Matinee : Uetersener Drama packt Publikum

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Gebannte Stille in der Uetersener Museumsscheune. Mehr als 100 Gäste haben sich dort gestern durch Bilder, Lieder und Texte in eine dramatische Liebesgeschichte hineinnehmen lassen, die zur Kaiserzeit in der Rosenstadt und in Moorrege spielt.

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21. Oktober 2012, 19:46 Uhr

Während der fast zweistündigen Matinee trugen die Uetersener Autorin und Historikerin Elsa Plath-Langheinrich sowie der Amateurschauspieler Uwe Winter Passagen aus dem Roman „Silkes Liebe“ vor. Der Schriftsteller und Staatsanwalt Carl Bulcke hatte das Werk 1906 veröffentlicht. Sopranistin Veronika Haker stimmte altdeutsche Volkslieder wie „Der Tod als Schnitter“ und „Dat Du min Leevsten bist“, Stücke von Bach, Brahms und eine Arie aus einer Oper von Giovanni Paisiello an. Bettina Jung begleitete sie am Klavier.

Auf die Wand hinter der Bühne wurden historische Fotos aus Uetersen und Moorrege sowie Gemälde projiziert. Sie bebilderten die Handlung szenisch, sodass das Publikum den Roman fast wie einen Film erlebte. Zu sehen waren etwa der Buttermarkt, das Kloster, das gelbe Schloss Düneck in Moorrege an der Klinkerstraße sowie das Hotel Rabe’s, das einst auf der Kreuzung am Uetersener Ostbahnhof stand.

Im Roman sucht der „Freiherr Johannes Friedrich von Nürnberg“ das Moorreger Schloss als Kurort auf. In dem Hotel lebt die 17-jährige Wirtstochter Silke Maria Raders. Als der Freiherr in dem Gasthaus einkehrt, vertieft er sich begeistert in der Ortszeitung in einen Fortsetzungsroman und bittet die Wirtstochter um ältere Folgen. Da entdeckt sie in ihm einen Gleichgesinnten – und entflammt für ihn. Fortan singt sie für ihn morgens am Schloss. Abends rührt sie ihn durch ihr Klavierspiel.

Doch machen auch andere Frauen dem Freiherrn schöne Augen, etwa Ophelia von Qualen. Zusammen mit ihrem Verlobten bezieht sie Quartier in dem Schloss Westensee, das der Romanautor in dem Uetersener Kloster lokalisiert. Während Ophelia den Freiherrn verführt, tröstet sich ihr Verlobter mit Silke. „Ich wollte es nicht, aber er wollte es“, gesteht diese später.

Von der abenteuerlustigen Ophelia verstoßen, erkennt der Freiherr in Silke seine wahre Liebe. „Es ist wahr, dass der Ekel vor dem Leben durch ein reines Herz geheilt wird“, sagt er. Doch als er um ihre Hand anhält, fühlt sie sich seiner Liebe wegen der Affäre mit Ophelias Verlobtem nicht mehr würdig. Sie weist ihn zurück. Am Abend vor seiner Abreise stürzt sie sich in die Pinnau. Der Freiherr kann sie zwar noch aus den Fluten ziehen, aber ihren Tod nicht mehr verhindern. Daraufhin erschießt er sich.

Am Ende der Matinee war in den Stuhlreihen der Museumsscheune kaum noch ein Geräusch zu hören. Eine Zuhörerin seufzte tief. Einer anderen standen beim Hinausgehen Tränen in den Augen. „Es war außergewöhnlich gut“, befand die Uetersenerin Elisabeth Zander. Rosemarie Siemer aus Moorrege freute sich über die Bebilderung. „Ich habe das Schloss Düneck noch nie so nah gesehen“, sagte sie. Die Volkslieder hätte sie am liebsten selbst mitgesungen, so gut bekannt waren sie ihr.

Historische Vorlage des Romans ist das Schicksal von Meta Kahlke. Die 15-Jährige hatte 1886 bei Michael Lienau, dem Erbauer des Schlosses Düneck, als Dienstmädchen gearbeitet. Als der Gast Fritz Norrenberg mit ihr anbandelte, verwies Lienau ihn des Hauses. Norrenberg erschoss sich daraufhin, Kahlke stürzte sich in die Pinnau und starb. Die Grabsteine des Paars stehen heute im Park des Schlosses Düneck.

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