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Uetersener Nachrichten

18. Oktober 2017 | 01:01 Uhr

Workshop : Syrisches Chanson-Talent

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Es sind schon große Talente, die sich beim Abschlusskonzert der Chanson-Werkstatt von Anna Haentjens und Pianist Sven Selle auf der Bühne im Haus 13 immer mehr herauskristallisieren. Drei Tage lang haben die Teilnehmerinnen und der eine männliche Teilnehmer auch in diesem Frühjahr wieder unter der konsequenten Aufsicht von Anna Haentjens geackert – bis zu zwölf Stunden täglich.

shz.de von
erstellt am 23.Mär.2016 | 21:56 Uhr

Nachdenklich, ruhig der überwiegende Teil der Lieder, den die Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbst aussuchen, Anna Haentjens macht da keine thematischen Vorgaben, gibt dem Abschlusskonzert nur mit verbindenden Worten, Gedichten und Erzählungen einen roten Faden, der durch die fast dreistündige Veranstaltung bis zum Schlussakkord führte. Christa Feldmann startete mit dem schönen Hannes Wader-Song „Schön, wieder hier zu sein“. Marlis à Tellinghusen überraschte mit großartigem Stimmvolumen und dem Ostsee-Lied aus der Feder von Hildegard Knef, und Claudia Kreutz zeigte mit dem Lied „Kinder“ von Bettina Wegener, wie weit sie die Teilnahme an mehreren Chanson-Werkstätten bereits vorangebracht hat. Ähnlich geht es Katrin Hoth-Peters, die bis zur letzten Schluss-Verbeugung nach ihrem Chanson „Wenn alle das täten“ inzwischen absolut professionell und eindrucksvoll auftritt. Mit verruchter Stimme und „Der Novak“ sowie einem selbst getexteten Lied „Kind beim Einschlafen“ überzeugte Christine Raudies, Schwester der applaudierenden SPD-Landtagsabgeordneten Beate Raudies, und Helma Rebmann erzählte mit glänzendem, aber sichtlich altersschwachem Nerz-Kragen auf dem braunen Kostüm ausstaffiert „Benjamin, ich hab nichts anzuziehen“. Eine wunderbare „Seeräuber Jenny“ aus Brechts Dreigroschen-Oper gab die ehemalige Drei-Kronen-Chefin Carin Andresen, die auch ganz nebenbei die Haus 13-Bar an diesem Abend managte.

Ein Höhepunkt des Abends war zweifelsfrei der Auftritt des einzigen männlichen Werkstatt-Teilnehmers: Ferzend Hussein. Der 19-jährige kurdische Syrer ist Flüchtling, fiel beim Integrationskurs an der Volkshochschule Elmshorn durch seine gute Gesangsstimme auf und wurde prompt von der Chanson-Werkstatt eingeladen.

Der sprachbegabte junge Mann, der an der KGSE im Mai versuchen will, die Mittlere Reife-Prüfung zu bestehen, ist von seiner Heimat Kobane innerhalb von 52 Tagen, die meiste Zeit zu Fuß nach Deutschland geflohen. Seit acht Monaten lernt er die Sprache in Wort und Schrift, fühlt sich in Elmshorn wohl, vor allen Dingen wegen der Meinungs- und Religionsfreiheit und der „respektvollen Menschen“, die ihm hier begegnet sind. Gesungen hat er allerdings vom Heimweh nach Kobane, ein Lied, das er immer für seine Mutter gesungen hat, und einen Rap, der von dem angeblichen „Verbrecher aus der Wüste“ erzählt. Die Chanson-Werkstatt und ein begeistertes Publikum haben ihn dafür umarmt.

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