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Uetersener Nachrichten

22. Oktober 2017 | 10:37 Uhr

Dumpinglöhne : Stopp den Werksverträgen

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Es kommt nicht oft vor, dass sich ein Unternehmer mit einem Hilferuf an einen Sozialdemokraten wendet, der auch noch in dem Ruf steht, zu den Linken in seiner Partei zu gehören. Jan-Peter Fülscher hat es getan.

shz.de von
erstellt am 06.Mai.2013 | 20:32 Uhr

Der Geschäftsführende Gesellschafter der Fülscher Fleisch KG aus Seestermühe sieht sich in seiner Existenz bedroht durch große Schlachtbetriebe, die über Werksverträge Dumpinglöhne zahlen.

Den Trick erklärte er während eines Besuchs des Bundestagabgeordneten Ernst Dieter Rossmann und des Bürgermeister Thorsten Rockel (beide SPD): Deutsche Betriebe beauftragen zum Beispiel ein rumänisches oder bulgarisches Unternehmen mit der Schlachtung der Tiere. Die beschäftigen dann nur Arbeiter aus ihren Heimatländern nach den dortigen Gesetzen. „Es wird zwischen 4,50 Euro und 5,50 pro Stunde gezahlt“, weiß Fülscher. Der deutsche Mindestlohn liegt bei 8,50 Euro.

Das Seestermüher Familienunternehmen liegt über dem Tariflohn von 12 bis 13 Euro. „Wir brauchen qualifizierte Leute“, begründet er. Für die osteuropäischen Arbeiter zahlt der Subunternehmer dagegen keine Sozialabgaben und wenn in der Nacht geschlachtet wird, gibt es keinen Zuschlag.

Fülscher schlachtet und teilweise verarbeitet er für Betriebe aus der Region. Die Transportwege sind für die Tiere also kurz. Ganz anders sieht es bei den großen Schlachthöfen aus, die mit Kolonnen aus Ost- und Südosteuropa arbeiten. „Vieh aus Dänemark wird nach Deutschland transportiert und hier geschlachtet, weil es billiger ist“, erklärt der Geschäftsmann. Dann geht es zurück nach Dänemark, wo das Fleisch verarbeitet wird. Auch französische Schlachtbetriebe spüren die Billigkonkurrenz. Sie versuchen gerade ein EU-Verfahren gegen die Dumpinglöhne in Deutschland zu initiieren. Ungefähr 80 Prozent der Schlachtung von Rindern und Schweinen in Deutschland erfolgt in fünf Großbetrieben. „Oben im Personalbüro werden die Mitarbeiter entlassen, während unten die Arbeiter mit Werksverträgen in Bussen schon vorfahren“, sagt der Chef von 40 Angestellten und sieben Auszubildenden.

„Wir beklagen gerade Steuerdumping in fernen Ländern“, erklärt Rossmann, „dabei gibt es Lohndumping bei uns in Deutschland.“ Und als „einen wichtigen Betrieb für das Dorf“, wird Fülscher von Rockel bezeichnet, den man nicht verlieren wolle.

Es müsste ein Stopp gesetzt werden gegen den Missbrauch des Dienstleistungsentsendegesetzes, so Rossmann. Dazu will er seinen Parteifreund, den Ministerpräsident Torsten Albig und den Grünen Minister für Ländliche Räume, Robert Habeck, in die Region holen. Über den Bundesrat könnte Schleswig-Holstein eine Initiative gegen diese Werkverträge starten, hofft Rossmann.

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