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Uetersener Nachrichten

23. Oktober 2017 | 00:54 Uhr

Protest : Staat knickt Bauern das Land ab

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Lars Kuhlmann ist sauer. Bisher durfte der Tangstedter Landwirt die Knicks am Rand seiner Äcker senkrecht von unten nach oben zurückschneiden – so oft, wie er es für notwendig hielt.

shz.de von
erstellt am 17.Jul.2013 | 22:27 Uhr

Künftig muss er diese Wallhecken beim Stutzen unten 50 Zentimeter in sein Feld hineinragen lassen und nach oben hin in einem 70-Grad-Winkel schräg beschneiden, sodass die Äste in drei Metern Höhe etwa einen Meter weit über den Acker gucken. Alternativ darf er die Knicks auch mit einem Abstand von einem Meter zum Wall senkrecht kürzen. Den 50-Zentimeter-Streifen am Boden darf er in jedem Fall nicht bewirtschaften, höchstens mähen. So schreibt es die neue Knickschutz-Regelung des Landes seit dem 1. Juli allen Bauern in Schleswig-Holstein vor.

„Das greift ganz massiv in mein Eigentum ein“, sagte Kuhlmann gestern bei einem Treffen mit Kollegen und Pressevertretern auf einem seiner Maisfelder. Als Landwirt und als Vorsitzender des Kreisbauernverbands Pinneberg kritisiert er die neue Verordnung scharf. „Man merkt, dass das am Schreibtisch entstanden ist“, bemerkte er. Das Problem: Kuhlmanns Knicke sind zusammen rund neun Kilometer lang, seine Äcker umfassen rund 18 Hektar. Bisher bearbeitete er sie bis an den Heckenwall heran. Wenn er aber künftig 50 Zentimeter Abstand halten muss, wird ihm insgesamt fast ein halber Hektar Land fehlen.

Damit nicht genug: Er darf die Säge künftig nur alle drei Jahre ansetzen. Hat er den Knick bis zu einer Handbreit über dem Boden zurückgestutzt, was alle zehn bis 15 Jahre, aber nicht öfter geschehen soll, muss er bis zum nächsten seitlichen Beschnitt sogar sechs Jahre warten.

Während dieser Zeit wachsen die Sträucher aber munter weiter. Kuhlmann schätzt, dass sie nach sechs Jahren weitere zwei Meter über den Acker ragen. Bis dahin muss er mit seinen bis zu vier Meter hohen Landmaschinen in jeder Saison mehr Abstand zum Knick halten. „Sonst breche ich mir den Spiegel ab“, sagte er. Die Wirtschaftsfläche wird dadurch immer kleiner.

Verbandsgeschäftsführer Peer Jensen-Nissen schätzt, dass der Saumstreifen landesweit rund 3500 Hektar Ackerfläche kostet. Darauf ließen sich fast 27000 Tonnen Weizen anbauen.

„Die Wut ist groß“, so Kuhlmann. Bei den Bauern herrsche zudem Verunsicherung. Werner Kruse, Landwirt aus Heede und Mitglied des Verbandsvorstands, stellte fest: „50 Zentimeter einzuhalten ist gar nicht so einfach.“ Wer den Abstand überschreitet, muss mit einer Anzeige wegen einer Ordnungswidrigkeit rechnen. Es drohen Abzüge bei der Förderung von einem bis zu drei Prozent, bei Wiederholungstätern sogar 20 Prozent. Umwelt- und Landwirtschaftsminister Robert Habeck hatte die neue Regelung gepriesen: „Knicks leiden unter der immer intensiveren Nutzung von Flächen. Es ist deshalb fachlich geboten, den Schutz von Knicks zu verbessern“, sagte er. Kuhlmann: „Ich bezweifle, dass Pflanzenschutz und Dünger den Knick negativ beeinflussen, wenn man es richtig macht.“

Nach der Ernte will er eine Kreisbauernversammlung einberufen und über weitere Schritte nachdenken. In anderen Kreisen wurde bereits protestiert.

Der Wert der Knicks Die schleswig-holsteinischen Knicks bieten nach Angaben des Kreisbauernverbands Lebensraum für rund 7000 Tierarten, darunter etwa 40 Brutvogelarten. Sie beherbergen Nützlinge, die Schädlinge fressen. Außerdem stellen sie Windbarrieren dar. Die rund 68000 Kilometer Knicks werden größtenteils von Landwirten gepflegt. (jhf)

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