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Uetersener Nachrichten

12. Dezember 2017 | 11:57 Uhr

Geniale : Straßenschilder für Blinde

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Wie riesige Schraubenmuttern stecken sie auf den Masten von zehn Schildern in Wedel. Ihre vier Kanten hängen in einer Höhe von 1,30 Meter über dem Boden und leuchten in blauem Lack. Darauf prangen in weißen Buchstaben mit fühlbaren Profilen die Namen der parallel verlaufenden Straßen.

shz.de von
erstellt am 18.Jul.2013 | 21:33 Uhr

Volker König aus Wedel hat Straßennamen-Schilder für Sehbehinderte erfunden. Gestern stellte der 68-Jährige sie der Öffentlichkeit vor. Das bundesweit einzigartige Pilotprojekt könnte Schule machen.

König ist in Folge einer Diabetes blind. Unbekannte Orte besucht er nur in Begleitung seiner Ehefrau Marie-Luise. Straßenschilder helfen ihm nicht. Aber auch ein Freund, der noch über einen Rest an Sehfähigkeit verfügte, hatte mit den bis zu 2,50 Meter hohen Hinweisen seine Mühe. „Er kletterte in einer fremden Stadt immer am Mast hoch, um das Schild mit seinen Augen Buchstabe für Buchstabe abzutasten“, berichtete König.

Dank seiner Erfindung sind Straßennamen auch für Menschen mit wenig Sehvermögen zu entziffern und für Blinde zu ertasten. Aus einem Forschungsprojekt der technischen Universität Dresden weiß der Diplom-Ingenieur für physikalische Technik, dass die mittlere Sichthöhe des Menschen bei 1,30 Meter liegt. „Da kann man mit der Nasenspitze rantippen, um zu lesen“, sagte er. Für Rollstuhlfahrer hängen die Schilder fast auf Augenhöhe. Auf Blindenschrift verzichtete König bewusst. Nur zehn Prozent der Betroffenen könnten sie lesen.

Mitte des vergangenen Jahres begann er, seine Erfindung zu entwickeln. Aus Bauklötzen klebte er ein Modell zusammen. Die Firma Drei-D-Formenbau in Harrislee fertigte einen Prototypen an. Nachdem die Stadt Wedel Grünes Licht für ein Pilotprojekt und die Hamburger Claere-Jung-Stiftung 2000 Euro gegeben hatte, bauten Menschen mit Behinderungen in Flensburg in den Mürwiker Werkstätten Rohlinge aus Aluminium. Sie wurden graviert und lackiert. Der Wedeler Bauhof brachte sie vor drei Wochen in der Bahnhofstraße zwischen dem Rathaus und der Spitzerdorfer Straße an. Bis Jahresende sollen 32 weitere Schilder dazukommen. Einen Teil davon kann König bereits aus Spenden finanzieren.

Die Stadt bat der Wedeler nicht um Geld. „Man muss nicht immer nach dem Staat schreien“, sagte er. Man müsse nur Stiftungen kennen und vor allem Ideen haben. Die hat König zu Hauf hervorgebracht. Die Rippenplatten an den deutschen Bahnhöfen, die Sehbehinderten Orientierung geben, gehen auf eine seiner Erfindungen von 1984 zurück. 1996 ließ er an Bushaltestellen in Wedel Hartgummiplatten verlegen, die inzwischen auch in Oldenburg, Stralsund und Erfurt eingesetzt werden.

Mit bloßen Ideen gibt sich König aber nicht zufrieden. Sie müssen auch ausreifen. Er bittet um konstruktive Kritik zu seinem neuesten Projekt unter Telefon 04103/84311.

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