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Uetersener Nachrichten

18. Dezember 2017 | 18:18 Uhr

Streit um die Auferstehung Christi

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Ökumene Vier Vertreter christlicher Gemeinden stellten vier Theologen mit unterschiedlichen Ansätzen vor

shz.de von
erstellt am 13.Feb.2017 | 16:00 Uhr

Die Auferstehung Jesu Christi, eines der zentralsten Themen des Christentums, war Gegenstand eines ökumenischen Diskussionsabends im Gemeindezentrum der Erlöserkirche. Uetersener Theologen verschiedener christlicher Glaubensrichtungen stellten vier bedeutende Kirchenmänner vor, die ganz unterschiedliche Ansätze für die Auferstehung lieferten.

„Das gemeinschaftliche Christsein ist bereichernd für uns alle“, sagte Pastor Joachim Gorsolke von der evangelisch-lutherischen Gemeinde „Am Kloster“. Das Thema Auferstehung ist kontrovers, „schon in den Vorbereitungen zu diesem Abend wurde es heiß diskutiert“, verriet Pastor Christian Hild von der evangelisch-lutherischen Erlösergemeinde. In Impulsreferaten stellten die Gottesmänner vier weichenstellende Theologen und ihre Ideen dazu vor.


Entmythologisierung des christlichen Glaubens


Für den protestantischen Professoren Rudolf Bultmann (1884 - 1976) sind die biblischen Geschichten lediglich in ihrer übertragenden Bedeutung wichtig. „Das Grab war leer, das hätte Bultmann sofort unterschrieben“, erzählte Pastor Hild. Diese Entmythologisierung des christlichen Glaubens betrieb der Theologe vor dem Hintergrund der Ereignisse des Zweiten Weltkriegs. „Wie kann ich den christlichen Glauben in der heutigen Zeit erklären?“, erläuterte Hild die Ausgangsfrage Bultmanns. Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre formierte sich in der akademischen Welt großer Widerstand gegen diese Sichtweise, so auch beim ebenfalls evangelischen Professor Wolfhart Pannenberg (1928 - 2014). „Die Historizität der Auferstehung, also das was wirklich geschehen ist, ist sehr wichtig“, erläuterte der Prediger im Martin-Luther-Haus, Torsten Küster, Pannenbergs Standpunkt. „Der plausible Sinnhorizont der Bibel überhaupt ist nach Pannenberg, dass Gott in Raum und Zeit handelt“, so Küster, „und auch Jesus ist Mensch geworden in Raum und Zeit und dann für uns gestorben.“ Als Beleg für die Historizität der Auferstehung führt Pannenberg an, dass die Erzählungen vom leeren Grab und die Erscheinungstexte aus unterschiedlichen Quellen und Kontexten stammen.

Auch der katholische Theologe und spätere Papst Joseph Ratzinger (geboren 1927) glaubt, dass die Auferstehung Jesu tatsächlich stattgefunden hat. „Die Jünger hatten eine klare Gewissheit, dass ihnen der lebendige Christus wieder erscheint“, erklärte Pastor Gorsolke den Ansatz Ratzingers. „Und in dieser Erfahrung erlebten sie eine Gewissheit über ihre eigene Auferstehung.“ Die christliche Jenseitshoffnung bestehe einerseits in der Unsterblichkeit der Seele, andererseits in der Wiederauferstehung des Fleisches.


Die innere Konsistenz der Persönlichkeit


Diesen Widerspruch löst Ratzinger auf, indem er die Seele als etwas definiert, das dem Körper Form gibt, „die innere Konsistenz der Persönlichkeit“, so Gorsolke. Und diese Persönlichkeit könne sich mittels einer geistigen Materie neu formen, „in einer Sphäre, die das Bios überschritten hat.“

Mit den Gedanken des römisch-katholischen Franziskaner-Paters Richard Rohr (geboren 1943) stellte Frank Penno, Pastor der freikirchlichen Christuskirche, einen alternativen Ansatz vor. „Die Auferstehung passiert in dieser Welt immerzu“, führte Penno aus. „Das Korn fällt in die Erde und gibt Frucht. Jesus ist das Grundmodell, was auch für die Menschen gelten soll.“

Die Auferstehung sollten die Menschen immer dann erleben, wenn sie mit dem Tod konfrontiert sind. „Immer wenn wir im Leben denken, es geht nicht mehr weiter, erleben wir kleine Häppchen Tod. Wir gehen in den Tod hinein, durch ihn hindurch und über ihn hinaus, dadurch verändern wir uns“, erklärte Penno die von Rohr beschriebene Transformation. „Gott will uns mit Todeserfahrungen verändern, uns auf ein anderes Level bringen“, so der baptistische Pastor über die theologische Idee Rohrs.

Die rund 30 Gäste des Diskussionsabends hatten nun Gelegenheit, in kleinen Gruppen je einen der vier Ansätze näher kennenzulernen. „Wichtig ist, dass wir gestärkt aus der Diskussion hervorgehen und nicht in Zwietracht“, so Gastgeber und Moderator Hild. „Vielleicht lassen sich unterschiedliche Standpunkte auch als Reichtum betrachten. Das Ziel ist es, die vier Modelle als Eckpfeiler zu verstehen.“

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