Kommunalwahl 2018 : Über neue Farbenspiele in Heidgraben

Die Heidgrabener Christdemokraten trafen sich am Wahlabend vor dem MarktTreff und feierten dort ihren Erfolg.
Die Heidgrabener Christdemokraten trafen sich am Wahlabend vor dem MarktTreff und feierten dort ihren Erfolg.

Rot, schwarz und neuerdings grün: In der 2800-Einwohner-Gemeinde sind künftig neue Konstellationen möglich.

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09. Mai 2018, 12:30 Uhr

Heidgraben | Die Kommunalwahl in Heidgraben hat einen neuen Spieler auf die politische Bühne gebracht. Nach Jahrzehnten des Zwei-Parteien-Systems sind künftig die Grünen in der Gemeinde mit von der Partie. Die etablierten Vertreter von SPD und CDU müssen sich damit neu orientieren. Insbesondere die Sozialdemokraten stehen vor der Herausforderung, sich künftig Mehrheiten suchen zu müssen, haben sie doch nicht nur deutlich an Stimmen verloren sondern auch die absolute Mehrheit im Gemeinderat.

Entsprechend herrscht Katerstimmung bei den Heidgrabener Genossen. Von 61,5 auf 42,7 Prozent lautet die ernüchternde Bilanz des Wahlsonntags. „Das ist ein sehr schlechter Wahlausgang“, resümiert Bürgermeister und SPD-Ortsvereinschef Ernst-Heinrich Jürgensen. Besonders wurmt ihn, dass seine Partei einen Sitz im Gemeinderat verloren hat − und das, obwohl das Gremium von 13 auf 17 Mitglieder vergrößert wurde. Jürgensen ist enttäuscht darüber, dass viele Heidgrabener offensichtlich nicht erkannt hätten, welche Arbeit seine Partei in der Vergangenheit geleistet hat − sowohl während der Zeit von Bürgermeister Udo Tesch, als auch in den vergangenen zwei Jahren. Doch Jürgensen betont: „Rumjammern macht jetzt keinen Sinn.“ Man müsse das Ergebnis akzeptieren, analysieren und die Bürger künftig noch mehr mitnehmen, so der SPD-Chef.

Wählerwanderung zu den Grünen

Fast 20 Prozentpunkte hat die SPD eingebüßt, auf 21 Prozent haben es die Grünen geschafft. Für Jürgensen ist es naheliegend, dass viele ehemalige SPD-Wähler ihr Kreuz nun bei der Ökopartei gemacht haben. Das wiederum freut deren Spitzenkandidatin Andrea Herz, die von dem Ergebnis selbst ein wenig überrascht war, wie sie im Gespräch mit unserer Zeitung zugibt. Lange war unklar, ob die Grünen überhaupt in Heidgraben antreten können, erst kurz vor Ende der Frist war es gelungen, die erforderliche Zahl von Parteimitgliedern vorzuweisen. Das Ergebnis ist damit umso höher zu bewerten, gleich vier Grüne sitzen künftig im Gemeinderat. „Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit den anderen Parteien“, sagt Herz. Doch zunächst muss sich die Fraktion zusammenfinden, für den 14. Mai ist ein erstes Treffen geplant. Dann werden sie und ihre Mitstreiter schauen, welche Themen sie als erstes auf die Agenda nehmen, so Herz.

Freude auch bei der CDU. „Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden“, sagt Ortsverbandschef Egbert Hagen. Schließlich sei es den Christdemokraten erstmals seit mehr als 30 Jahren gelungen, vier Direktmandate zu gewinnen. Zwar musste die Partei prozentual einen Stimmenverlust hinnehmen (von 38,5 auf 36,2 Prozent), doch angesichts der gestiegenen Wahlbeteiligung und dem größeren Gemeinderat verfügt die CDU künftig über sechs statt bislang fünf Sitze. Mit Blick auf die Grünen sagte Hagen, dass die politische Landschaft in Heidgraben bunter werde. Das sei positiv. Die CDU werde nun in Gesprächen mit den anderen Fraktionen schauen, mit wem man die größte Übereinstimmung findet. „Für uns stehen Sachfragen im Vordergrund“, betont Hagen.

Und dann ist da ja noch die Bürgermeisterfrage. Zwar ist die SPD weiter stärkste Fraktion, gegen den Willen von CDU und Grünen wird sie aber keinen Kandidaten bestimmen können. Jürgensen steht für die kommende Legislaturperiode zur Verfügung, wie er auf Nachfrage bestätigte. Hagen betont derweil, dass zunächst Gespräche zu Sachfragen geführt werden müssten. „Welche personellen Entscheidungen sich daraus ergeben, kann man noch nicht sagen“, so der CDU-Chef.

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