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Bundesgerichtshof : Tornescher Totschlag: Urteil gültig

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Er soll seine Lebensgefährtin mit mindestens 30 Messerstichen in Tornesch getötet haben.

shz.de von
erstellt am 28.Dez.2011 | 20:31 Uhr

Das Urteil gegen Rainer M. ist rechtskräftig. Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hat das Revisionsverfahren verworfen, sagte der Verteidiger Christoph Heer. Wie berichtet, hatte das Landgericht Itzehoe den Tornescher Rainer M. am 22. Februar zu zehn Jahren Freiheitsstrafe wegen Totschlags verurteilt. Richter Eberhard Hülsing sah es als erwiesen an, dass der Tischler am 2. August 2010 die 39-jährige, dreifache Mutter Regina B. getötet hatte. Der Angeklagte beteuerte bis zuletzt seine Unschuld. Die Hamburger Rechsanwältin Astrid Denecke führte das Revisionsverfahren. Dass der Bundesgerichtshof es im Oktober ohne Begründung verwarf, habe sie nicht verstanden. Für die Tat sei kein Motiverkennbar.

Zudem: „Die Verurteilung beruhte nur auf dem Mageninhalt, und der war nicht so eindeutig“, sagte die Anwältin. Eine Analyse des Organs ergab: Zum einen stimmte dessen Füllung im Wesentlichen mit Essensresten überein, die in der Küche gefunden wurden. Zum anderen muss die39-Jährige drei bis fünf Stunden nach ihrer letzten Mahlzeit gestorben sein.

Unterschiedliche Ansichten bestehen jedoch bei der Frage, wann Regina B. zum letzten Mal gegessen hat. Rainer M. hatte von einer gemeinsamen warmen Mahlzeit um 20 Uhr berichtet. Ausgehend davon wäre sie zwischen 23 und 1 Uhr gestorben. Da war der Angeklagte noch zu Hause. Er will gegen 4.45 Uhr zur Arbeit aufgebrochen sein. Doch Denecke sagte über die Analyse: „Sie hätte auch auf eine spätere Mahlzeit hindeuten können.“ Rainer M. hatte berichtet, dass das Paar Bohnen, Kartoffeln und Frikadellen gegessen hätte. Denecke: „Es wurden aber nur zwei Fleischfasern gefunden.“ Zu erwarten gewesen wäre eine größere Anzahl . Denkbar sei daher eine zweite, spätere Mahlzeit, die aus Kohlrabi und Getreideprodukten bestanden haben könnte. Ein Imbiss zu fortgeschrittener Stunde entspreche Regina B.s Gewohnheiten, die als nachtaktiv galt. Vor allem ergäbe sich dann ein späterer Todeszeitpunkt. Regina B. wäre erst getötet worden, nachdem Rainer M. das Haus verlassen hatte.

Allerdings hatte Rainer M. behauptet, von der 20-Uhr-Mahlzeit sei bis auf Kartoffeln und Frikadellen nichts übrig geblieben. In Regina B.s Magen wurden aber auch Bohnen gefunden. „Sie hätte zusätzlich ein Bohnenglas öffnen müssen. Im Altglas fand sich aber nur ein Bohnenglas“, erläuterte Hülsing. Und dessen Inhalt sei wohl für die gemeinsame Mahlzeit verkocht worden. Zudem hätte sie das Gemüse aus dem zweiten Glas vollständig selbst aufessen müssen. Das sei unwahrscheinlich. Nicht zuletzt deuteten die Todesumstände auf eine Beziehungstat hin, wie Staatsanwältin Sarah Führer betonte. Nach derzeitigem Stand ist nicht damit zu rechnen, dass das Verfahren wieder aufgerollt wird. „Eine Wiederaufnahme käme nur in Betracht, wenn man neue Beweismittel hätte, und die haben wir leider nicht“, sagte Denecke.

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