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In der Pflege ist es fünf vor zwölf : Taten, keine Lippenbekenntnisse

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Dass der Bereich der (Alten)Pflege es schwer hat, sich zukunftsfähig aufzustellen, ist keine neue Wahrheit. Jeder kennt sie, doch Antworten auf die Misere, die helfen, die Bedingungen zu verbessern, sind bislang Mangelware. Kein Wunder, ziehen politische Versprechen doch Kosten in Milliardenhöhe nach sich, die eine Gesellschaft schultern muss, vermutlich solidarisch. Jeder also nach seinen Kräften.

shz.de von
erstellt am 12.Mai.2014 | 21:31 Uhr

In der Pflege sei es fünf vor zwölf, so war gestern auf dem Gerberplatz während einer Kundgebung zu hören, an der rund 100 Menschen teilnahmen. Politische Prominenz war erschienen, um ihre Solidarität mit den Forderungen der Diakonie zu bekunden. Der frühere Landessozialminister Heiner Garg von der FDP, die CDU-Landtagsabgeordnete Barbara Ostmeier, der SPD-Bundestagsabgeordnete Ernst Dieter Rossmann und der Vizepräsident des schleswig-holsteinischen Landtages, Bernd Heinemann, bekundeten, dass sie wüssten, worum es gehe. Insofern sagten sie zu, alles zu tun, damit die hohen Standards der Pflege auch in Zukunft gewährleistet werden könnten. Und sie sprachen sich dafür aus, die ausufernde Bürokratie, die von den Pflegenden geleistet werden müsse, auf ein notwendiges Maß zu begrenzen. Inwieweit das gelingt, hängt jedoch nicht alleine von der Politik ab, sondern von der Bürokratie selbst, die solche Vorschriften „überbordender Dokumentationen“, wie mehrfach gestern angeführt wurde, erzeugt hat.

Die zentralen Forderungen der Diakonie betreffen eine gerechte Finanzierung, eine attraktive Ausbildung, eine familiäre Entlastung und eine würdevolle Pflege. Begrüßt wurden die Teilnehmer der Kundgebung von Eva Buban, Leiterin des Senioren- und Pflegeheimes „Haus am Rosarium“ in Trägerschaft der Diakonie.

Bürgermeisterin Andrea Hansen freute sich, dass so viele auf den Gerberplatz gekommen waren. Es sei ein gutes Zeichen, dass alle an einem Strang zögen. Und es wäre noch besser, wenn man Gehör finden würde in Land und Bund.

Anke Schimmer vom Diakonischen Werk Schleswig-Holstein sagte, dasss niemand vor den Problemen davonlaufen dürfe. In wenigen Jahrzehnten würde die Zahl der zu Pflegenden von jetzt 2,5 Millionen Menschen auf vier Millionen ansteigen. Die Gesellschaft brauche viel Kraft, um den Herausforderungen zu bestehen, doch nur so gehe es. Sie sprach sich für eine „intelligente Dokumentation“ aus, die sich auf das Wesentliche beschränke. Der Landtagsvizepräsident bekundete, dass Pflege neu gedacht werden müsse, um einen Pflegenotstand abwenden zu können. Er sprach sich dafür aus, die Ausbildungskosten für Pflegekräfte auf null zu senken. Bislang ist es so, dass Auszubildende für das dritte Lehrjahr Schulkosten zahlen müssen, wenn sie nicht einen vom Land geförderten Schulplatz erringen konnten.

Heiner Garg wollte der Politik einen Tritt in den Hintern verpassen, damit diese endlich handele. Er hoffe, dass die Große Koalition in Berlin das Problem nun endlich anpacke und gab Gas: Wer ernsthaft glaube, dass man junge Leute für den Pflegeberuf gewinnen könne, wenn man ihnen sage, dass sie die Ausbildung selbst bezahlen müssten, habe den Schuss nicht gehört. Und wenn man vom Gehalt eines Pflegers keine Familie ernähren könne, werde der Beruf auch nicht gewählt.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete erläuterte drei persönliche Begegnungen mit dem Pflegesektor, die ihn tief beeindruckt hätten. Für ihn als Sozialdemokraten sei es wichtig, die Pflege solidarisch zukunftsfähig zu machen. Und das werde die Bundesregierung jetzt auch tun. Rossmann sagte auch, dass das Thema Zukunftsfähigkeit der Pflege für die Debatte geeignet sei. Für Streitgespräche innerhalb der Politik also. Denn damit erhalte sie den Stellenwert, den sie benötige.

Letzte Rednerin der Kundgebung war die CDU-Landtagsabgeordnete. Weil es in der Pflege fünf vor zwölf sei, sei Handeln erforderlich, nicht Zurückhaltung. Gemeinsam müsse ein Weg gefunden werden. Nur so sei die Pflege auf hohem Niveau zukunftsfähig.

Im Anschluss an die Kundgebung folgte eine Podiumsdiskussion im „Haus am Rosarium“, an der die Gäste aus Politik und Diakonie teilnahmen.

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