung von G9 kämen auf seine Schule viele Herausforderungen zu, sagt Stroh. Zum Beispiel die Umsetzung der Strategie der Kultusministerkonferenz, digitale Medien in den Unterrichtsalltag zu integrieren. Das erfordere eine Menge zusätzlicher Ressourcen. Wenn Laptop, Smartphone und Co. Bestandteile des normalen Unterrichts geworden seien, dann sei die Vernetzung, das Wlan, nur ein Baustein. Stroh hofft, im Frühjahr dieses Jahres entsprechend ausgerüstet zu werden. Die Stadt Uetersen, Schulträger des LMG, hat dafür Geld in den Haushalt eingestellt. Wenn 1200 Schüler die digitalen Medien im Unterricht nutzen würden, dann stelle sich aber auch die Frage nach einer fachlichen Betreuung vor Ort, sagt Stroh. Und die koste nun einmal Geld.

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