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Uetersener Nachrichten

19. November 2017 | 15:26 Uhr

Tornesch blitzt beim HVV ab

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

NahverkehrStadt wollte in einen günstigeren Tarifbereich / Änderung würde Gerechtigkeitslücke schaffen

von
erstellt am 16.Sep.2017 | 16:21 Uhr

Die Tarifgrenze bleibt wie sie ist: Die Stadt Tornesch hat auf ihre Anfrage, künftig in den Tarifring B eingruppiert zu werden, vom Hamburger Verkehrsverbund (HVV) eine deutliche Absage erhalten. Eine solche Verschiebung führe zu Ungerechtigkeiten im gesamten Tarifsystem, würde Begehrlichkeiten bei anderen Kommunen wecken und sei zudem wirtschaftlich nicht darstellbar, argumentiert der HVV in einem Schreiben an Torneschs Bürgermeister Roland Krügel (CDU). Einige Kommunalpolitiker wollen sich damit jedoch nicht zufrieden geben, wie während der Sitzung des Umweltausschusses am Mittwochabend deutlich wurde.

Claudius Mozer, Nahverkehrsbeauftragter des Kreises Pinneberg, war am Mittwoch nach Tornesch gekommen, um den Ausschussmitgliedern die Ablehnung des Tornescher Wunsches persönlich zu erläutern. Das tat er ausführlich. Mozer erläuterte, dass der HVV-Tarif entfernungsabhängig und leistungsbezogen sei. Sprich: Wer weiter fährt, zahlt auch mehr. Zudem seien die Tarifgrenzen nicht frei gewählt, sondern würden sich an der Entfernung vom Hamburger Zentrum orientieren. Mozer: „Man sticht einen Zirkel beim Hamburger Rathaus in die Karte und zieht einen 20-Kilometer-Radius, das sind die Ringe AB.“ Laut HVV-Antwortschreiben liegen zum Beispiel Prisdorf und Quickborn mit einer Entfernung von 21 Kilometern zwar über dieser Grenze, für Tornesch betrage die Distanz aber sogar rund 25 Kilometer.

Mozer richtete den Blick zudem auf den gesamten HVV-Bereich, Stichwort Gleichbehandlung. „Man kann jetzt nicht hingehen und Tornesch in den Ring B integrieren und damit hier die Fahrpreise billiger machen, wenn man das nicht gleichzeitig mit Henstedt-Ulzburg, Bargeteheide und Kommunen in Lauenburg auch macht“, sagte Mozer. Auch würde eine Verbilligung der Fahrpreise zu Einnahmeverlusten führen, die dann Land, Kreis und Kommune ausgleichen müssten. Denn: „Die Kostendeckung liegt im ÖPNV im Mittel bei 50 Prozent“, so Mozer. Der Verkehrsbeauftragte betonte zudem, ebenso wie der HVV, dass selbst massive Preissenkungen nicht durch Fahrgastzuwächse ausgeglichen werden könnten. Das hätten die Erfahrungen der Vergangenheit gezeigt.

Für den Wunsch der Tornescher Politik, für die Pendler in der Region Verbesserungen zu erzielen, zeigte Mozer grundsätzlich Verständnis. An der Preisschraube zu drehen, sei jedoch der falsche Weg. Mozer appellierte stattdessen an Politik, Verwaltung sowie die Bürgerinitiative „Tornesch − Dorfbahnhof? Nein danke“, sich weiter für Verbesserungen des Angebots einzusetzen.

Einigen Ausschussmitgliedern genügten die Erläuterungen nicht. „Ich halte es für aus der Luft gegriffen, dass Preisreduzierungen keinen positiven Effekt haben“, sagte CDU-Vertreter Friedrich Meyer-Hildebrand. Für ihn sei auch die Tarifgestaltung „per Zirkel“ nicht mehr zeitgemäß. Meyer-Hildebrand forderte vom HVV konkrete Zahlen zu den Einnahmeverlusten, die eine Verschiebung des Tarifrings bringen würden. Sein Fazit: „Ich möchte das Thema heute noch nicht abschließen.“

SPD-Politikerin Susanne Dohrn bezeichnete die HVV-Tarife als undurchsichtiges System. Zudem bilde das Rathaus nicht die exakte Mitte der Hansestadt. „Ich kenne viele, die nach Prisdorf fahren, um zwei Euro zu sparen“, berichtete Dohrn. Zur Erklärung: Derzeit kostet zum Beispiel eine einfache Fahrt von Tornesch nach Hamburg-Altona 5,20 Euro. Startet man in Prisdorf, werden lediglich 3,20 Euro fällig. Sozialdemokrat Ingo Früchtenicht zeigte sich diplomatisch. „Herr Mozer hat Verständnis gezeigt und die Ablehnung verständlich erläutert“, bilanzierte der Vorsitzende des Umweltausschusses.

Ende März hatte der Ausschuss die Verwaltung beauftragt, beim HVV die Eingruppierung des Tornescher Bahnhofs in die Tarifringe AB zu beantragen. Vorausgegangen war damals eine Initiative der CDU.

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