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Konsolidierung : „Uetersen Turn Around“ (UTA) kostet 114 Arbeitsplätze

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Der Ölpreis fällt und fällt. Die Opec-Staaten fluten den Weltmarkt. Die Vermutung dahinter: Konkurrenten, die höhere Förderkosten haben, sollen aus dem Markt gedrängt werden. So einfach ist das nicht. Daher wird mit einem weiteren Preisverfall unter 20 Dollar pro 159-Liter-Fass gerechnet. Was viele freut, ist für den Industriesektor Schiffbau- und -zubehör eine Katastrophe. Wer investiert in neue, gute aber zugleich teure Technologie, die hilft, Treibstoff zu sparen, wenn der Sprit immer günstiger wird? Schiffseigner lassen ihre „alten“ Pötte daher länger über die Weltmeere fahren. Werften und Schiffsausrüster haben das Nachsehen.

Auch in Uetersen sind diese Auswirkungen zu spüren. Weil kein Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist, hat die MacGregor-Konzernleitung in Finnland die Reißleine gezogen und verlangt, am Standort Uetersen Kosten zu sparen. Der Konsolidierungsdruck kostet nun 114 Mitarbeitern den Arbeitsplatz. 84 wechseln in die Transfergesellschaft, weitere 30 befristete Verträge werden nicht verlängert: Zeitarbeiter müssen das Haus verlassen und mehrere Abteilungen im Hause Hatlapa (MacGregor) werden durch externe Dienstleister ersetzt.

Am 1. Dezember haben die drei Parteien, IG Metall, Geschäftsleitung und Tarifkommission, das „Verhandlungsergebnis über einen Ergänzungstarifvertrag zur Standort- und Beschäftigungssicherung, zugleich Sozialtarifvertrag“ unterschrieben. Das Paket, das am Tornescher Weg geschnürt wurde, hat den aussagekräftigen Namen „UTA - Uetersen Turn Around“ erhalten.

Fast ein halbes Jahr lang wurde sich immer wieder getroffen und darüber beraten, wie der Standort in Uetersen erhalten bleiben kann und die drohende Schließung verhindert werden könnte. Viele Ideen wurden eingebracht, wieder verworfen und neu diskutiert. Der Versuch, das Unternehmen für die Zukunft wettbewerbsfähig zu machen, kostet den Konzern nun rund fünf Millionen Euro für die Personalmaßnahmen.

Die rund 260 verbleibenden Hatlapa-Mitarbeiter leisten, um die Wettbewerbsfähigkeit wieder herzustellen, in den nächsten zwei Jahren Beiträge in Form von unentgeltlicher Mehrarbeit und Verzicht auf die Hälfte von Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Zudem wird der Sonnabend zum Regelwerktag, um die Nutzungsgrade der produzierenden Maschinen im Schichtbetrieb zu optimieren. Als Gegenleistung erhalten die Mitarbeiter eine Beschäftigungssicherung ein Jahr über den zweijährigen Sozialergänzungstarif hinaus.

Die beteiligten Seiten gehen geschlossen davon aus, dass die Einsparungen und die Optimierungen ausreichen, um den Konzern in den nächsten zwei Jahren wieder in die Gewinnzone zu bringen. Das, wissen die Beteiligten ebenfalls, hängt aber auch von der gesamtwirtschaftlichen Lage im Schiffbau ab.

„Das Verhandlungsergebnis kann sich insgesamt sehen lassen!“, sagt Kai Trulsson, 1. Bevollmächtigter und Geschäftsführer der IG Metall Unterelbe. „Leider konnten wir die Anzahl der Personen, die ihren Arbeitsplatz zum Jahresende verlieren, kaum noch beeinflussen, aber wir konnten eine gut ausgestattete Transfergesellschaft und gute Abfindungen verhandeln. Des Weiteren konnten wir ein Freiwilligenprogramm realisieren, durch welches eigentlich betroffene Mitarbeiter doch im Unternehmen verbleiben konnten, und es wurde eine gute Lösung für die rentennahen Jahrgänge erreicht. Dennoch sind unsere am Standort verbleibenden Mitglieder verunsichert, ob ihre Zukunft wieder rosig wird.“

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erstellt am 17.Dez.2015 | 21:15 Uhr

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