Einwohnerversammlung : Tempo 50 auf dem Brückenberg?

Deftige Enttäuschungen, aber auch ein kleines Fünkchen Hoffnung hat die Einwohnerversammlung den lärmgeplagten Neuendeichern gebracht. Die Einführung von Tempo 50 auf der Hauptstraße durchs Dorf hatte Bürgermeisterin Bärbel Thiemann (CDU) auf die Tagesordnung gesetzt, nachdem 270 Bürger in einer Unterschriftenaktion Front gemacht hatten gegen die Raser auf vier und zwei Rädern.

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28. Oktober 2011, 22:21 Uhr

„Ich tue ihnen damit keinen Gefallen“, raubte Angela Biermann von der Kreisverwaltung den knapp 50 Anwesenden alle Hoffnungen. Zwar machte sie auf 4,6 Kilometer auf den Straßen Oberrecht, Kuhlworth und Binnendiek eine fast geschlossene Bebauung aus. Die ist durch Hausbau und das Schließen von Baulücken entstanden.

Wenn an der Grenze zu Uetersen ein Ortseingangsschild aufgestellt werden würde, habe der Autofahrer dies nach einem Kilometer bereits vergessen, so die Verkehrsexpertin. Möglicherweise würden die Pkw’s und Motorräder dann schneller unterwegs sein als mit der jetzigen Tempo-70-Regelung.

Als Vergleich zog Angela Biermann die B431 im Bereich Moorrege und Heist heran. Diese 3,2 Kilometer lange Stecke durch geschlossene Bebauung würden manche Autofahrer „als Bedrohung erfahren.“

Eine Absage erteilte sie allen Forderungen nach Ampeln oder Zebrastreifen. Nur 2400 Verkehrsteilnehmer sind täglich auf dem Oberrecht unterwegs, 1200 auf Kuhlworth und Binnendiek. Damit seien diese beiden Strecken die am wenigsten befahrenen Kreis- und Landesstraßen im Kreis Pinneberg, erläuterte Angela Biermann.

Der stellvertretende Bürgermeister Reinhard Pliquet und sein Parteifreund, der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Gerd Mettjes brachten Tempo 50 im Bereich des Brückenbergs ins Gespräch. Ihnen schwebte ein Bereich zwischen Rosengarten und der Aal-Kate vor. Schlechte Sicht auf andere Verkehrsteilnehmer sowie Gefahren für Radler und Kinder, die die Straße kreuzten, führten sie als Begründung an. Angela Biermann lehnte den Vorschlag der Genossen zumindest nicht rundweg ab. „Tempo 50 am Brückenberg habe ich mitgenommen“, erklärte sie.

Angela Biermann hatte sich die Ergebnisse von Geschwindigkeitskontrollen auf der Hauptstraße durchs Dorf besorgt. Danach stammen 85 Prozent der Geblitzten „aus der näheren Umgebung“, so die Kreismitarbeiterin, sprich aus Neuendeich. Gut vertreten waren auch Haselauer und Haseldorfer sowie Verkehrsteilnehmer aus Seestermühe. u Bürger fordern mehr Kontrollen – und könnten sie bekommenMit der Reduzierung auf Tempo 50, wie es die Tagesordnung der Einwohnerversammlung vorgegeben hatte, waren nicht alle der Unterzeichner der Unterschriftenaktion einverstanden. Mehrere Bürger erklärten, dass sie mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf 70 Stundenkilometer auf der K19 und L109 gut leben könnten, vorausgesetzt sie würde auch eingehalten. Angela Biermann von der Kreisverwaltung hatte berichtet, dass die vorerst letzte Reduzierung von 80 auf 70 km/h einige Widersprüche provoziert hatte. Einstmals waren sogar Tempo 100 auf der Durchgangsstraße erlaubt. Die Neuendeicher forderten jedoch mehr Geschwindigkeitskontrollen und eine bessere Strafverfolgung der lauten Raser, die zumeist auf zwei Rädern unterwegs sind. Damit war Jürgen Meißner angesprochen. „Ich gebe Ihnen Recht, aber woher soll das Personal kommen“, sagte der Leiter der Moorreger Polizeistation. Er berichtete, dass bei Geschwindigkeitskontrollen vier Beamte notwendig seien. Auf der Moorreger Station tun fünf Dienst. Vor allem Motorradfahrer müssten sofort angehalten werden, um die Personalien festzustellen. Tue man dies nicht, würden die Besitzer oft argumentieren, sie säßen nicht am Lenker, hätten das Bike verliehen. „Das landet häufig vor Gericht“, so Meißner. Zudem gibt es noch einen Videowagen, der den Rasern hinterherfährt. Er hat gute Erfolge, muss jedoch im gesamten Kreis eingesetzt werden. Einige Kritik musste der Stationsleiter von den Neuendeichern einstecken. „Nennen Sie mir Zeiten, wenn die Raser unterwegs sind“, kam Meißner ihnen entgegen. „Ich werde Kontrollen in den Dienstplan einbauen.“ Die Kreisverwaltung habe bei der Politik die Anschaffung von zusätzlichen „Starenkästen“ beantragt, um die Raser zu bremsen, ergänzte Angela Biermann. Doch die habe das abgelehnt. (tp)

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