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Uetersener Nachrichten

24. Oktober 2017 | 08:27 Uhr

Vortrag : Tücken durch neue EU-Verordnung

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

„Erben und Vererben – den Nachlass richtig regeln“ war das Thema des Vortrags von Thomas Menzel, einen auf Erbrechtsfragen spezialisierten Bad Malenter Rechtsanwalt. Eingeladen hierzu hatte der Sozialverband, Ortsverband Heidgraben-Seestermühe, finanziert wurde der Referent über den Beratungsdienst „Geld und Haushalt“ der Sparkassen.

shz.de von
erstellt am 27.Okt.2015 | 20:23 Uhr

Der 1. Vorsitzende des Ortsverbands, Dirk Weber, eröffnete die Veranstaltung, die etwa fünfzig Interessierte in das Gemeindezentrum gelockt hatte: „Vererben, das ist ein Thema, das man immer vor sich herschiebt, und wenn man sich dann doch damit beschäftigt, tauchen 1000 Fragen mehr auf.“ Viele dieser Fragen konnten die Besucher im Dialog mit dem Rechtsanwalt klären.

Die deutsche Nachkriegsgeneration vererbt derzeit ein hohes Vermögen: Im Jahre 2012 erhielt jeder Erbe im Durchschnitt eine Summe in Höhe von 312000 Euro, so Menzel. Diese hohen Beträge haben die am 17. August diesen Jahres in Kraft getretene Europäische Erbrechtsverordnung in ihrer Entstehung denn auch wesentlich mitbeeinflusst.

Die wichtigste und mit Tücken versehene Neuerung ist laut Menzel: „Wenn ein Deutscher im Ausland verstirbt, dann gilt nicht mehr automatisch deutsches Erbrecht, sondern das Erbrecht des Staates des letzten gewöhnlichen Aufenthaltes.“ Wie lange sich jemand im Ausland aufhalten muss, damit dies sein „gewöhnlicher Aufenthalt“ wird, ist nicht näher definiert, in einer steuerrechtlichen Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs reichten wenige Wochen hierzu aus. Reisende, die den Winter im Süden verbringen oder eine längere Tour mit dem Wohnmobil unternehmen, könnten unter diese Regelung fallen.

Wenn also beispielsweise der Ehegatte bei einem längeren Aufenthalt in Spanien verstirbt, wird das gemeinschaftliche Testament ungültig, da es nach spanischem Recht keine gemeinschaftlichen Testamente gibt. Das spanische Erbrecht tritt in Kraft, die spanische Gerichtsbarkeit ist zuständig, ein spanischer Rechtsbeistand wird nötig. Um zu vermeiden, dass das eigene Testament nach ausländischen Gesetzen abgewickelt wird, rät Menzel dringend, einen Zusatz aufzusetzen, in dem ausdrücklich erklärt wird, dass das Staatsangehörigenerbrecht gewählt wird, also ausschließlich das Erbrecht der Bundesrepublik Deutschland anzuwenden ist. Der Zusatz muss – ebenso wie das Testament selbst – vollständig eigenhändig handschriftlich verfasst und mit vollem Vor- und Zunamen unterzeichnet werden.

Damit der letzte Wille nach dem Tod auch gefunden und umgesetzt wird, ist es erforderlich, das Testament beim Nachlassgericht in „besondere amtliche Verwahrung“ zu geben, so Menzel. Gegen eine einmalige Gebühr von derzeit unter hundert Euro wird es dort sicher verwahrt und nach dem Tod automatisch von Amts wegen eröffnet.

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