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Initiativkreis gegründet : Spurensuche gegen das Vergessen

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Ein „Initiativkreis NS-Vergangenheit – Spurensuche in Hetlingen“ hat sich am Ende einer Veranstaltung in der Gaststätte „Op de Deel“ gebildet. Zehn, zumeist ältere Bürger wollen mehr Licht in die Dorfgeschichte während des Nationalsozialismus bringen. Denn die beiden, in jüngerer Vergangenheit erschienen Dorfchroniken blenden diese Zeit weitestgehend aus. Die Freie Wahlgemeinschaft (FW) hatte die Diskussion organisiert und Erhard Vogt als Referent eingeladen.

Er engagiert sich im „Förderverein Gegen das Vergessen – Spurensuche im Kreis Pinneberg und Umgebung 1933 - 1945“. Der Uetersener stellt Vorgehensweise und Ergebnisse der Recherchen in seiner Heimatstadt vor. Besonders um das Schicksal der Zwangsarbeiter kümmert er sich.

Zu finden sind sie auf der Website des Vereins. Die könnte auch von den Hetlingern genutzt werden, um ihre Ergebnisse zu publizieren. „Es gibt gute Quellen“, macht er den Hetlingern Mut. Als Beispiele nannte er das Landesarchiv, den Internationalen Suchdienst in Bad Arolsen, sowie Akten von Polizei, Krankenhäusern, Kirchen und Verwaltungen. Die Diskussion ausgelöst hatte Helmut Gröne unter anderem mit einem Leserbrief in den Uetersener Nachrichten.

Er befragte alte Hetlinger, die unter den Nationalsozialisten gelitten haben und trug ihre Erinnerungen vor. Auf Einladung von Gröne war auch der ehemalige Landtagsabgeordnete Helmut Plüschau gekommen. Der 80-jährige wuchs in Hetlingen auf. Seine Eltern wurden damals als NS-Gegner schwer drangsaliert.

Beide erzählten Geschichten voller Unterdrückung, Gewalt, Willkür und Verfolgung, aber auch von Mut und Aufbegehren. „Schreiben Sie alles auf“, rät Vogt, „so gerät es nicht in Vergessenheit.“ 30 Prozent Nazis, 60 Prozent Mitläufer und Duckmäuser sowie zehn Prozent Gegner habe es damals gegeben, so Plüschau. Er erinnert sich an etwa 50 Zwangsarbeiter, die nicht nur auf den Bauernhöfen, sondern auch in Kleinbetrieben eingesetzt wurden.

Die Erinnerungen wach zu halten, ist mehreren Rednern ein wichtiges Anliegen angesichts der Neo-Nazis die etwa in den fünf neuen Bundesländern und in Uetersen wieder ihr Haupt erheben.

Plüschau schlug Helmut Gröne als Leiter des Initiativkreises vor. „Einer muss den Hut aufhaben“, unterstützt ihn Vogt, der anbietet, als Verbindungsmann zur Redaktion der Spurensuche-Website zu fungieren. Doch Gröne vermied eine Festlegung und erst auf Nachfrage von Diskussionsleiter Michael Rahn erklärt er sich bereit.

Ein Termin für das erste Treffen wurde schon festgelegt. Am Donnerstag, 23. Oktober, kommt man in der Gaststätte „Op de Deel“ um 19 Uhr zusammen.

www.spurensuche-kreis-pinneberg.de

Die Nationalsozialisten benennen

Wie mit den personenbezogenen Informationen umgehen, die im Rahmen der Recherche des Initiativkreises gefunden werden? Eine intensive Diskussion entwickelt sich besonders über diese Frage, wie weit heute lebende Nachfahren der damaligen Täter bloß gestellt werden. Sie könnten nichts dafür, was ihre Eltern oder Großeltern einst taten, so Helmut Plüschau. Deswegen sollten „Ross und Reiter genannt werden.“ Besonders die Nachkommen seien eingeladen, sich an dem Initiativkreis zu beteiligen.

Erhard Vogt verwies auf die Recherchen der Quickborner Spurensucher, die ihr Wissen über Dr. med. vet. Ernst Albers auf die Website stellten.Er war Ortsgruppenleiter der NSDAP von 1929 bis 1930 und später in Berlin in der Reichstierärztekammer tätig. Wichtige Informationen ergab ein Interview mit seiner Tochter.

Er berichtete ferner, dass sein Großvater aktives Mitglied der NSDAP war. In der Familie wurde sehr selten über die Zeit zwischen ‘33 und ‘45 geredet. Vogt hat sich im Landesarchiv Einsicht in die Entnazifizierungsakte seines Großvaters verschafft und daraus haben sich wichtige Informationen ergeben.

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erstellt am 19.Sep.2014 | 18:17 Uhr

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