Walter-Damm-Preis : Sprache der Kunst als letztes Mittel

Gestern ist der renommierte Walter-Damm-Preis im Rahmen einer Feierstunde vergeben worden. Bekommen hat ihn die Barmstedterin Heide Jacobs-Lankau, die sich seit 2008 ehrenamtlich in der Hospizbewegung engagiert und Sterbenskranken mit den Mitteln der Malerei eine Ausdrucksmöglichkeit bietet.

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24. November 2013, 19:16 Uhr

Sowohl Thomas Hölck, Vorsitzender des gastgebenden SPD-Kreisverbandes, als auch Lübecks Bürgermeister und Laudator Bernd Saxe würdigten das Engagement der 51-Jährigen als beispielgebend und unverzichtbar für die heutige Gesellschaft. „Wer einen Teil seiner Lebenszeit Schwerstkranken schenkt, muss ein ganz besonderer Mensch sein, sagte Thomas Hölck in seiner Begrüßung.

Bernd Saxe bezeichnete den demografischen Wandel in Kombination mit einer steigenden Lebenserwartung als Herausforderung, auf die Antworten gefunden werden müssten. Er forderte, in Zukunft noch intensiver über das Recht eines jeden Menschen auf ein selbst bestimmtes Sterben nachzudenken. „Eine Antwort ist aber auch die, dass professionelles medizinisches Wirken im Umgang mit sterbenskranken Menschen allein nicht ausreicht“, sagte er.

In Zukunft werde die Gesellschaft deshalb noch mehr auf Menschen angewiesen sein, die sich für Hospiz- und Palliativbewegung ehrenamtlich engagierten, bereit seien, Risiken einzugehen und besondere Belastungen auf sich zu nehmen, so Saxe.

Wie wichtig der Preis, der in Würdigung des einstigen Pinneberger Landrats und späteren Kieler Ministers Walter Damm vergeben wird, auch Mitgliedern anderer Parteien ist, zeigte ein Blick in die Gästeliste. Darauf standen unter anderem die Namen der CDU-Landtagsabgeordneten Barbara Ostmeier und des Pinneberger Kreispräsidenten Burkhard E. Tiemann, ebenfalls CDU. Einer der Ehrengäste war Uwe Damm, Appens frührer Bürgermeister und Sohn von Walter Damm.

Heide Jacobs-Lankau war einer von insgesamt 19 eingereichten Vorschlägen. „So schnell haben wir uns noch nie geeinigt“, sagte Thomas Hölck über die entscheidende Sitzung der Jury. Die Preisträgerin bedankte sich im Anschluss fast schüchtern und mit leiser Stimme. Sie habe, sagte sie, durch ihre ehrenamtliche Arbeit gelernt zu leben. „Damit müssen wir jetzt anfangen und nicht erst am Schluss.“

Die Preisträgerin

Heide Jacobs-Lankau hilft unheilbar kranken Menschen und deren Angehörigen, Gefühle wie Wut, Trauer und Verzweiflung mit den Mitteln der Malerei zu visualisieren. Im vergangenen Jahr zeigte sie die dabei entstandenen Bilder im Rahmen einer Ausstellung und rückte so das Elmshorner Hospiz mehr in den Mittelpunkt des Lebens.

Die Aufgabe erfordert ein Höchstmaß an Flexibilität, denn wenn ein betroffener Mensch mit ihr zusammen malen möchte, soll er nicht lange warten müssen. Wie oft sie im Einsatz ist, kann Heide Jacobs-Lankau nur schwer sagen: „Manchmal habe ich wochenlang nichts zu tun, und dann häufen sich die Anfragen plötzlich“, sagte sie. Die Phasen der Ruhe braucht die Krankenschwester, die auf einer Intensivstation arbeitet, um selber zu malen und für ihre Weiterbildung zur Kunstpädagogin.

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