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Herrenabend der Gilde : „Uetersen braucht einen König“

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Der diesjährige Herrenabend der Uetersener Schützengilde (früher Schutz- und Trutzgilde) von 1545 war mit rund 180 Gästen sehr gut besucht. Wie in jedem Jahr genossen die Herren auch diesmal den leckeren Grünkohl aus dem Haus der Familie Ratjen.

shz.de von
erstellt am 31.Jan.2016 | 16:58 Uhr

Genussvolle Momente schenkte den Schützen und ihren Gästen Landrat Oliver Stolz, der eine gleichsam launige wie kurzweilige Rede hielt. Zunächst freute er sich, Ehrengast in dieser Männerrunde sein zu dürfen, eine der letzten in seinem Amtsbereich, vielleicht sogar die letzte! Dann lobte der Landrat das Schützenwesen, geißelte die „German Angst“, indem er erläuterte, dass immer mehr Bürger einen Waffenschein beantragen würden, wobei er die dabei oft fehlende Sachkunde in den Raum stellte, die besser als die Angst wäre. Diese Sachkunde sei bei den Schützen vorhanden. Insofern, so Stolz, sei Uetersen bei der Schützengilde in guten Händen.

In die Runde fragte der Landrat jetzt, ob auch er in die Annalen des Kreistages eintauchen solle, wie es Kreispräsident Burkhard E. Tiemann vor einem Jahr als Festredner getan habe, oder ob er auf den Vorschlag von Bürgermeisterin Andrea Hansen hören solle, die gesagt habe, dass eine Rede deftig, scharf und kurz wie ein Schnaps sein soll? Die Herren wollten Letzteres. Oliver Stolz berichtete also von einem „Drei-Punkte-Plan für Uetersen“. Die Rosenstadt sei einst der bedeutende Flecken im Kreis gewesen, Tornesch habe es da noch gar nicht gegeben. Vor drei Jahren habe ihn dann die Schlagzeile „Schuldenstadt gegen Musterknabe“ erschreckt. Was war geschehen? Seine Überlegungen damals seien gewesen, dass Uetersen einen König brauche. Einen wie in Tornesch oder Moorrege. Dort herrsche Roland I., da Häuptling Silberlocke. Und auch Appen kenne einen solchen Regenten, sogar einen kirchlichen Würdenträger den Barnabas aus der Kaserne. In Haseldorf schließlich gebe es einen Prinzen. König von Uetersen solle werden, wer am besten schießen kann.

Zweitens müsse Uetersen kreisfreie Stadt werden. Kreisfreie Städte würden sehr viel Fördergelder erhalten, insofern könne sich Uetersen in kürzester Zeit entschulden. „Ich sehe goldene Zeiten auf Uetersen zukommen. Die lokale Politik kann endlich machen, was sie will.“ Von dieser werde man bislang stiefmütterlich behandelt, wenn man helfen wolle. Stolz streifte dabei sein Vorhaben, Flüchtlinge ins Bleekerstift einziehen zu lassen und quittierte: „Wer den Kopf in den Sand steckt, wird den Tritt in den Hintern nicht kommen sehen.“

Schließlich müsse Uetersen seine Wirtschaft fördern. Der Rat glaube nicht an die Vorteile der WEP, wolle sie nicht, weil es keine Entwicklungsflächen mehr gebe. Stolz ganz nüchtern: Wenn Uetersen so weiter mache, dann gebe es bald keine Unternehmen mehr vor Ort. Man könne sich schnell irren. Auch der Kreis habe sich geirrt, als er Uetersen schon als Zentrum der Elektromobilität im Bereich des ÖPNV gesehen habe. Der gekaufte E-Bus sei heiß wie ein Reiskocher geworden, doch gefahren sei er nicht.

Keine halbe Stunde hatte der Landrat für seinen Rundumschlag benötigt, der Applaus war ihm daher sicher.

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