„Die Befristeten“ : Theater am LMG: Schüler brillieren auf der Bühne

Mit ideenreichen szenischen Darstellungen gestalteten die Gymnasiasten aus der Arbeitsgemeinschaft Theater am LMG die textlastigen Abschnitte des Stückes „Die Befristeten“.
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Mit ideenreichen szenischen Darstellungen gestalteten die Gymnasiasten aus der Arbeitsgemeinschaft Theater am LMG die textlastigen Abschnitte des Stückes „Die Befristeten“.

Die AG hat mit ihrem Auftritt ein ernstes Thema gekonnt umgesetzt. Es gibt noch weitere Auftritte.

shz.de von
07. März 2018, 16:30 Uhr

Uetersen | Keine leichte Aufgabe hatten sich die 24 Jugendlichen der Arbeitsgemeinschaft (AG) Theater am Ludwig-Meyn-Gymnasium (LMG) mit der Erarbeitung des Stückes „Die Befristeten“ von Elias Canetti (1905-1994) gestellt. Doch sie meisterten diese Aufgabe mit viel Fleiß beim Lernen der umfangreichen Texte, mit Einfühlungsvermögen in die Figuren, mit Ideenreichtum bei der Szenengestaltung und mit enormer Spielfreude in einer Inszenierung, bei der Sprache, Gesang und Körper zur Geltung kommen.

Die Lehrer und AG-Leiter, Andreas Gunst und Björn Manthey, haben die jungen Talente zu bemerkenswerten Leistungen geführt. Das Premierenpublikum in der Aula des Gymnasiums folgte fasziniert und nachdenklich Canettis szenischem Gedankenspiel einer Gesellschaft, in der die Menschen, die Befristeten, einer zentralen Machtinstanz Glauben schenken und meinen, durch Kenntnis ihres Sterbedatums und damit des „gewissen Kapitals Leben“ zu mehr Sicherheit und Kontrolle gelangt zu sein.

Die Befristeten nennen sie sich nach dem zu erwartenden Lebensalter und tragen um den Hals eine Kapsel, in der die Anzahl der vorgesehenen Lebensjahre vermerkt ist. Beim Eintritt des Todes, dem sogenannten Augenblick, öffnet die Machtinstanz „Kapselan“ die Kapsel und verifiziert das Übereinstimmen von vorherbestimmtem und tatsächlichem Sterbedatum.

Die Philosophie der Befristeten, dass sie bis zu ihrem „Augenblick“ keine gefährliche Situation zu befürchten haben, nimmt dem Tod seinen Schrecken. Und auch Trauer kennen die Befristeten nicht. Doch der Schein des Zufriedenseins trügt: Es kommt zu Spannungen zwischen denen mit hoher Lebenserwartung und denen, die nur über ein kurzes Leben verfügen. Und als ein Mensch namens 50 beginnt, die Absolutheit dieses Systems in Frage zu stellen, Kapseln öffnet und ausruft „Sie sind leer“, geraten die geltende Philosophie und das System ins Wanken. Die Befristeten werfen ihre Kapseln weg. Doch nun ist der Zeitpunkt ihres Todes ungewiss und sie müssen sich neuen Fragen nach individueller und gesellschaftlicher Verantwortung im Umgang mit dem Leben und dem Tod stellen.


Das Text-Lernen begann nach den Herbstferien

Jedes Jahr bringt die Theater AG des Gymnasiums ein Stück auf die Bühne. Nach dem unterhaltsamen Jugendstück „Die Schatzinsel“ hatten sich die AG-Leiter und die 13 bis 18 Jahre alten am Schauspiel interessierten Jugendlichen für dieses Jahr ein Stück mit ernsthaftem Thema ausgesucht. Nach den Herbstferien begannen die Erarbeitung des Inhalts, das Lernen der Texte und die Probenarbeit zu Canettis Stück „Die Befristeten“ aus dem Jahr 1953.

In den vergangenen vier Wochen drehte sich bei den Jugendlichen und den beiden AG-Leitern Gunst und Manthey dann fast alles nur noch um das Theaterstück. Denn es wurde auch an den Sonntagen und in den letzten 14 Tagen vor der Premiere jeweils an vier Schultagen intensiv geübt. Die Sprech-Rollen wurden doppelt besetzt. „Jeder der 24 Mitwirkenden ist bei jeder Aufführung auf der Bühne zu sehen, aber nicht immer in derselben Rolle“, erläutert Gunst die Inszenierung des Theaters am LMG. Auf diese Art können die Jugendlichen ihr schauspielerisches Talent in vielfältiger Weise in Sprech-Rollen oder als Statisten einbringen. Außerdem haben sich die AG-Mitglieder ideenreich bei der Ausgestaltung von textlastigen Abschnitten eingebracht und das Stück modern und kurzweilig beispielsweise durch Szenen in einem Modegeschäft oder einer Werkstatt für bildende Kunst bereichert.

Mit viel Beifall dankten die etwa 150 Premierenzuschauer den jungen Darstellern für einen äußerst gelungenen Theaterabend, bei dem sich alle Mitwirkenden durch Textsicherheit und professionelle Körpersprache auszeichneten.

„Wir danken allen, die uns bei den Vorbereitungen und an den Aufführungsabenden hilfreich zur Seite standen und uns noch zweimal unterstützen“, so AG-Leiter Gunst.

Am Freitag, 9. März, und am Sonnabend, 10. März, werden die Jugendlichen jeweils von 19.30 Uhr an nochmals mit „Die Befristeten“ auf der Bühne der LMG-Aula stehen. Karten für diese Aufführungen gibt es im Schulsekretariat oder an der Abendkasse für sechs beziehungsweise ermäßigt vier Euro.
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