zur Navigation springen

Sehenswerte Ausstellung im POMM 91 : Tod, Trauer und Not nicht vergessen

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Von den 400 Männern, die aus Esingen und Ahrenlohe im Ersten Weltkrieg kämpfen mussten, kehrten 90 nicht nach Hause zurück. Die Zahl der Opfer, die der Erste Weltkrieg unter Esingern und Ahrenlohern insgesamt gefordert hat, ist jedoch viel größer, aber zahlenmäßig nicht erfasst. „Hier vor Ort und in der Region hat es auch Hungertote und Tote durch die Spanische Grippe gegeben. Und jede Kinderkrankheit verlief infolge von Hunger und Kriegsnot dramatischer“, machte die Historikerin Annette Schlapkohl im Rahmen der Ausstellungseröffnung „Der Erste Weltkrieg in Tornesch und Umgebung – Auswirkungen vor Ort“ deutlich.

Die Ausstellung ist von Mitgliedern des Arbeitskreises Archiv der Kulturgemeinschaft zusammengestellt worden. Annette Schlapkohl leitet diesen Arbeitskreis. Ausgestellt sind die zwölf Bild- und Texttafeln zu den Themen „Kriegsausbruch“, „Esinger und Ahrenloher Gefallene“, „Schicksale von August Cordts und Heinrich Krohn“, „Frauenarbeit im Ersten Weltkrieg“, „Feldpostkarten“, „Mangel und Diebstahl“, „Kinder und Familien im Krieg“, „Kriegsende vor Ort“, „Gedenkstätten vor Ort“ im Foyer der Begegnungsstätte POMM 91.

Dort fand auch die Eröffnung statt, genau am dem Tag, an dem vor 100 Jahren (28. August 1918) der Esinger Hermann Heitmann im Ersten Weltkrieg in Frankreich fiel. Viele Informationen, Fotos und Exponate haben die Mitglieder des Arbeitskreises Archiv zusammengetragen. Annette Schlapkohl führte mit einem Vortrag in die Ausstellung ein und verdeutlichte den Besuchern anhand der recherchierten Fakten und Fotos, dass im Dorf kaum jemand „Hurra“ bei der Mobilmachung geschrien hatte. „Die Ernte war in vollem Gange. Die Männer wurden auf den Höfen gebraucht. Begeisterung, in den Krieg zu ziehen, herrschte hier kaum.“ An ausgewählten Beispielen zeigt die Ausstellung, wie schwer es besonders die Familien von Gefallenen hatten. Frauen und Kinder blieben unversorgt, mussten zum Teil Dienstwohnungen oder Häuser aufgeben. Die Frauen waren auf staatliche Unterstützung angewiesen und mussten versuchen, eine Arbeit aufzunehmen. Sie nähten, arbeiteten im Postdienst oder vor Ort in der Konservenfabrik Habekost. Die Probleme waren in der ganzen Region ähnlich. 1916 wurden in Uetersen und Tornesch Volksküchen eingerichtet, um die Hungersnot zu lindern. Diebstahl aus Mangel an Nahrung und Heizmaterial war an der Tagesordnung. In einer Bekanntmachung war Uetersenern das Ährensammeln auf der Esinger Feldmark verboten worden. Die geschilderten Schicksale, die Exponate von Militärpässen, über Eiserne Kreuze bis hin zu Goldabgaben zur Finanzierung des Krieges und Karten aus englischer Gefangenschaft geben einen Einblick in die schrecklichen Auswirkungen des Ersten Weltkrieges auch auf die „Daheimgebliebenen“. Die Ausstellung ist Erinnerung und Mahnung zugleich und verdient Beachtung, vor allem auch von der jüngeren Generation.

Wie wichtig es ist, Lehren aus der Geschichte zu ziehen, verdeutlichen auch Fotos, auf denen Jungs zu sehen sind, die im Ersten Weltkrieg ihre Väter verloren hatten. 20 Jahre später mussten sie in den Zweiten Weltkrieg ziehen und kehrten nicht zurück.

zur Startseite

von
erstellt am 03.Sep.2014 | 18:38 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert