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Raiffeisenbank Seestermüher Marsch : Streit trotz „goldgeränderter“ Bilanz

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Die Raiffeisenbank Seestermüher Marsch kommt nicht zur Ruhe: Zum zweiten Mal in Folge versagte eine Gruppe von Mitgliedern sowohl Vorstand als auch Aufsichtsrat Zustimmung und Gefolgschaft.

Zwar wurde der Antrag der Kritiker, beide Gremien nicht zu entlasten, von den Mitgliedern abgeschmettert, aber dass es tiefe Gräben zwischen Teilen des (Ex-)Aufsichtsrates und dem Vorstand gibt, blieb kaum einem Mitglied verborgen. Erklärungen bekamen sie allerdings nicht.

Stattdessen wurden die Anteilseigner überrascht vom Rücktritt des Aufsichtsratsmitgliedes Michael Averhoff nach nicht mal einem Jahr. Das Handtuch hatte er offenbar schon vor der Versammlung geworfen. Gründe wurden nicht genannt, auch gab es keine offizielle Verabschiedung.

Und schließlich die Wahl: Aufsichtsrat und Vorstand hatten sich auf eine Erweiterung des Kontrollgremiums auf vier Mitglieder verständigt. Für die Anteilseigner kein Problem. Auch den Vorschlag, Kai Fülscher (Haselau) als Nachfolger für Averhoff zu wählen, billigten sie. Bei Detlef Stein aus Klein Nordende war die Sache dann nicht mehr ganz so einfach.

Seestermühes Bürgermeister Thorsten Rockel war es, der seinen zweiten Stellvertreter Kai Albarts als Gegenkandidaten ins Spiel brachte, um auch seine Gemeinde im Aufsichtsrat vertreten zu wissen. Am Ende hatte Stein knapp die Nase vorn, gewann mit neun Stimmen. Für Rockel eine bedenkliche Entwicklung. „Ich bin in Sorge, denn für mich hat die Bank die Zusammenarbeit mit Seestermühe dadurch aufgekündigt“, sagte er gestern gegenüber unserer Zeitung.

Neben einem Haselauer und einem Klein Nordender sitzen im Aufsichtsrat nun mit Manuel Feldt ein Elmshorner (allerdings mit Seestermüher Wurzeln) und mit Peter Zimmer ein Seesteraner.

Endgültig verwirrt waren viele Mitglieder nach einer Generalabrechnung des im vergangenen Jahr aus dem Aufsichtsrat ausgeschiedenen Jürgen Preine. Er warf dem Vorstand vor, sich wie der Inhaber der Bank zu benehmen und die genossenschaftliche Sache aus den Augen zu verlieren, lieferte aber ebenfalls keine weiteren Erläuterungen. In der Konsequenz forderten einige Mitglieder vom Vorstand mehr Transparenz (siehe hierzu auch den Kasten). Immerhin: Das von Bankdirektor Jan Reese vorgelegte Zahlenwerk kann nicht zu dem Zerwürfnis geführt haben. Die Bilanz ist unstrittig und wurde von Hans-Günter Petersen, Wirtschaftsprüfer des Genossenschaftsverbandes, mit dem Prädikat „mit Gold gerändert versehen“.

Es gab 2012 keine Kreditausfälle, die die Bilanz der Bank belasten könnten, die Vermögenslage des Institutes bezeichnet Reese als „äußerst solide“. Eine erhöhte Nachfrage nach Wohnungsbaukrediten hat auch im Berichtsjahr zu einer Erhöhung des Kreditvolumens um 5,3 Prozent auf knapp 22,2 Millionen Euro geführt. Das Anlagevolumen stieg um 6,7 Prozent auf 38,9 Millionen Euro. Auf den Sparkonten der 2152 Kunden lag in 2012 ein Vermögen in Höhe von 30,1 Millionen Euro. Die Dividende beträgt sieben Prozent.

Mitglieder klagen: Zu hohe Dispozinsen

In Folge der Unstimmigkeiten während der jüngsten Jahresversammlung drängen einige Mitglieder auf deutlich mehr Transparenz innerhalb der Raiffeisenbank Seestermüher Marsch. Dabei geht es vor allem um die Höhe der Dispozinsen für Überziehung des Girokontos und die Vergabe der Mitgliederanteile.

Der führende Neuendeicher Sozialdemokrat Gerd Mettjes forderte etwa öffentlich, die bisherige Praxis einer freihändigen Vergabe durch den Vorstand zukünftig auf eine nachvollziehbare Basis zu stellen. Hintergrund: Offenbar gibt es Mitglieder, die unbesehen bis zu 20 Anteile erwerben konnten, anderen wurde das verwehrt. „Wir brauchen klare Regeln“, forderte Mettjes.

Auch appellierte er an die Vorstände, die Zinsen für die Überziehung des Girokontos in Höhe von 13,75 Prozent zu überdenken. Vor allem vor dem Hintergrund der guten Bilanz sei es peinlich, dass die Bank unter 200 norddeutschen Instituten an drittletzter Stelle rangiere. „Das trifft die Menschen, die über weniger Geld verfügen und deren Konto kurzfristig mal ins Minus rutscht“, sagte Mettjes.

Dass Bankdirektor Jens Hüllmann den Mitgliedern versicherte, dieser Satz werde nur fällig bei ungesicherten Krediten, die die Bank nicht kontrollieren können, und gelte nicht, wenn die Kunden bei Überziehungen Rücksprache mit der Bank halten würden, beruhigte Mettjes nicht. „Wer sein Girokonto überzieht, weil er knapp dran ist, wendet sich oft aus Scham nicht an die Bank“, sagte er. Zudem sei es für ihn schlicht Wucher, wenn der Zinssatz für Überziehungen beim 50-Fachen dessen liege, was die Kunden für ihr Guthaben etwa auf einem Sparbuch bekämen.

Mettjes war es auch, der den Vorstand aufforderte, stärken an einer angemessenen Gesprächskultur zwischen Vorstand und Kritikern zu arbeiten. er sei enttäuscht, so Mettjes, dass das bislang offenbar nicht geschehen sei.

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erstellt am 13.Okt.2013 | 20:18 Uhr

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