Plädoyer : Über Sündenfälle der Politik

3584380_800x487_50818d9dd6c14.jpg

Er hat vielen Unternehmern in den Kreisen Pinneberg und Steinburg aus dem Herzen gesprochen. Marc Ramelow, Chef des gleichnamigen Elmshorner Modeshauses, erntete am Donnerstag im Saalbau viel Applaus. Bei der Feier des 75-jährigen Bestehens der Elmshorner Zweigstelle der Industrie- und Handelskammer (IHK) hatte er vor etwa 230 Vertretern aus Wirtschaft und Politik die Festrede gehalten.

shz.de von
19. Oktober 2012, 19:25 Uhr

Mehrmals forderte Ramelow die IHK auf, ihre Stimme deutlicher als bisher für die Interessen der Unternehmer zu erheben. Beispiel Metropolregion Hamburg: „Es muss weiter Aufgabe der Elmshorner IHK sein, den Stellenwert unserer Region in Kiel zu vertreten – aber zunehmend auch in unserer Nachbarstadt Hamburg“, sagte er. Die Wirtschaft im Einzugsgebiet der Zweigstelle werde stärker von der Nachbarmetropole als von der Landeshauptstadt bestimmt. „Warum nicht mehr Zusammenarbeit zwischen den Kammern der zwei Bundesländer?“, fragte Ramelow.

Beispiel Shopping-Center „auf der Grünen Wiese“: Obwohl das Landesplanungsgesetz es anders vorsehe, sprössen an den Autobahnen immer mehr Kaufparks aus dem Boden, etwa ein Factory-Outlet-Center in Neumünster. In Kaltenkirchen am Möbelhaus Dodenhof sei ein 19000 Quadratmeter großes Center geplant. Möglich werde dieser Trend durch Ausnahmegenehmigungen aus Kiel. Ramelow bezeichnete sie als „Sündenfall der Politik“. „Diese Entwicklungen lassen die Innenstädte in Schleswig-Holstein ausbluten“, sagte er. Die drei IHKs im Norden sollten mit starker Stimme gemeinsam Position beziehen.

Beispiel Infrastruktur: Es sei erschreckend, wie leichtfertig wechselnde Mehrheiten in der Regierung lange geplante Projekte wie die Fehmarn-Beltquerung und die A20 ausbremsten. „Wir Wirtschaftsleute lieben diese fragile Verlässlichkeit unserer Rahmenbedingungen“, merkte er ironisch an und warnte: Dadurch werde weniger investiert.

Zugleich lobte Ramelow den Einsatz der IHK vor Ort. Sie habe sowohl die Initiative Elmshorn als auch das Stadtmarketing mit initiert. Den neuen Leiter Dr. Paul Raab bezeichnete er als „kompetenten und engagierten Vertreter“.

Zu den Gästen zählten Dr. Jörn Biel, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Kiel, die Ex-Zweigstellenleiter Ulrich Grobe und Dr. Ulf-Peter Krause, Uetersens Bürgermeisterin Andrea Hansen, Torneschs Verwaltungschef Roland Krügel, Kreispräsident Burkhard E. Tiemann und Lebrecht von Ziehlberg, Geschäftsführer des Heydorn-Verlags. Anstelle des erkrankten IHK-Präsidenten Klaus-Hinrich Vater gab Vizepräsidentin Ines Kitzing einen geschichtlichen Rückblick. Mehr dazu lesen Sie in unserer Montagausgabe.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert