Maßnahme : Stinkbomben für Rehe und Co.

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Um einen Zaun handelt es sich bei den in Zusammenarbeit mit dem ADAC Schleswig-Holstein in Tangstedt aufgestellten Duftmarken schon im weitesten Sinne nicht: denn kein engmaschiger Drahtverhau soll die Tiere daran hindern, die Straße zu überqueren, weil so ihr ohnehin schon durch den Straßenverkehr eingeschränkter Lebensraum zu Gehegen verkommen würde und nichts mehr mit freier Wildbahn zu tun hätte.

shz.de von
24. Oktober 2012, 21:15 Uhr

Der ADAC wendet in einem Pilotprojekt, das auf Bundesverbandsebene des ADAC in Schleswig-Holstein über fünf Jahre getestet wird, Duftmarken an, die alle drei bis fünf Meter auf Holzpflöcken oder in Astgabeln gesetzt werden. Als Trägermasse dient umweltunschädlicher PU-Schaum, der allerdings schon für die menschliche Nase einen grauenhaften Gestank verströmt. An Unfallschwerpunkten oder bekannten Wechselgebieten gaukelt dieser Trick den Wildtieren die Anwesenheit von Bären, Menschen oder anderen aus Wildtiersicht feindlich gesonnen Lebewesen vor, wovon man sich Folgendes verspricht: Wildtiere, die ihren angestammten Wildwechseln folgen, sollen beim Wahrnehmen des für sie Gefahr bedeutenden Geruches zunächst innehalten (der Jäger spricht vom Reh, was „verhofft“), wodurch Kraftfahrer die Chance erhalten, die Tiere rechtzeitig zu erkennen und eine Kollision vermeiden zu können. Der Wildwechsel selbst soll indes nicht unterbunden werden. Es soll nur vermieden werden, dass die Tiere im „Schweinsgalopp“ über die Fahrbahn stürmen, was – insbesondere für zu schnell fahrende Menschen – fast immer eine unausweichliche Kollision zur Folge hat. Und diese haben oft genug tödliche Folgen: Jährlich sterben in Deutschland rund 30 Menschen bei Wildunfällen; 3300 werden schwer verletzt. Und diese Zahlen beziehen sich nur auf Unfälle mit größerem Haarwild. Würde man Kollisionen mit Hasen, Igeln, Mardern und sonstigen Kleintieren mit einrechnen, so käme man auf hunderte Millionen Unfälle, mit schwerverletzten und getöteten Tieren. Alleine in Schleswig-Holstein ereigneten sich im vergangenen Jahr fast 12000 Wildunfälle. Hans-Albrecht Hewicker, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Pinneberg und Kreisnaturschutzbeauftragter des Kreises Pinneberg: „Uns geht es aber auch um die Tiere, die oftmals nur angefahren werden und dann schwer verletzt vor sich hin leiden, bis eventuell der Jäger sie von ihrem Leiden erlöst. Das kann aber nur geschehen, wenn der Unfall auch gemeldet wird. Eine Nichtmeldung eines Haarwildunfalls ist daher auch eine Ordungswidrigkeit, denn auch das Tier ist ein schützenswertes Gut“. Hewicker weiter: „28 Prozent des Kreis Pinneberger Rehbestandes werden von Kraftfahrzeugen erlegt.“

Das Gestanks-Set, das Hermann Fedrowitz, Abteilungsleiter Verkehr und Technik beim ADAC, gestern den Tangstedter Jägdpächtern und Vertretern von Polizei und Straßenverkehrsbehörde vorstellte, kostet rund 200 Euro. Die Erstausrüstung spendierte indes der ADAC und Fedrowitz führte den Gebrauch der Technik in freier Wildbahn vor.

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