Abgelehnter Aylantrag : Todesangst vor den Taliban

Richter haben es nicht leicht. Sie müssen, nachdem sie sich von dem Gehalt an Wahrhaftigkeit einer Aussage ein eigenes Bild verschafft haben, ein Urteil sprechen. Das hat auch der in Afghanistan geborene Mustafa Alizadeh erlebt. Der musste im vergangenen Jahr in Schleswig „seiner“ Richterin am Verwaltungsgericht glaubhaft machen, dass er voll innerer Überzeugung vom Islam zum Christentum konvertierte. Das gelang ihm aber nicht, so erlangte sein abgelehnter Asylantrag Rechtskraft. Er muss nun täglich mit der Abschiebung in seine Heimat rechnen.

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29. April 2013, 22:45 Uhr

Dort aber, in Afghanistan, müsse er um sein Leben fürchten. „Afghanistan gehört zu den zehn Ländern, in denen Christen verfolgt werden. Auf einer Internetseite haben die Taliban im Oktober 2011 allen Christen im Land den Vernichtungskampf angesagt“, so Hans-Jürgen Niedner vom Freiwilligenforum Uetersen, der den 26-Jährigen in der deutschen Sprache unterrichtet.

Ebenso wie Niedner ist Pastor Johannes Bornholdt von der Uetersener Erlöserkirchengemeinde am Ossenpadd überzeugt davon, dass Alizadeh nicht „geflunkert“ hat, als er dem Gericht seine Beweggründe geschildert hat, den christlichen Glauben anzunehmen.

Den Rückhalt, den der Konvertierte inzwischen bei Pastor Bornholdt gefunden hat, fand er auch im christlichen Glauben. Beispiel Nächstenliebe: „Da für Mustafa dieser Begriff nicht nur ein Schlagwort ist, hilft er auch anderen Menschen, egal ob diese Christen oder Muslime sind“, so Niedner. So fungiert Alizadeh als Dolmetscher für eine afghanische Familie, die von dem Mitglied des Freiwilligenforums ehrenamtlich betreut wird. Alizadeh sei, so Niedner, auch äußerst aktiv, versuche, sein Leben selbst zu gestalten. Auf seine Kosten besuche er die Deutschkurse der Diakonie Pinneberg und demnächst sei ein Deutschkurs bei der VHS Wedel geplant. Der nicht anerkannte Flüchtling helfe zudem einer afghanischen Familie bei der Eingliederung, bei Arztbesuchen und bei kleineren Reparaturen. Ganz im Zeichen der Freiwilligkeit, so wie sie auch im Freiwilligenforum praktiziert werde, so Niedner. Das Verwaltungsgericht hat dem nun abgelehnten Asylbewerber mit auf den Weg gegeben, dass er ja in Afghanistan nicht erzählen müsse, dass er konvertiert sei. Das aber hat er seiner Familie bereits mitgeteilt. Diese, so Niedner, hätten Alizadeh daraufhin verstoßen.

Der jetzt von Abschiebung Bedrohte kam erstmals 2007 nach Deutschland, nachdem er 2004 aus Angst vor den Taliban, wie er angab, aus Afghanistan zunächst in den Iran und später nach Griechenland geflohen war. Schon damals bezweifelte ein Gericht seine Aussagen. Alizadeh wurde zurück nach Griechenland geschickt.

2009 stellte er in Deutschland einen Asylfolgeantrag und geriet erstmals in Kontakt mit einer christlichen Gemeinde. Durch den Pastor an der Hamburger Kirchengemeinde Alpha & Omega International wurde er schließlich, nach einem achtwöchigen Glaubensseminar, getauft. Dort war man zur Erkenntnis gekommen, Mustafa Alizadeh wolle aus Überzeugung konvertieren.

Als Aufenthaltsort zugewiesen aber war dem Asylbewerber damals Uetersen, sodass er sich dort um weiteren Halt bemühte. So kam Alizadeh mit der Erlöserkirchengemeinde in Kontakt. Was bleibt ihm jetzt noch? Zum Beispiel ein weiterer Folgeasylantrag, nach Vorliegen neuer Aspekte, dann ein Gnadengesuch nach der Härtefallregelung und schließlich, doch soweit will auch Pastor Bornholdt noch nicht denken, das Kirchenasyl. Bornholdt glaubt weiter an einen anderen Weg. Denn er weiß: Es hat auch schon einmal ein deutsches Gericht gegeben, das zur Überzeugung gekommen ist, einem Kläger drohe aufgrund seiner Konversion zum Christentum und der Glaubensbetätigung im Falle einer Rückkehr nach Afghanistan „mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine Verfolgung durch nichtstaatliche Akteure“. Das Verwaltungsgericht Würzburg kam im September 2012 (AZ W2K11.30303) zudem zur Überzeugung, dass sich der Kläger „vom muslimisch-sunnitischen Glauben ab- und dem christlichen-evangelischen Glauben ernsthaft und mit innerster Überzeugung zugewandt“ habe. Das Gericht urteilte, dass dem Kläger die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen sei. In einem möglichen weiteren Verfahren hofft Mustafa Alizadeh, dass es ihm gelingen wird, auch aufgrund seiner inzwischen besseren Deutschkenntnisse, dem Gericht seine Entscheidungen bezüglich der Konversion glaubhaft darlegen zu können.

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