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Mitstreiter gesucht : Tornesch: Das Wildbienen-Sterben aufhalten

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Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Umweltschützerin, Landwirte und Waldjugend arbeiten Hand in Hand.

shz.de von
erstellt am 13.Nov.2017 | 16:30 Uhr

TORNESCH | Dem Bienensterben etwas entgegensetzen – dafür setzt sich Hobbyimkerin und Gymnasiallehrerin Susan Jendrsczok ein. Auf ihre Initiative hin richteten die Landwirte von „Hatje + Glismann“ einen Blühstreifen am Kanaldamm ein, und die Waldjugend Tornesch baute den Bienen mit einem Insektenhotel einen Unterschlupf.

Um die Bienenpopulationen ist es nicht gut bestellt. „Von 296 Wildbienenarten in Schleswig-Holstein sind 70 bereits ausgestorben und 163 stehen auf der roten Liste“, berichtet Biologielehrerin Jendrsczok. Die Hobbyimkerin, die am Kanaldamm ihren Bienenstock stehen hat, setzt sich daher für bessere Lebensbedingungen der Wildbienen ein. Von der Umweltschützerin angesprochen, waren die Landwirte „Hatje + Glismann“ gleich bereit, am Rand eines ihrer Maisfelder einen Blühstreifen zu schaffen. Im Frühjahr haben sie auf 1500 Quadratmetern bienenfreundliche Blüher ausgesät, wie Sonnenblume, wilde Malve, verschiedene Kleearten, Ringelblume und Kamille. Das Projekt bedeutet für sie Einkommensverzicht, denn die bereitgestellte Fläche bringt keinen Ernteertrag. „Ich glaube aber trotzdem, dass viele Landwirte bereit wären, so etwas zu machen“, meint Carsten Glismann.

Stellen Bauern ihr Land für mindestens fünf Jahre als Blühfläche zur Verfügung, erhalten sie über den Vertragsnaturschutz des Landes Schleswig-Holstein eine Entschädigung. Eine solche Bindung aber ist für viele Landwirte nicht attraktiv. „Da siedeln sich dann Unkräuter wie Disteln oder Brennnesseln an, die später mühsam beseitigt werden müssen“, erklärt Glismann. Daher müsse eine flexiblere Handhabung des Vertragsnaturschutzes her, meint Jendrsczok, „denn Kleinvieh macht auch Mist“. Auch eine veränderte Gartengestaltung würde helfen, das Nahrungsangebot für Bienen zu verbessern.

Unter dem Stichwort „Bienenlexikon“ findet sich auf der Webseite des Landes eine Liste von bei Bienen beliebten Blühern. Auch selteneres Mähen hilft Bienen und weiteren Bestäubern wie den Hummeln. Alternativ können Weg- und Wiesenränder stehengelassen werden. Es lohnt sich auch, diesen Bewuchs nicht gleich im Anschluss an die Gartensaison abzumähen. „In die zum Teil hohlen Stängeln legen manche Bienen ihre Larven“, weiß Jendrsczok.

Es gibt nicht genügend Nistmöglichkeiten

Zu den Ursachen des Bienenschwunds gehört zudem der Mangel an Nistmöglichkeiten. „70 Prozent der Arten bevorzugen sandige und lehmhaltige Flächen, die nicht gedüngt und nicht zu stark bewachsen sind“, weiß die Biologin. Es hilft daher, sonnige Offenbodenstellen und Sandhaufen in den Gärten zu belassen. Andere Arten nutzen Tothölzer als Wohnstätte. Auch hier schafft ein kleines bisschen Wildnis im Garten Wohnraum. „Für 30 Prozent der Wildbienenarten sind zudem Insektenhotels gut geeignet“, so Jendrsczok.

Die zwölf Mitglieder der Waldjugend Tornesch waren gleich bereit, den Bienen am Kanaldamm eine solche Nist- und Überwinterungshilfe zu bauen, denn die Ortsgruppe gehört zur Jugendorganisation Stiftung Deutscher Wald, die sich dem Klima- und Umweltschutz verschrieben hat. Die Neun- bis 25-Jährigen informierten sich eigenständig über den optimalen Aufbau von Insektenhotels, Juliane Remstedt koordinierte. „In den Gruppenstunden haben wir die Hölzer besorgt, das Gerüst gebaut, Materialien zum Füllen gesammelt und eingesetzt“, erzählt Gruppenleiter Oliver Behrmann. Dabei benötigt jede Art eine eigene Größe an Hohlräumen. Die Bauhölzer hat die Stadt Tornesch finanziert. Landwirt Glismann brachte das fertige Hotel mit seinem Trecker zur Blühfläche. Mitten zwischen den Sonnenblumen steht es jetzt.

Auch sonst sind die Mitglieder der Waldjugend fleißige Naturschützer. In der Gemeinde Ostenfeld nehmen sie an Forsteinsätzen teil und pflanzen Bäume, denn hier sollen zwölf Hektar Waldfläche entstehen. In den Sommerferien besuchten sie ein Lager an der Dove Elbe. Innerhalb Deutschlands und in Skandinavien werden Wanderungen organisiert. Jeden Freitag trifft sich die Waldjugend ab 16.30 Uhr in ihrer Hütte, am Anfang des Kleingartenvereins am Hörnweg. Neue Mitstreiter sind willkommen.
 

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