Streit über Tierrechte als Bühnenshow

Die Schüler hatten sich in ein Tier ihrer Wahl verwandelt, mit selbstgebastelter Maske und spezifischen Eigenschaften.
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Die Schüler hatten sich in ein Tier ihrer Wahl verwandelt, mit selbstgebastelter Maske und spezifischen Eigenschaften.

Die Klasse 6b des Ludwig-Meyn-Gymnasiums hat „Gericht der Tiere“ auf die Bühne gebracht

shz.de von
26. Januar 2018, 16:05 Uhr

Mit „Gericht der Tiere“ brachte die Klasse 6b des Ludwig-Meyn-Gymnasiums eine Diskussion über Tierrechte auf die Bühne. Die Originalfassung erschien ihnen zu fad, und so schrieben die Schüler das Theaterstück kurzerhand um und ergänzten es um akrobatische und musikalische Einlagen. Entstanden ist die Show als Gemeinschaftsprojekt im Deutsch-, Kunst- und Musikunterricht.

„Ein Mensch vor dem Gericht der Tiere“, so lautet der Originaltitel des Stücks von Helen Gori. „Doch nach dem dritten oder vierten Zeugen wäre Ihnen höchstwahrscheinlich langweilig geworden“, berichtete der Schüler Hendrik Hamel dem Publikum in der Aula. Deshalb verlegten die Kids die Handlung auf den Tag vor der Gerichtsverhandlung, mit Raum für mehr Action.

„Jeder Schüler und jede Schülerin konnte ein Tier selbst wählen und mit seinen Eigenschaften als Bühnenfigur gestalten“, so Deutschlehrerin Susan Jendrsczok. Die aufwändigen Masken entstanden im Kunstunterricht. Heraus kamen ein Plattdeutsch sprechender Orang Utang und eine Schnecke, die sich dagegen verwehrt, ihr Schleim sei ekelig, „denn ich brauche ihn doch, um vorwärts zu kommen!“ Einen vom Plastikmüll in den Meeren gestressten Tintenfisch gab es da, eine lebenslustige Kuh, den stolzen und reizbaren Stier, die ängstliche Maus und den starken Alpha-Wolf.

Auch ein Mensch war auf der Bühne zu sehen, ausgestattet mit Fuchskragen-Pelzmantel und Krokodilledertasche: „So viel Macht, wie ich habe, da könnt ihr gar nichts gegen machen“, verkündete er hochmütig. Die Staatsanwältin, eine schlaue Füchsin, verlas aus der Zeitung: „Für tausende Morde ist der Mensch verantwortlich“, und konstatierte: „Ich werde die Höchststrafe fordern.“ Die Katze, die sich vom Menschen gern kraulen lässt, meinte jedoch: „Ich glaube, dass es auch Zeugen gibt, die Gutes berichten können, ich fordere Freispruch.“


Unterhaltsame Darbietungen

Im Laufe des Stücks setzten sich die Sechstklässler mit dem widersprüchlichen Verhältnis zwischen Mensch und Tier auseinander. Und dabei gab es auch viele unterhaltsame Darbietungen zu sehen, einstudiert im Fach „Darstellendes Spiel“ unter der Leitung von Ulrike Herbig und Doris Lindenberg, von Tanz, Akrobatik, einer Einrad- und Inlinervorstellung und Zaubertricks bis zu Chorstücken und Liedern mit instrumentaler Begleitung. Analog zum Bühnenstück und Fernsehfilm „Terror“ waren die Zuschauer angehalten, über das Urteil abzustimmen. „Der Mensch ist bedingt schuldig, denn es gibt einerseits Menschen, denen das Recht der Tiere auf Leben, Achtung und Freiheit nichts bedeutet. Andererseits gibt es auch Menschen, die sich für das Wohl der Tiere einsetzen“, so lautete die Publikumsentscheidung. Der Löwen-Richter verurteilte den Menschen daher zu lebenslanger Bewährung, außerdem hatte er die Gerichtskosten zu tragen. Die wurden im Anschluss in Form einer Spende eingesammelt, die an eine Tierschutzorganisation geht.
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