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Uetersener Nachrichten

24. Oktober 2017 | 04:26 Uhr

Besuch : Tonangebend in feiner Branche

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Die Grünen-Landtagsabgeordnete Ines Strehlau und der Geschäftsführer der Handwerkskammer Lübeck wollen die Berufsorientierung in den Schulen weiter ausbauen und intensivieren. Die Jugendlichen müssten mehr als bisher einen Überblick über die verschiedenen Ausbildungsberufe und -betriebe bekommen, sagten sie gestern bei einem Besuch in der Werkstatt des Holzblasinstrumentenbauers Torsten Köhler.

shz.de von
erstellt am 30.Mär.2015 | 18:55 Uhr

Das kleine Unternehmen, vor mehr als zehn Jahren von Köhler gegründet, gehört zu den Top-Ausbildungsbetrieben in Schleswig-Holstein. „Was hier im Bereich der Nachwuchsförderung geleistet wird, ist ebenso vorbildlich wie die vorausschauende Personalpolitik“, sagte Strehlau. Mit Torsten Köhler sprach sie sich für den Erhalt des Meistertitels aus. „Er hat seine Berechtigung. Die Abschaffung des Meisterzwangs hat dazu geführt, dass weniger Betriebe ausbilden“, sagte sie.

Torsten Köhler sieht durch die Abschaffung des Meisterzwangs vor allem die Qualitätsstandards gefährdet. „Mein Wunsch wäre, dass zur Ausübung eines Handwerks wenigstens eine Ausbildung Voraussetzung ist“, sagte er. Dass dem nicht so sei, habe in seiner Branche bereits zu Problemen geführt.

Köhler beschäftigt in seinem Unternehmen ToKo einen Gesellen und zwei Auszubildende, außerdem zwei Mitarbeiter im Büro. Weil das Auftragsvolumen kontinuierlich wächst, würde er gerne weitere Gesellen oder auch einen Meister einstellen, findet allerdings kein geeignetes Personal. Deshalb bemüht sich Torsten Köhler, seine Lehrlinge nach Ende der Ausbildung zu halten.

So detailverliebt er in der täglichen Arbeit ist, so sorgfältig bildet Köhler auch aus. Sein Betrieb stellte in der Vergangenheit sowohl Jahrgangsbeste als auch Landessieger. Aber die Zahl der Bewerber hat abgenommen. Zu Anfang habe er noch bis zu 20 Bewerbungen für einen Ausbildungsplatz bekommen, zuletzt sei gerade mal noch eine gewesen. Der Instrumentenbauer forderte deshalb von der Politik, die zunehmende Akademisierung zu stoppen. „Man muss nicht studieren, um eine Perspektive zu haben“, sagte er.

Das sieht auch Handwerkskammer-Chef Christian Maack so. „Es gibt in Deutschland über 150 verschiedene Ausbildungsberufe, und alle bieten gute Zukunftsperspektiven. Das müssen wir stärker als bisher in die Schulen tragen“, sagte er.(Kasten)

Die Werkstatt des Holzblasinstrumentenbauers

In der Werkstatt von Torsten Köhler dreht sich alles um Saxophone, Klarinetten, Fagotte, Oboen und Blockflöten. Er und sein Team warten, überholen, reparieren und bauen um, haben sich dabei spezialisiert auf Vintage-Instrumente, also alte, mit besonderer Sorgfalt hergestellte und besonders gut klingende Intrumente. Seine Kunden kommen inzwischen aus dem gesamten europäischen Raum.

Wer bei ihm lernen will, sollte selber eines der Instrumente spielen, die hier aufgearbeitet werden. Weitere Voraussetzung ist handwerkliches Talent. Torsten Köhler, zweifacher Familienvater, geht für sich selber noch einen Schritt weiter. Er spielt sogar Konzerte mit Saxophon und Klarinette. Andere Instrumente wie Fagott oder Oboe beherrscht er zumindest so gut, dass er sie antesten kann.

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