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Hauptverhandlung : Staatsanwalt: „Uetersen mauert“

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Im Saal Zwei des Amtsgerichts Elmshorn wurde gestern das erste Urteil wegen Gefangenbefreiung im Kreis Pinneberg überhaupt gesprochen. Zumindest hatten die beteiligten Justizbeamten in ihrer Laufbahn noch nie vorher eine solche Straftat verhandelt. In diesem Fall wurde der 49-jährige Silvano K. aus Uetersen von der Anklage freigesprochen, am 2. September 2011 auf dem Uetersener Weinfest den Gefangenen Danilo R. aus der Gewalt zweier Polizisten befreit und ihm zur Flucht verholfen zu haben. Oberamtsanwalt Schröder plädierte am Ende der fast fünfstündigen Verhandlung aus Mangel an Beweisen zugunsten des Angeklagten für einen Freispruch, dem die Richterin Renate Päschke-Jensen in ihrem Urteil folgte. „Wir haben heute viel mit der Stange im Nebel gestochert. Uetersen mauert. Keiner will etwas mitbekommen oder gesehen haben. Das stinkt doch“, resümiert der Staatsanwalt unzufrieden. Auch Verteidiger Torben Schneider stellte am Ende der Verhandlung fest, dass die Beweise zu dünn für eine Verurteilung seines Mandanten gewesen seien.

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erstellt am 29.Jan.2013 | 21:29 Uhr

Dabei hatte die Richterin reichlich Zeugen geladen. Insgesamt wurden 17 Personen von dem Amtsgericht Elmshorn aufgefordert, im Fall Silvano K. auszusagen. Die wenigsten konnten und wollten allerdings etwas Klärendes zum Tathergang und zu den beteiligten Personen beitragen. Was genau in der Nacht des 2. September auf einem Rosenbeet im Rosarium geschah und wie sich Danilo R. mithilfe einer Gruppe von je nach Aussage 20, 30 oder 40 Personen schließlich aus dem Griff der Polizisten befreien und flüchten konnte, bleibt auch nach dem Urteilsspruch im Dunkeln. Selbst die beiden als Zeugen aufgerufenen Polizisten, die den Straftäter festnehmen wollten, konnten weder Silvano K. noch andere Täter identifizieren, die ihnen den Gefangenen mit Gewalt entrissen, so dass er flüchten konnte.

Am Anfang der Verhandlung ergriff Silvano K. selbst das Wort und erklärte, er sei an der Befreiung nicht beteiligt gewesen. Er wäre zwar auf dem Weinfest gewesen und hätte seinen Neffen, Danilo R., dort auch getroffen. Er hätte aber von der gescheiterten Festnahme seines Neffens im Rosarium erst später erfahren. Auch hätte er zu dem Zeitpunkt noch nicht gewusst, dass ein Haftbefehl gegen seinen Neffen vorlag. Die Richterin schob ein, dass er sich nach Zeugenaussagen mit dem Vorfall später gebrüstet haben soll, den Neffen befreit zu haben. Das bestritt Silvano K. in der Verhandlung. Danilo R. selbst, der eine Woche nach der missglückten Festnahme auf dem Weinfest verhaftet werden konnte und zurzeit in der Jugendstrafanstalt in Schleswig ist, war auch als Zeuge geladen. Er machte von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch, da es sich bei dem Angeklagten um seinen Verwandten handele.

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